An der Herresbacher Straße in Oberpleis

Ein Neubau für die Flüchtlinge

Zwischen Herresbacher Straße und Friedhof in Oberpleis soll das neue Asylbewerberheim gebaut werden.

Zwischen Herresbacher Straße und Friedhof in Oberpleis soll das neue Asylbewerberheim gebaut werden.

03.06.2015 OBERPLEIS. 80 bis maximal 100 Personen sollen im geplanten neuen Asylbewerberheim an der Herresbacher Straße in Oberpleis eine vorübergehende Heimat finden. Bis Mai wurden der Stadt Königswinter in diesem Jahr 88 Flüchtlinge zugewiesen, womit die Zahl jetzt bei 232 liegt. Bis Jahresende werden weitere 126 erwartet.

Am Dienstagabend beschäftigte sich der Planungs- und Umweltausschuss mit der Aufstellung des Bebauungsplans "Herresbacher Straße/Quodengarten". Um das Heim dort bauen zu können, muss die Fläche als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen werden. Die Stadt hat nach Prüfung zahlreicher Standorte diesen als den geeignetsten ermittelt. Das städtische Grundstück war ursprünglich als Erweiterungsfläche für den benachbarten Friedhof vorgesehen.

Der Neubau ist erforderlich, weil in der Paul-Moor-Schule in Oberpleis, die die Stadt dem Rhein-Sieg-Kreis abkauft, nur eine vorübergehende Unterbringung von rund 80 Flüchtlingen vorgesehen ist. Dauerhaft wird das Gebäude jedoch als Verwaltungsstandort benötigt. Und die Kapazitäten im Stieldorfer Übergangsheim sind erschöpft.

In einer Vorlage für die Sitzung des Ausschusses für Soziales, Generationen und Integration am Dienstag, 9. Juni, teilt die Stadt mit, dass von den 232 Flüchtlingen, die im Mai in Königswinter lebten, 175 in Stieldorf untergebracht waren. Weitere 57 Personen leben dezentral in Wohnungen. Im Übergangheim in Stieldorf sind 71 Einzelpersonen, fünf Ehepaare und 22 Familien mit insgesamt 94 Personen untergebracht.

Dezentral wohnen derzeit fünf Einzelpersonen, ein Ehepaar und 13 Familien mit 50 Personen. Bis auf zwei Wohnungen, die von den Familien selbst angemietet wurden, hat die Stadt die Wohnungen angemietet. 160 Personen befinden sich im laufenden Asylverfahren. 14 sind als Asylsuchende gemeldet und warten auf einen Termin beim Bundesamt, um Asyl zu beantragen. 49 verfügen nach bestands- und rechtskräftiger Ablehnung ihres Asylantrags über eine vorübergehende Duldung.

Die Verwaltung favorisiert die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen mit perspektivisch längerem Aufenthalt. Bei Flüchtlingen aus den so genannten "Sicheren Herkunftsstaaten" möchte sie an der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften festhalten. Dazu gehören Asylbewerber aus Bosnien und Herzegowina, Ghana, Mazedonien, Senegal und Serbien. Asylanträge aus diesen Ländern gelten als "offensichtlich unbegründet" und werden in der Regel abgelehnt.

Zurzeit kommen von den 232 Flüchtlingen in Königswinter 104 aus den Westbalkanstaaten und zwei aus Ghana. Für die Flüchtlinge aus diesen Ländern soll es künftig auch ein beschleunigtes Verfahren geben.

Ehrenamtliche Angebote für Asylbewerber

Mehrere Vereine und Institutionen in Königswinter bieten inzwischen Angebote für Flüchtlinge. Beim HSV Bockeroth können Asylbewerber kostenlos Mitglied werden und das gesamte Angebot nutzen. Die SSG Königswinter bietet bis zu den Herbstferien montags eine offene Sportstunde für Interessierte auf dem Oberpleiser Sportplatz an. Bei der Volleyballgruppe der HSG Siebengebirge-Thomasberg können Flüchtlinge kostenlos freitags am Training in Heisterbacherrott teilnehmen.

Das Gymnasium am Oelberg plant in der Woche vor den Sommerferien ein Integrationsprojekt. Die Schüler wollen jugendlichen Flüchtlingen eine kulturelle Stadtführung in Bonn anbieten. Die Katholische Jugendagentur möchte im Übergangsheim in Stieldorf und später auch in der Paul-Moor-Schule eine Spielbörse einrichten oder einen mobilen Spielbus einsetzen.

Die VHS Siebengebirge hat einen vom Land NRW geförderten Deutschkursus mit 100 Unterrichtsstunden in Stieldorf organisiert, der bereits am 6. Mai gestartet ist.

Im Ehrenamtsraum in Stieldorf finden weitere Deutschkurse statt. Außerdem werden dort Hilfe bei Hausaufgaben, Übersetzung, Rechtsfragen und eine Psychologische Beratung ehrenamtlich angeboten.

Die Pfarreiengemeinschaft Königswinter-Am Oelberg plant die Einrichtung eines ersten sozialen Runden Tisches am 24. Juni. (Hansjürgen Melzer)