Fachtag der Familien- und Erziehungsberatungsstelle

Die größten Probleme sind struktureller Natur

Siebengebirge. Eltern und Kinder mit Fluchtgeschichte standen im Zentrum eines Fachtags der Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Städte Königswinter und Bad Honnef. Mehr als 20 Teilnehmer trafen sich zum Gedankenaustausch in der Jugendherberge Bad Honnef.

Die Menschen, sagte Ligita Werth, „schaffen sehr viel selbst – wenn die Umgebung stimmt.“ Konkret gemünzt waren ihre Worte jetzt auf Menschen mit Fluchtgeschichte. Um die ging es beim Fachtag der Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Städte Bad Honnef und Königswinter (FEB).

Intensiv beschäftigten sich die mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den beiden Siebengebirgskommunen in der Bad Honnefer Jugendherberge dabei mit dem Thema „Begegnung und Arbeit mit geflüchteten Eltern und ihren Kindern“. Referentin war Ligita Werth, ihres Zeichens Koordinatorin des Sozialpsychiatrischen Kompetenzzentrums Migration im südlichen Rheinland.

Das Kompetenzzentrum Migration, kurz SPKoM, ist angesiedelt bei der Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg und wird seit 2008 gefördert vom Landschaftsverband Rheinland (LVR). Ziel des LVR ist es, migrantenspezifische Hilfsangebote weiterzuentwickeln. Das Kompetenzzentrum südliches Rheinland organisiert dafür unter anderem Tagungen und Workshops im Themenfeld Migration und Psychiatrie; ebenso berät es Organisationen und Einrichtungen bei interkulturellen Fragen und fördert deren Vernetzung.

Bei einer anderen Veranstaltung aus diesem Themenfeld entstand der Wunsch, Ligita Werth als Referentin auch für einen Fachtag der FEB zu gewinnen, berichtete deren Leiter Jürgen Scheidle. Zum vierten Mal richtete die FEB jetzt einen solchen Fachtag aus; frühere Tage galten etwa der geschlechterspezifischen Erziehung und anderen Themen. „Wenn die Umgebung stimmt“: Hier, so zeigte sich beim anschließenden Fazit aus dem Kreis der Teilnehmer, leisten die Familienzentren im Siebengebirge wichtige Basisarbeit.

Dolmetscher fehlen

Die Erfahrungen, berichtete etwa Karin Casel vom Familienzentrum Sankt Aegidius, zeigten, „die Kinder machen das sehr gut. Sie lernen viel aus der Beobachtung, kommen schnell an“. Probleme, berichtete Werth, seien eher struktureller Natur, Erzieher, Lehrer, auch Institutionen würden von der Politik alleine gelassen. „Viele Probleme ließen sich beseitigen, wenn es mehr strukturelle Unterstützung gebe. An der Basis wird viel Zeit, Energie und auch Geld verbraucht, um solche Hemmnisse zu überwinden“, so Werth.

Ein Beispiel: Hilfen bei der Überwindung der Sprachbarrieren. Es fehle an Dolmetschern, professionelle, konstitutionelle Unterstützung sei ein großes Manko. Und während die Kinder sehr schnell die neue Sprache lernten – Casel: „Wir stellen fest, dass sie in einem halben Jahr schon sehr gut Deutsch lernen“ –, stünden deren Eltern in dieser Hinsicht oft vor einer sehr großen Hürde. Ute Wiedemeyer vom Familienzentrum Menschenkinder in Thomasberg sagte angesichts fehlender Unterstützung durch die Politik: „Man stellt sich schon die Frage, ob Deutschland sich als das Einwanderungsland begreift, das es ist.“ Werth: „Die Menschen müssen aushalten, was die Politik nicht liefert.“

Umso wichtiger sei es auch für die Teams unter anderem von Familienzentren wie Sankt Pankratius Oberpleis, wo laut Georg Palluch gegenwärtig vier syrische Flüchtlingskinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut werden, um Beratungs- und Hilfsangebote überhaupt zu wissen.

Von der Vernetzung wie bei den Fachtagen profitierten alle, so das Fazit der Teilnehmer. Auch sei es wichtig, institutionelles Wissen zu erwerben. Das gelte auch für die FEB, so die Mitarbeiterinnen Ruth Richrath und Carina Bierbrauer. Ferner müssten die Angebote der FEB noch bekannter werden, da sie sich an alle Familien richteten.