Neues Start-up in Königswinter

Der Herr der Spielbausteine

Kay Bellinghausen und seine Kreationen.

Kay Bellinghausen und seine Kreationen.

Königswinter. Der Steinmetz und Bauingenieur Kai Bellinghausen hat eine eigene Firma gegründet. In Königswinter entwickelt er Spielbausteine aus Gips.

Was wird aus einem gelernten Steinmetz und studierten Bauingenieur, der seine Bachelorarbeit über „Gekrümmte Tragwerke in der Theorie und Praxis – Von der Idee zur Marktreife“ geschrieben hat? Aus Kai Bellinghausen ist ein Erfinder von Spielbausteinen geworden. Der 30-jährige Oberpleiser – Typ Tüftler – hat sein eigenes Unternehmen gegründet. Seit Anfang Juli verkauft der Jungunternehmer, der 2006 am Gymnasium am Oelberg Abitur machte, sein Produkt.

Ein Starterset der Bausteine aus Gips enthält 42 Elemente – jeweils zwölf gelbe und orange sowie sechs grüne Bogensteine; dazu zehn rote Würfel als Basissteine und zwei Weichen. Damit lassen sich 25 verschiedene Bögen kombinieren, wie Bellinghausen sagt. Die Noppen und Löcher in den Bausteinen würden zwar verhindern, dass die Steine verrutschen, nicht jedoch in das Tragverhalten der Bögen eingreifen. Da seien gute Planung und Geschicklichkeit gefragt.

Die Firma Kaju Spielbausteine besteht bisher aus ihm sowie einer Aushilfe auf Minijob-Basis. Unterstützt wird er von einem Grafiker aus Hildesheim, seine Frau fotografiert für ihn seine Produkte. Für den Firmennamen hat er sich wegen des schönen Klangs entschieden. “Caillou“ heißt im Französischen Steinchen.

Als Kind hat der zweite Bundessieger des Steinmetz-Ausbildungsjahrgangs 2012 selber mit Bausteinen gespielt. „Ich bin klassisch mit Lego groß geworden“, berichtet er. Während des Bauingenieurstudiums in Hildesheim jobbte er bei einem Steinmetz und richtete sich dort eine erste Werkstatt ein. Er experimentierte mit seinem Wissen über die Tragwirkung von Bögen, das er sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit angeeignet hatte. Dort stellte er auch einige erste Prototypen seiner Spielbausteine für die Spielwarenmesse im vergangenen Jahr in Nürnberg her. „Damals habe ich von Händlern ein tolles Feedback bekommen. Die fanden das sehr spannend“, sagt er.

Die Idee selbst ist sechs bis sieben Jahre lang in ihm gereift. „Die Frage, warum zum Beispiel Kirchengewölbe sich tragen, hat mich immer schon fasziniert“, sagt er. Vor zwei Jahren meldete Kai Bellinghausen ein eigenes Gewerbe an. Vor einem Jahr zog er dann mit seiner Frau und seinem inzwischen dreijährigen Sohn zurück in die Heimat, um auf dem Grundstück seiner Eltern in Oberpleis mit kräftiger Unterstützung des Vaters eine Werkstatt für sein Unternehmen einzurichten.

Dort passiert inzwischen fast alles. Der Jungunternehmer zeichnet die Bausteine mit einem 3-D-Programm am Computer. Anschließend lässt er die Schablonen ausdrucken. Dann wird das Material, eine Mischung aus Gips und Wasser, die mit Farbpigmenten angereichert wird, in eine Silikonform gegossen. Damit es keine Bläschen gibt, wird die Luft mit einer Vakuumpumpe abgesaugt. Anschließend erhält das Produkt mit einem Gipstrimmer mit Diamantscheibe, wie er auch im Dentallabor eingesetzt wird, den letzten Schliff. Nach dem Trocknen wird der Spielbaustein schließlich noch mit Distelöl eingeölt.

Für Gips habe er sich entschieden, weil sich die Spielbausteine von der Haptik und vom Gewicht her wie richtige Steine anfühlen würden. Die etwa zwei Zentimeter langen Steine wiegen zwischen 20 und 30 Gramm.

Die Reaktionen von Kindern sind dabei für Kai Bellinghausen der entscheidende Gradmesser, dass er auf dem richtigen Weg ist. „Für mich ist eine große Bestätigung, dass Kinder damit spielen und begeistert sind. Sie freuen sich, dass das echte Steine sind.“

In der OGS auf dem Sonnenhügel, wo er vor Jahren ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte, lässt er die Oberpleiser Grundschüler und im Montessori-Kinderhaus jüngere Kinder schon mal seine Produkte ausprobieren. Die Kinder würden seine Spielbausteine gerne mit Lego und Playmobil kombinieren und ganze Landschaften, Höhlen oder auch schon mal eine Gummibärchenfabrik bauen.

Obwohl sie aus Gips sind, seien die Steine kaum kaputt zu kriegen – außer mit dem Hammer. „Sie bekommen durch den Gebrauch entsprechende Spuren. Die Kinder nehmen darauf aber Rücksicht. Das Material bringt daher auch ein Achtsamkeitstraining mit sich.“ Gerne würden die Spielbausteine daher auch in der Ergotherapie eingesetzt. Dennoch geht Kai Bellinghausen den Weg ins Unternehmerdasein behutsam und Schritt für Schritt an. Er hat für sein Start-up auch keinen Existenzgründer-Kredit aufgenommen, weil er mit seiner Familie bei den Schwiegereltern in Heisterbacherrott wohnt und seine Werkstatt sich auf dem elterlichen Grundstück befindet. „Der Plan B wäre, dass ich als Bauingenieur arbeite. Das Liebste wäre mir aber natürlich, dass die Firma funktioniert. Das wäre mein Traumjob, weil er sehr vielfältig ist“, sagt er.