"Hallenkunst XXL" in der ehemaligen Lemmerzhalle

Die Erwartungen übertroffen

Freuen sich über den Erfolg: Franca Perschen (im Uhrzeigersinn), Helmut Reinelt, Künstler Peter Marth und Helge Kirscht. FOTO: FRANK HOMANN

Freuen sich über den Erfolg: Franca Perschen (im Uhrzeigersinn), Helmut Reinelt, Künstler Peter Marth und Helge Kirscht.

KÖNIGSWINTER. Zu Anfang, als die "Hallenkunst XXL" in der Planungsphase steckte, habe sie noch Bedenken gehabt, räumt Kuratorin Franca Perschen ein.

Kleine Zweifel etwa, ob die ehemalige Werkshalle tatsächlich das passende Ambiente für eine Kunstausstellung sei, ob das Pilotprojekt des gemeinnützigen Kunstvereins Antiform beim Königswinterer Publikum auf Gegenliebe stoßen würde. Doch das tat es. Und wie.

Die vergangenen sechs Wochen haben Perschens Erwartungen bei Weitem übertroffen: 3500 Besucher hat das unkonventionelle Kunstexperiment in die ehemaligen Lemmerzwerke gezogen. Ein Zeichen für die kreative Freiheit komplett ohne Formatbeschränkungen - das kam mehr als gut an. Die "Hallenkunst XXL" hat nun ihre Pforten geschlossen, und sie ist ein voller Erfolg gewesen. Bei der gemeinsamen Finissage ließen Künstler und Initiatoren nicht nur die vergangenen sechs Wochen Revue passieren, sondern wagten auch den Blick in die Zukunft.

"Es ist richtig gut, was hier passiert ist", lobte Antiform-Chef Helmut Reinelt. "Die Hallenkunst hatte eine Strahlkraft bis über die Grenzen des Siebengebirges hinweg." Nicht nur aus Honnef und Königswinter, sondern auch aus dem Ruhrgebiet, aus dem Kölner Raum und aus Koblenz seien Kunstfreunde und Interessierte angereist, um die XXL-Kunstwerke zu betrachten.

Unter den Gästen befanden sich sogar ehemalige Angestellte der Lemmerzwerke: Ein Besucher hatte im Jahr 1937 in derselben Halle, in der nun quadratmeterweise bunt bemalte Leinwände hingen, seine Lehre begonnen, und erzählte lebhaft von seiner Arbeit in der einstigen Fabrik. Diese Zeiten sind lange vorüber - aber eine neue Ära könnte gerade begonnen haben.

Denn die zahlreichen positiven Erfahrungen, die man im Rahmen der Ausstellung gemacht habe, sieht der Antiform-Vorsitzende als Argument, dass eine solche Kunst-Hochburg die Stadt dauerhaft bereichern würde. In Form von 400 Unterschriften hätten auch die Besucher ihr Interesse an einer langfristigen Nutzung des Geländes für künstlerische und kulturelle Zwecke bekundet, so Reinelt.

Deshalb würde er am liebsten einen ungenutzten Gebäudekomplex an der Ladestraße in eine regelrechte "Kulturfabrik" umwandeln - Konzerthalle, Kunststudios, Gastronomie und gemeinnützigen Ausstellungsbereich inklusive. Denn: "Wir haben es ja gesehen, ein passendes Angebot zieht die Leute hierher und wertet das Image des Ortes auf", so Reinelt. Wichtig sei aber: "Es soll keine reine Antiform-Präsenz sein." Stattdessen wolle man, sofern die Pläne umgesetzt werden, allen Künstlern und Kunstinteressierten einen gemeinsamen kreativen Ort bieten.

Wird es nun also in absehbarer Zukunft eine "Hallenkunst XXL, Teil zwei" geben? Geplant ist noch nichts, doch die Bereitschaft ist da: "An uns soll es nicht liegen", so Franca Perschen. Das Interesse des Publikums und der Künstler sei geweckt, eine zweite Ausgabe der Hallenkunst-Ausstellung könne sie sich daher prinzipiell gut vorstellen. Dann aber wahrscheinlich unter einem anderen Motto: "Es muss ja nicht immer alles XXL sein."