Harfenklänge und Seelenansichten

Dirk Cornelsen und Susana Feige im Kunstforum Palastweiher in Königswinter

Vor vollbesetzten Stuhlreihen unterhielten Dirk Cornelsen und Susana Feige bei der lyrisch-musikalischen Soiree.

KÖNIGSWINTER. "Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus." Es gibt nicht viele Gedichte, die so berühren wie dieser Vers aus der "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff. Doch über die Seele gibt es viele Ansichten, und seit Menschengedenken haben Lyriker sie zum Gegenstand ihrer Gedichte gemacht. Bei einer lyrisch-musikalischen Soiree am Sonntag im Kunstforum Palastweiher konnten die Zuhörer viele dieser Gedichte aus drei Jahrhunderten, stimmungsvoll eingerahmt von sanfter Harfenmusik, auf sich wirken lassen.

Eine Veranstaltung, wie sie nicht besser zu einem stillen Gedenktag hätte passen können, wenngleich das Programm nicht eigens für den Totensonntag zusammengestellt wurde. Der Rezitator Dirk Cornelsen aus Königswinter und die junge Ratinger Harfenistin Susana Feige haben mit ihren "Ansichten der Seele" bereits anderenorts das Publikum in eine bezaubernd-meditative Stimmung versetzt, so auch in Bonn und in Madrid. Während Feige erstmals in Königswinter zu Gast war, ist Cornelsen, ehemaliger Bonn-Korrespondent der Frankfurter Rundschau und seit elf Jahren Rezitator, vielen bereits von einer ähnlichen Veranstaltung im Siebengebirgsmuseum bekannt und in bester Erinnerung geblieben.

"Die alten Dichter haben den Topos Seele noch wie selbstverständlich verwendet", erklärt Cornelsen zu den Gedichten, die er für die Soiree ausgewählt hat. "Bei den modernen Dichtern herrschen viel mehr Zweifel vor, ob es die Seele überhaupt gibt."

Ein Skeptizismus, der der heutigen Zeit entspricht. Manche Lyriker, wie zum Beispiel Friederike Mayröcker, verpassen indes sogar einem Dromedar eine Seele, und Gottfried Benn entdeckt sie selbst in einfachen Worten. Doch ganz gleich ob humorvolle, ironische, nachdenkliche oder gar traurige Verse - mit ihren Gedichten und Harfenklängen vermochten die beiden Künstler an diesem Nachmittag die Seelen der Zuhörer zu bewegen. "Cornelsen besitzt die seltene Gabe, außergewöhnliche literarische Werke hörbar und erlebbar zu machen", so Klaus Uwe Meier, Sprecher der Gruppe Kultur der Lokalen Agenda 21. Er freute sich besonders, dass mit diesem lyrisch-musikalischen Nachmittag eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Atelier Meerkatze realisiert werden konnte.

Dessen Inhaber Kurt Volkert nämlich hatte die Anregung zu dem besonderen Kulturerlebnis gegeben. "Kunst in Königswinter rückt immer stärker zusammen", so Meier. "Und dies möchten wir auch - gemeinsam die Kultur in unserer Stadt stärken."

Ein Konzept, das auch Vize-Bürgermeister Sokrates Theodoridis begeisterte: "Königswinter scheint in dieser Beziehung ein Stück vorangeschritten zu sein. Ich habe noch nie so viele Leute hier gesehen." In der Tat war es am Sonntag in den Räumen des Kunstforums so voll, dass noch Stühle zugestellt werden mussten.