Drachenfels in Königswinter

Der Eselsweg ist nach fast drei Jahren endlich wieder frei

KÖNIGSWINTER. Schnipp, schnapp, der Eselsweg ist freigegeben. Bürgermeister Peter Wirtz durchtrennte das rot-weiße Streifenband. Kaum hatte das Stadtoberhaupt den Weg offiziell wiedereröffnet, nahmen auch schon die ersten Wanderer den Abschnitt in Angriff.

660.000 Euro wurden investiert, um den Hang zu sichern und den Weg in Ordnung zu bringen. Eine Felssicherungsfirma aus Naumburg installierte einen maßgefertigten Zaun, der dauerhaft dem Steinschlag und der Witterung standhalten soll. Den Wanderer erinnert die Konstruktion an einen "Maschendrahtzaun". Teilweise wurde der Fels mit bis zu zehn Meter langen Ankern vernagelt und mit Spritzbeton gesichert.

Der Eselsweg wurde 1856 unter der Ägide von Bürgermeister August Mirbach vom alten Steinhauerweg in einen idyllischen Wanderweg umgewandelt. Der umtriebige Stadtchef wollte mit solchen Maßnahmen den Fremdenverkehr weiter ankurbeln. Es ist davon auszugehen, dass damals keiner geprüft hat, ob am Eselsweg Fledermäuse wohnen und ob Sträucher gefällt werden dürfen, die die Aussicht ins Tal versperren. Dinge, die unter der heutigen Gesetzeslage bei der Hangsicherung berücksichtigt werden mussten.

Eine ökologische Baubegleitung wachte penibel über die Einhaltung der strengen Auflagen des Naturschutzes. Gutachten mussten erstellt werden. Und so wurden auch einige spezielle Eingänge in den Berg für Fledermäuse während der Spritzbetonarbeiten geschaffen, die Diplom-Ingenieurin Ingrid Rietmann den Wanderern zeigte.

Bevor überhaupt die Bauarbeiten im Herbst beginnen durften, brachten Biologen 24 Fledermaus-Kästen als "Notquartier" für die Bauzeit an, um Störungen für die Tiere auszuschließen. Fledermäuse konnte der mit dem Gutachten beauftragte Biologe allerdings nicht nachweisen, so Ingrid Rietmann.

Auf dem kleinen Platz unterhalb des Plateaus sollen zwar wieder Ruhebänke aufgestellt werden, erklärte die Diplom-Ingenieurin. So eine Traumaussicht wie früher gibt es von dort aus allerdings nicht mehr. Hier stehen Eschen-Ahorne. Und die dürfen nicht abgeholzt werden. Bürgermeister Wirtz sagte: "Der Eselsweg ist einer der schönsten Wege im Siebengebirge. Es gab Bestrebungen, dass die Natur wieder einmal Vorfahrt vor dem Menschen hat."

Der BUND hatte bekanntlich die Sanierung des Eselsweges kritisiert und war gegen die Stadt juristisch vorgegangen. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land auf Grundlage der Förderrichtlinien Naturschutz. Die Stadt beteiligt sich mit zehn Prozent. Der VVS als Träger der Maßnahme kommt auch für die Kosten der Ausgleichsmaßnahme auf.

Königin Sophie schwor auf die Esel vom Drachenfels

Esel sieht der Wanderer auf dem oberen Teil des Eselsweges nicht mehr. Sie gehen nur noch bis zum Schloss. Der Ritt auf dem Esel ist außerdem nur noch den Kindern vorbehalten. Das alte Lied "Mer rigge met dem Essel op d'r Drachenfels" dokumentiert die Beliebtheit des Ritts auf dem Esel.

Selbst Ihre Majestät, Königin Sophie von Schweden, ließ sich gern von einem Esel hoch zum Drachenfels und zu anderen schönen Punkten des Siebengebirges tragen, als sie etliche Male in Honnef zur Sommerfrische weilte. Ihrem Reittierführer Peter Kieserg schenkte sie 1896 sogar eine goldene Busennadel für treue Dienste.

Pferde und Esel standen aber schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts als Reittiere zum Besuch des Siebengebirges zur Verfügung. Damals gab es noch nicht die bequemen Wanderwege von heute. Auf den Wirtschaftswegen war es beschwerlich, an die schönsten Punkte zu gelangen. Und so fanden die Führer von Lasteseln eine neue Einnahmequelle als Fremdenführer.

Vor allem die Damen schätzten solch einen Ausritt ins Gebirge. An der Anlegestelle am Rheinufer wurden die Touristen schon von den Eselsführern erwartet, zum Leidwesen der Wirte vor Hotels und Gaststätten. 1841 bekamen sie einen festen Platz am Fuße des Hardtberges zugewiesen. Vor Restaurants durften sie nur noch auf Bestellung aufkreuzen. Jeder Esel erhielt eine Plakette mit Nummer. Und der Führer die Auflage, sich gesittet zu benehmen.