Pilotprojekt in Königswinter

Ehrenamtliche lernen Kinderschutz

Stefan Schmied (l.) und Ute Berledt-Dörr (r.) vom Servicebereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe mit den Teilnehmern der Fortbildung.

Stefan Schmied (l.) und Ute Berledt-Dörr (r.) vom Servicebereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe mit den Teilnehmern der Fortbildung.

25.01.2016 Königswinter. 60 Vereine und Institutionen waren eingeladen, 15 nahmen am Fortbildungsangebot der Stadt Königswinter unter dem Titel „Wachsam sein und hinschauen!“ für ehrenamtlich und nebenamtlich Aktive in der Kinder- und Jugendhilfe teil.

Für sie gab es nicht nur umfangreiche theoretische, sondern vor allem auch viele praktische Informationen zum Thema Kinderschutz. Besonders die Fallbeispiele von Gisela Braun von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Landesstelle NRW, brachten die Vereinsvertreter körperlich wie geistig in Bewegung.

Ob der Lehrer, der die Schülertoiletten kontrolliert, der Übungsleiter, der bei der Ehrung seine zehnjährigen Schützlinge umarmt, oder die Lehrerin, die einen Tangokursus für ihre Schüler anbietet – die Teilnehmer waren im wörtlichen Sinne gefordert, im Sitzungssaal des Oberpleiser Rathauses Position zu beziehen und diese anschließend auch zu erläutern.

Auch wenn sie sich in den meisten Fällen einig waren, was erlaubt ist und was nicht, gab es doch einen gewissen Interpretationsspielraum. „Nähe und Distanz ist ein wichtiges Thema in Ihrer Arbeit. Diskutieren Sie das in Ihren Vereinen und Verbänden“, empfahl Braun. „Wichtiger als jedes Führungszeugnis ist dabei Ihr Vorbild“, gab sie den Vorständen, Trainern und Betreuern außerdem mit auf den Weg.

Vor gut einem Jahr hatte die Stadt mit Vereinen, Verbänden und Kirchengemeinden Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen, für die sich die Vorstände die erweiterten Führungszeugnisse ihres Personals vorlegen lassen mussten. Die Vereinbarung ist inzwischen Voraussetzung für die städtische Förderung zum Beispiel von Ferienfreizeiten.

„Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, weil eine hohe Quote der großen Vereine sie unterzeichnet hat“, sagte Ute Berledt-Dörr vom Servicebereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe am Rande der Veranstaltung. Die Fortbildung jetzt, bei der Fachwissen und Handlungskompetenz vermittelt wurde, ist ein Pilotprojekt und nach der Vereinbarung das zweite Modul. „Das Thema geht uns alle an. Es bedarf der Aufmerksamkeit der gesamten Gesellschaft“, sagte Vizebürgermeister Oliver Schikora (Bündnis 90/Die Grünen) zu Beginn.

Die Aktiven in den Vereinen und Kirchengemeinden würden die Kinder und Jugendlichen ja jeden Tag erleben. Die Bedeutung der Vereine betonte auch Birgit Hund-Heuser vom Kinderschutzbund Sankt Augustin, die zu Beginn der Veranstaltung über theoretische Grundlagen wie die UN-Kinderschutzkonvention von 1989 und das Bundeskinderschutzgesetz von 2012 mit dem besonderen Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung informierte.

„Sie können etwas bewirken. Sie können für die Kinder da sein“, sagte sie. Was unter Kindeswohl zu verstehen ist, werde dabei im Gesetz bewusst sehr schwammig gehalten. „So ist jeder aufgefordert, im Rahmen seiner Möglichkeiten hinzuschauen“, so die Sozialpädagogin.

Die Bandbreite dessen, was manche Menschen unter Kindeswohlgefährdung verstehen, hat der städtische Jugendpfleger Stefan Schmied erfahren. Für manche Eltern beginne es bereits dort, wo andere Kinder bei einer Ferienfreizeit keine warme Jacke im Gepäck hätten. (Hansjürgen Melzer)