Siebengebirgsmuseum in Königswinter

Der Mönch, der gerne flüchten würde

Bei der Übergabe: Wolfgang Sahlmann (von links), Bürgermeister Peter Wirtz, Klaus Weidner von der Stiftung und Elmar Scheuren.

Bei der Übergabe: Wolfgang Sahlmann (von links), Bürgermeister Peter Wirtz, Klaus Weidner von der Stiftung und Elmar Scheuren.

Königswinter. Die Stiftung der Familie Lemmerz übergibt ein Gemälde von Wolfgang Sahlmann an das Siebengebirgsmuseum.

Eigentlich will die einzige Figur des Bildes einfach nur verschwinden. Barfuß, in ein weißes Gewand gehüllt und mit einem Buch unter dem Arm, nimmt sie Reißaus nach links. Dem Künstler ist es dennoch gelungen, sie einzufangen und auf die Leinwand zu bringen. Im Hintergrund ist der zweite Protagonist der Szenerie zu sehen: die Chorruine der ehemaligen Klosterkirche Heisterbach. Nebelschwaden hüllen sie ein und sorgen für eine geheimnisvolle Atmosphäre.

Das großformatige Gemälde „Der Mönch von Heisterbach“ des Künstlers Wolfgang Sahlmann ist seit gestern im Besitz des Siebengebirgsmuseums Königswinter. Zu sehen war das Bild des 1950 geborenen Malers dort schon länger – als Leihgabe. Doch nun erwarb die Stiftung der Familie Lemmerz das Werk und übergab es an den Leiter des Hauses, Elmar Scheuren. „Das Gemälde passt hervorragend in unser Museum und erweitert den Mythos um eine moderne Facette“, sagte der Beschenkte.

Die Sage vom Mönch von Heisterbach, der im Wald für einen Moment in die Ewigkeit gerät und Hunderte Jahre später wieder in sein Kloster zurückkehrt, gehört zu den bekanntesten Legenden der rheinischen Romantik. Und eben die ist im Siebengebirgsmuseum stark vertreten. Nicht zuletzt durch die „Sammlung Stiftung Abtei Heisterbach“, die der Pfarrer im Ruhestand Georg Kalckert dem Haus im Jahr 2002 übergab.

Der in Königswinter geborene Dichter Wolfgang Müller (1816 bis 1873) hatte die weit verbreitete Sage über den Mönch in den 1830er Jahren mit Heisterbach verbunden und ein inzwischen bekanntes Gedicht daraus erschaffen.

Sahlmann selbst, der von 2001 bis 2007 im Königswinterer Atelier „Meerkatze“ arbeitete, ist diese Figur schon als Kind begegnet: „Ich habe ein Bild des Mönchs zum ersten Mal in den sogenannten Blauen Büchern meines Großvaters gesehen“, erzählte der Wahl-Kölner, der an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin studiert hat, bei der Übergabe der Schenkung. In der älteren Darstellung habe sich der Mönch auf die Chorruine zubewegt, bei ihm laufe er eher davon. „Der wollte halt nicht mit auf das Gemälde“, so der Künstler. Doch der Maler zwang ihm einfach seinen Willen auf – ein Glück für das Museum und seine Ausstellung.

Das Siebengebirgsmuseum, Kellerstraße 16, ist von dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier, ermäßigt 2,50 Euro.