Arbeiten sollen 2018 fertig sein

Die Sanierung des Petersbergs verzögert sich

Königswinter. Die umfassenden Sanierungsarbeiten auf dem Petersberg sollen nach einer Verzögerung im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Arbeiten und stellen die Veränderungen vor.

Der Blick über das Rheintal ist atemberaubend, selbst an diesem trüben, verhangenen Dezembermorgen. Doch die Aussicht würdigen die Arbeiter naturgemäß keines Blickes. Soeben wird die neue Tür am Haupteingang installiert. Während man dort bisher mit einer „normalen“ Flügeltür vorliebnehmen musste, werden die Gäste des Steigenberger Grandhotels demnächst durch die vollautomatische Drehtür ins Haus schreiten. Die Gestaltung des Haupteingangs sowie des Foyers samt optimierter Rezeption ist nur ein Teil einer Frischzellenkur für das frühere Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg, die sich der Bund gut 35 Millionen Euro kosten lässt. Die Arbeiten sind in vollem Gange.

Erstmals vorgestellt worden war das Projekt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin 2015. Nach weit aufwendigeren Vorplanungen als gedacht hatten die Arbeiten im Frühjahr 2017 mit einjähriger Verspätung Fahrt aufgenommen. Wie berichtet, stehen im ersten – und weit umfangreicheren – von zwei Bauabschnitten die Arbeiten im Nordflügel mit Zimmern, Restaurant, Tagungsräumen, Terrassen und Rotunde an. Ausnahme: Der neue Biergarten wurde bereits im April 2016 in Betrieb genommen. Auch Fassaden- und Fensteranstrich sowie verbesserte Außenflächen mit Wegen und mehr Parkplätzen gehören zum Tableau, ebenso die Betonsanierung in der Tiefgarage.

Tagesgeschäft im Südflügel

Während im Nordflügel Umbauten und Installationen teils so weit vorangeschritten sind, dass in Zimmern schon Mobiliar aufgebaut werden kann, geht im Südflügel das Tagesgeschäft seinen Gang. Um dies zu ermöglichen, wurden beide Trakte mit einer Wand getrennt, die den Südflügel von Staub und Schall abschirmt. Hämmern und Bohren hier, gediegene Hotelatmosphäre, gedämpfte Musik und mehrsprachige Telefonate mit Gästen aus aller Welt an der für die Bauzeit zum ehemaligen Präsidenteneingang verlegten Rezeption dort: Die Szenarien auf dem „Berg“, wie Mitarbeiter ihren besonderen Arbeitsplatz oft schlicht nennen, könnten zurzeit unterschiedlicher kaum sein.

Einer der Dreh- und Angelpunkte der Umbauten, so Joachim Burdack, Projektverantwortlicher bei der Bima: Zimmertrakt und Veranstaltungsbereiche werden klar getrennt – vorbei sind die Zeiten, da für Staatsbesuche Teile des Hauses unter größten Sicherheitsvorgaben abgetrennt werden mussten. Gewissermaßen ein Relikt dieser prägenden Zeit: „Die Decke ist bombensicher“, verweist Vladimir Saal, Geschäftsführer der Gästehaus Petersberg GmbH, im Restaurant auf die noch nicht verkleidete Unterkonstruktion der Decke – und das ist wörtlich zu nehmen. Denn wegen des über dem schon immer öffentlichen Restaurant liegenden Bankettsaals und darin stattfindender Staatsbankette wurde die Decke seinerzeit besonders ausgefertigt. Sicherheit ging halt vor.

