Dekoratives zum Osterfest

Diese Eier-Kunst hat das ganze Jahr Saison

OELINGHOVEN. Künstlerin Ulli Marten stellt in ihrem Atelier in Oelinghoven mit viel Fingerspitzengefühl Filigranes aus Kalkschalen her. Ihre "Kunst am Ei" zeigt sie auch auf Ausstellungen und gibt Tipps für eigene Kreationen.

Ostern ohne Eier ist wie Weihnachten ohne Tannenbaum – sie gehören ganz einfach dazu, ob zum Vernaschen oder als farbenfrohe Dekoobjekte. Zumindest bis zu den Feiertagen, danach verschwindet die bunt bemalte Pracht wieder in Kartons und Schächtelchen – bis zum nächsten Osterfest. Nicht so bei Ulli Marten. Bei ihr haben Eier das ganz Jahr über Konjunktur. Die Oelinghovenerin macht nämlich „Kunst am Ei“ oder besser gesagt: aus Eiern Kunstwerke. Lampen, Anhänger, Dekoartikel, Ketten und Armbänder, sogar Christbaumschmuck stellt sie aus den fragilen Kalkschalen her.

Schmuck aus fragilem Material

Ihr Atelier in dem urigen Fachwerkhäuschen an der Straße Zur Heide hat mit Meister Lampes Osterwerkstatt entsprechend wenig gemeinsam: Hier wird nicht bunt drauflos gepinselt, sondern mit feinstem Werkzeug gebohrt, gefräst, lackiert. Aufs Ei gekommen ist die Hobbykünstlerin, als sie sich vor vielen Jahren vier Gänseküken zulegte – und zwar völlig ungeplant. „Die haben mich auf einem Bauernmarkt so lieb angeschaut, dass ich nicht widerstehen konnte.“ Die Gänse wuchsen und gediehen – und bei dem Ehepaar Marten stand fortan immer häufiger Rührei auf dem Speiseplan. „Da habe ich angefangen zu überlegen, was man sonst noch mit den Eiern machen kann.“

Die gebürtige Bonnerin, die seit ihrer Kindheit in Königswinter lebt und immer schon kreativ war, begann, die Eier kunstvoll zu verzieren. „Angefangen habe ich mich Serviettentechnik“, erzählt sie. Mittlerweile verleiht sie Eiern mit einer Kombination aus Perforations- und Wachsbossier-Technik die besondere Note. Dabei wird heißes Wachs mit einem Federkiel in filigranen Mustern und Ornamenten auf die Eierschale aufgetragen.

Arbeit mit Präzisionswerkzeug

Längst bearbeitet die Künstlerin nicht mehr nur Gänse, sondern auch Wachtel-, Hühner-, Enten-, Puten- und Straußeneier – und ihre Werkstatt ist ausgestattet wie eine Zahnarztpraxis: Diamantbohrer mit diversen Aufsätzen und Fräsen sind unverzichtbare Arbeitsutensilien. Nur dass Marten nicht Löcher füllt, sondern bohrt – und das mit 400.000 Umdrehungen pro Minute.

Das Präzisionswerkzeug schafft, was von Hand nie gelingen würde, nämlich feinste Löchlein zu bohren oder Linien zu fräsen, ohne dass Haarrisse entstehen, die das Eierkunstwerk früher oder später zu Bruch gehen lassen würden. Bei manchen der grazilen Kunstwerke bleibt vom Ei nur ein filigranes Gerippe übrig, verziert mit kleinen Schmetterlingen oder winzigen Masken.

Ideen gibt es genug

Geduld, eine ruhige Hand und eine sehr hohe Konzentrationsfähigkeit sind Voraussetzungen für diese Kunstfertigkeit. Die zarten Schalen verzeihen keinen noch so kleinen Fehler und Wackler, auch die dickwandigeren Straußeneier nicht: Werden sie von innen beleuchtet, sieht man dies sofort. „Das Licht verzeiht nichts.“ Ist das schwierige Bohren und Fräsen einmal geschafft, geht es ans Malen: „Das ist für mich wie Meditieren. Wenn ich an meinem Tisch sitze, kann ich regelrecht in die Arbeit abtauchen.“ Marten arbeitet stets daran, ihr künstlerisches Repertoire zu erweitern – wobei das Ei natürlich den Rahmen vorgibt.

„Im vergangenen Jahr habe ich angefangen, Anhänger aus Eierschale mit Acrylfarbe zu gestalten. Dieses Jahr ist noch die Aquarellmalerei hinzugekommen.“ Ideen hat Marten genug, und die eine oder andere lässt sich sogar ohne kompliziertes Werkzeug umsetzten. „Man kann zum Beispiel aus Eiern kleine Vasen zum Aufhängen gestalten“ – ein origineller Schmuck, nicht nur für Osterzweige. Wie es geht: siehe Anleitung oben.