Kunsttage in Königswinter

Die ganze Stadt eine Galerie

KÖNIGSWINTER. Schrill und farbenfroh, düster und geerdet, die feingliedrige Präzision des Fotorealismus oder die mehrdeutige Faszination des Abstrakten - Vielfalt stand bei der 14. Ausgabe der Königswinterer Kunsttage einmal mehr an allererster Stelle.

Ob im Atelier Meerkatze oder im Kunstforum Palastweiher, im Haus Bachem oder in den Lemmerzwerken; zahlreiche Ateliers und Ausstellungsräume luden am Wochenende Kunstinteressierte aus dem gesamten Siebengebirge zur visuellen Entdeckungsreise ein. Drei Tage lang verwandelte sich die Altstadt in eine regelrechte Kunstmeile - und das Beste: Wer sich bislang noch nicht zu einem Abstecher in den Formenreichtum der Königswinterer Kunstszene hat hinreißen lassen, der hat heute noch einmal Gelegenheit dazu.

Bunt, expressiv, gegenständlich - der Schönheit und Vielfältigkeit des Lebens widmete Tony-Brian Child in seinem "KunstHAUS 1717" gemeinsam mit drei Künstlerkollegen eine eigene Ausstellung, die auch über die Kunsttage hinaus noch bis in den Herbst hinein zu sehen sein wird. Ganz besonders der Macht der Fotografie wird hier Rechnung getragen. Schwarze Wolkenschleier vor einem in leuchtendes Orange getauchten Sonnenuntergangshimmel, zwei einsame Bäume in einer kargen, tiefblauen Winterlandschaft - ein wahrer Farbenrausch die Fotoreihe "Heaven on Earth" der ehemaligen Pressefotografin Gaby Sommer.

Der Engländer Tim Fisher hingegen bringt in perfekt arrangierten Bildern seine Bewunderung für Architektur zum Ausdruck; er liebt das Spiel mit Fokus und Tiefenschärfe, in der sich das Wilde in menschengemachten Strukturen widerspiegelt. Tony-Brian Child, selbst Fotograf, glänzt unter dem Motto "Rheinland pur" mit unnachahmlich regionalen Motiven; komplettiert wird die Ausstellung von Renate Feuser-Wilds kraftvollem Spiel markanter Gelb- und Grüntöne, zusammenkomponiert zu leidenschaftlich-anonymen Aktgemälden.

Doch nicht nur fürs Auge gab es reichlich, sondern zudem ausgefallene Akzente fürs Ohr. Als besonderes Highlight für die diesjährigen Kunsttage hatte "Meerkatze"-Galerist Axel Wendelberger den Perkussionisten und Klangkünstler Pit Gutmann ins Siebengebirge eingeladen. Unter dem Titel "puls.klang.fluss" pendelte der Schweizer auf geradezu exotischen, selbstentworfenen Klangobjekten - von einer riesigen Rahmentrommel-Konstruktion über ein Löffelklavier bis hin zur Leuchttrommel - zwischen großen, wuchtigen Schlägen und feinen, verspielten Tönen.

Nicht ganz unpolitisch unterdessen die Vernissage der unbetitelten Sammelausstellung im Kunstraum Königswinter. Heinz Zöller von der Lokalen Agenda hieß die Besucher willkommen und warb um Spenden für "unsere neuen Freunde und Nachbarn", die bereits bei der Eröffnung der Kunsttage und beim Perkussionskonzert unter den Gästen gewesen waren. Das Geld soll zusammen mit dem Erlös aus der Versteigerung des diesjährigen "Wet Painting" für Sprachkurse für die Flüchtlinge verwendet werden. Ein politisches Statement ebenfalls die romantischen Fotozyklen Burgi Zöller-Rosendahls, betitelt "Hellas - Nai!" und "Grexit - Oxi!".

Seine Vielseitigkeit bewies Dieter Ditscheid mit Acrylkompositionen voller wilder Farbsprenksel sowie einem kontrastreichen Silhouettenspiel in Tusche; Wolfgang Sahlmann stellte derweil etwa seinen "Christuskopf" in dunklem, schemenhaftem Acryl aus.