Backstagebereich wird optimiert

Nicht nur die für Hausgäste und alle Besucher von außerhalb zugänglichen Bereiche, auch der Backstagebereich wird kernsaniert, umgebaut und optimiert. So werden etwa bislang ungenutzte Flächen für zusätzliche Büros umgebaut sowie Bankett- und Hauptküche komplett erneuert. Nur eine Besonderheit, berichtet Saal: Um die Veranstaltungsräume besser nutzen zu können, fiel eine Wand samt Einbau eines stattlichen Stahlträgers. Denn: Bisher war der kleinere „Saal Rheinblick“ für Nutzer und Personal nur durch den größeren Bankettsaal zu erreichen, was eine zeitgleiche Vermietung beider Räume unmöglich machte. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Ein anderes Beispiel, wie Hotelstandards besser umgesetzt werden, sind die Zimmer. Nach der Sanierung wird es 112 einheitliche Doppelzimmer geben, dazu kommen neun Suiten und eine Präsidentensuite. Wichtig: Alle Doppelzimmer werden nicht nur in der Ausstattung, sondern auch in der Größe vergleichbar sein. Dazu wurden teils ehemalige Suiten verkleinert, teils frühere „Kutscherzimmer“, so die interne Bezeichnung für kleinere Zimmer des nachrangigen Staatsgäste-Trosses, zusammengelegt. Burdack: „Es geht immer um Qualität, wie sie ein Haus im Fünf-Sterne-Standard braucht.“ Das sei schließlich auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Arbeiten im Nordflügel fast beendet

Die Arbeiten im Nordflügel gehen bald auf die Zielgerade, ab Anfang 2018 folgen jene im Südflügel. Burdack: „Wir sind aktuell ein paar Wochen in Verzug, liegen allerdings gut angesichts normaler Widrigkeiten bei einem Vorhaben dieser Größenordnung im Bestandsbau und bei laufendem Betrieb.“ Zu nennen wären Auswirkungen des oft schwierigen Bausektors allgemein, ebenso die aufwendige Verzahnung der Gewerke. Saal: „Alle Gewerke hängen ja voneinander ab. Klappt eines nicht, stoppen auch die anderen.“ Zudem gab es Zwischenfälle wie einen Stromausfall wegen gekappter Kabel, deren Lage auch in diesem altehrwürdigen Haus durchaus Überraschungen bergen kann.

Burdack geht dennoch fest davon aus, dass alles 2018 fertig wird – „und das nicht erst im Dezember“. Der zweite Bauabschnitt sei nicht nur wesentlich überschaubarer, „auch kennen wir das Haus jetzt viel besser“, ergänzt er. Wie aufwendig das Vorhaben ist, zeigt sich auch daran: „Wir haben bislang schon deutlich mehr als 70 Ausschreibungen und Vergabeverfahren erfolgreich abgeschlossen“, so Burdack. Der Kostenrahmen habe bisher gehalten werden können, von geschätzt einer Million Euro Teuerung sei allerdings auszugehen.

Aufarbeitung der Böden sehr aufwendig

„Das sieht schlimmer aus, als es ist“, sagt Saal beim Rundgang im Nordflügel, in dem größte Baubetriebsamkeit herrscht. Worauf er abhebt: Auf den unteren Fluren des Zimmertraktes liegen Kabel für Installationen und Technik ebenfalls noch offen unter der Decke. Saal: „Zwei Wochen weiter, und das sieht ganz anders aus. Die Firmen arbeiten sich von oben nach unten vor, und in weiten Teilen läuft schon der Innenausbau.“

Die Modernisierung ist überall mit Händen zu greifen. So gibt es Klimatisierung in allen Zimmern, moderne Bäder mit Badewanne und Dusche, zeitgemäße Technik oder neue Böden wie das Parkett im Bankettsaal, neue Beleuchtung und vieles mehr. Noch am geringsten – zumindest die Zahl der Gewerke betreffend – kommt die Sanierung im Herzstück, in der Rotunde, daher. Der Marmorboden wird, wie auch der Naturstein im Foyer, aufgearbeitet. Alle Wände und Säulen sind bereits gestrichen, alle Metallteile wie das Treppengeländer aufgearbeitet. Silvia Harth vom beauftragten Projektmanagement-Unternehmen Diederichs in Bonn: „Allein die Böden aufzuarbeiten, ist ein sehr großer Aufwand, den man so erst mal nicht vermutet.“

So müssten alle Fugen ausgekratzt werden, „hier ist sehr viel Handarbeit, überall“. Für die Nutzer nicht sichtbar ist eine wesentliche Neuerung in der Rotunde: Die Kuppeldecke wurde mit einem speziellen Schallschutzputz versehen. „Das verbessert die Akustik“, betont auch Saal. Sprich: Der Halleffekt schwindet. Noch bessere Bedingungen also in der Zukunft, auf dem Berg gepflegt zu feiern und zu nächtigen.