Neue Projekte in Königswinter

Die Altstadt liegt ihnen am Herzen

Königswinter. Die Unternehmer Ulrich Keinath und Hans-Helmut Schild investieren trotz Rückschlägen in neue Projekte in der Königswinterer Altstadt.

Solche Rückschläge können Ulrich Keinath und Hans-Helmut Schild nicht beeindrucken. Zurzeit müssen die beiden Männer, die sich seit Jahren in Königswinter engagieren, wieder einmal einen neuen Pächter für das Kontor und Kaffeehaus in der Hauptstraße suchen. Doch sie sehen optimistisch nach vorn. „Königswinter ist nach wie vor ein Ort, der unterschätzt wird“, sagt etwa Schild.

Der jetzige Pächter des Kontors, Philipp Menzler, ist erst seit September dort tätig. Er erwartet mit seiner Frau im Juli das zweite Kind. „Ich liebe das Café und gebe es schweren Herzens auf. Aber mit zwei kleinen Kindern ist das für meine Frau und mich zu viel“, sagt er. Die guten Bewertungen im Internet zeigen, dass die Pächter ihre Arbeit offensichtlich gut gemacht haben. Umso bedauerlicher also ist ihr Ausscheiden.

„Es wird einen fließenden Übergang geben“, verspricht Schild. „Die Altstadt ist unser Hobby.“ Im Hauptberuf sind Schild und Keinath geschäftsführende Gesellschafter der Bonner Agentur projekt 2508 GmbH, die auf Dienstleistungen für Kultur und Tourismus spezialisiert ist. 2013 kauften und sanierten sie das Kontor und Kaffeehaus, das 2014 eröffnet wurde.

Drei Jahre später startete ihr zweites gemeinsames Projekt, der Kaufmannsladen an der Drachenfelsstraße. Hier gibt es seit vergangenem Jahr auch eine Außengastronomie, die ein echter Farbtupfer ist. Es werden zudem viele regionale Produkte angeboten. Dazu zählt die „Eselmilch“, wohinter sich verschiedene regionale Weine wie ein Grauburgunder, ein Riesling oder ein Rosé verbergen. Auch Bücher kann man kaufen oder über Nacht online bestellen.

Cognac-Verkauf als verbrieftes Recht

„Ein Ort ohne Buchladen ist ein verlorener Ort“, ist Schild nämlich überzeugt. Jedes Jahr darf der Kaufmannsladen zudem 200 Flaschen Cognac mit dem wohl klingenden Namen „Feu de Dragon de Königswinter“ verkaufen – ein verbrieftes Recht für Königswinter als Partnerstadt von Cognac. Seit Ende vorigen Jahres haben die Geschäftspartner noch ein neues Projekt: Sie haben in der Nachbarschaft den ehemaligen Kiosk erworben, in dem man Tabakwaren kaufen und Lottoscheine abgeben konnte. „Das soll eine Ergänzung zum Kaufmannsladen und ein Raum für private und kulturelle Veranstaltungen werden“, sagt Keinath.

Zurzeit ist der 70 Quadratmeter große Pavillon noch Baustelle. Beim Ortstermin kommt zufällig der Verkäufer vorbei. Der letzte Drachenfelsfotograf Richard Kern, dem einst auch der Kaufmannsladen gehörte, erinnert sich, dass sich in dem 1935 erbauten Gebäude nach dem Krieg Kaiser's Kaffee, später ein Fahrradladen und ein Antiquitätengeschäft befanden.

Keinath arbeitet an einem weiteren Projekt. 2014 hatten er und seine Frau Florence das ehemalige Hotel Wenzel an der Hauptstraße erworben. „Das ist ein schönes Haus mit einer guten Seele“, sagt er. Bis zum Herbst 2016 hatten sie eine Hälfte des um 1875 errichteten Gebäudes liebevoll restauriert und in Wohngemeinschaften für Studenten umgebaut. Die 13 Wohneinheiten für Studierende aus Bad Honnef und Bonn sowie Auszubildende sind laut Keinath ständig vermietet. Die ursprüngliche Planung, das Restaurant in der anderen Hälfte des Hauses zu restaurieren und neu zu eröffnen, hat er aufgegeben – wegen der „zu erwartenden Konflikte mit dem Wohnbereich“.

Drei Büros in ehemaligem Restaurant

Stattdessen sind auf 170 Quadratmetern drei Büros entstanden, von denen für zwei bereits konkrete Anfragen von jungen Unternehmern vorliegen. Ab dem 1. September soll dort – zumindest tagsüber – neues Leben einziehen. Die Gemeinschaftsküche, in der Elemente des früheren Restaurants erhalten und aufgearbeitet wurden und werden, soll künftig als Besprechungsraum dienen. Sowohl die Studenten-WG als auch die Büros tragen dann den Namen „Im alten Hotel“.

Königswinter habe es nicht verdient, schlechtgeredet zu werden. Das zeigten auch Potenzialanalysen. „Es geht sehr langsam Schritt für Schritt in eine vernünftige Richtung“, meint Keinath. Es gebe viele Gründe, dass sich Königswinter über kurz oder lang weiter positiv entwickle. „Das häufige Gejammere mancher Menschen in der Altstadt geht uns dabei ganz schön auf die Nerven“, sagt er weiter.

Keinath und Schild könnten sich gut vorstellen, eine Kümmererrolle in der Altstadt zu übernehmen. Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes der Stadt ist diese Aufgabe noch im Gespräch. „Dafür braucht es Gefühl für die besonderen Umstände und natürlich Begeisterung“, meint Keinath. Beide Eigenschaften sind ihm und Schild nicht abzusprechen.