25 Jahre Haus Heisterbach in Königswinter

Ein Heim auf Zeit für 550 Mütter und Kinder

Jochen Beuckers (r.), Vorsitzender von „Bausteine für das Leben“, und die Ehrenamtlichen unterstützen Frauen in Notsituationen.

Jochen Beuckers (r.), Vorsitzender von „Bausteine für das Leben“, und die Ehrenamtlichen unterstützen Frauen in Notsituationen.

HEISTERBACH. Seit 25 Jahren unterstützt der Verein „Bausteine für das Leben“ Frauen in Notsituationen. Mit einem Tag der offenen Tür im Second-Hand-Laden "Heisternestchen" startet das ehrenamtliche Team ins Jubiläumsjahr.

Das Lachen vor allem der jungen Besucher wies den Weg. Beim Dosenwerfen, Pedalofahren oder Riesenseifenblasenziehen hatten sie richtig Spaß. Dabei haben viele derer, die sich beim „Tag der offenen Tür“ im „Heisternestchen“ zum 25-jährigen Bestehen des Hauses Heisterbach ein Stelldichein gaben, in der Vergangenheit oft nicht viel zu lachen gehabt. Schließlich bietet Haus Heisterbach schwangeren und alleinerziehenden Frauen und deren Kindern, die allesamt aus Notlagen kommen, in zwölf Wohnungen ein Zuhause auf Zeit.

Weil zwei der zwölf Wohnungen derzeit renoviert werden, leben aktuell zehn Frauen mit zwölf Kindern in Haus Heisterbach. Auf dem Gelände des Klosters sollen sie wieder zu sich selbst finden und einen Weg, ihr weiteres Leben zu organisieren. Angeschlossen ist ein Hilfs- und Informationszentrum und unter anderem das „Heisternestchen“, ein Second-Hand-Laden. Dort reihte und stapelte sich am Tag der offenen Tür Kinderkleidung bis Größe 164, fanden sich Kinderschuhe, -möbel, -wagen sowie Bücher und Spielzeug oder Ausrüstung bis zum Fahrradhelm. Im „Spielraum“ gab es Ostersachen und draußen einen Flohmarkt unter anderem mit Auto-Kindersitzen und Schaukelpferden sowie Waffeln und Würstchen.

Verein wurde 1993 gegründet

Alle Einnahmen gingen wie immer komplett in die Arbeit des Trägervereins von Haus Heisterbach, „Bausteine für das Leben“. Dieser hat in 25 Jahren etwa 550 Frauen und Kindern aus ganz Deutschland für in der Regel ein bis zwei Jahre ein Heim gegeben und sie beim Start in ein neues Leben begleitet. „Angefangen hat alles mit der Suche nach der Wohnung für eine Schwangere. Eine Wohnung fanden wir nicht, aber das ehemalige Altenheim auf diesem Gelände hier“, so der Vereinsvorsitzende Jochen Beuckers. Ende 1993 wurde „Bausteine für das Leben“ gegründet, im Jahr darauf der Pachtvertrag geschlossen.

Dann begann der zweijährige Umbau des Hauses und das Projekt, das sich allein von Spenden finanziert und von Ehrenamtlichen getragen wird. Rund 700 Ehrenamtliche sind es in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten gewesen. 92 sind es derzeit. „Es dauert, bis sie Mut und Kraft haben, sich freizuschwimmen und eigenständig ihr eigenes Leben zu leben“, so Beuckers über die Frauen, denen geholfen wird. Sie kommen aus Situationen mit Schwangerschafts- und Partnerschaftskonflikten, seelischer und körperlicher Gewalt, finanziellen und psychischen Problemen. Manche haben nur die Kinder unterm Arm und nicht mal alle Papiere dabei, so Breuckers.

180 Anfragen pro Jahr

Rund 180 Anfragen erreichen den Verein jährlich. Deshalb gibt es unter anderem Aufnahmegespräche und auch -kriterien. Wer anruft, soll zumindest weitervermittelt werden. Haus Heisterbach ist auch Außenstelle des Versorgungsamts des Rhein-Sieg-Kreises und bietet niederschwellig Beratungsangebote. Zudem gibt es dort eine wöchentliche Spielgruppe, einen Elterntreff am Morgen und Café für alle Generationen am Nachmittag sowie Kursangebote.

Weil die Ehrenamtlichen das Herz der Arbeit bilden, sucht der Verein unter dem Motto „1000 Herzen für Haus Heisterbach“ im Jubiläumsjahr verstärkt Menschen, die sich für Mütter und Kinder in Not einsetzen, Spender und regelmäßige Förderer. Auch eine Stiftung soll es geben und unter anderem am Sonntag, 15. September, einen Festakt mit viel Programm.