Wachhaus am Petersberg

Das sind die Pläne für das neue Besucherzentrum

Vor dem ehemaligen Wachgebäude auf dem Petersberg (v.l.): Elmar Scheuren, Eckhard Uhlenberg, Martina Grote (beide NRW-Stiftung), Joachim Burdack und Hoteldirektor Vladimir Saal. FOTOS: FRANK HOMANN

Vor dem ehemaligen Wachgebäude auf dem Petersberg (v.l.): Elmar Scheuren, Eckhard Uhlenberg, Martina Grote (beide NRW-Stiftung), Joachim Burdack und Hoteldirektor Vladimir Saal. FOTOS: FRANK HOMANN

Petersberg. Besucher des neuen Infozentrums, das die NRW-Stiftung einrichten will, sollen nicht nur von politischen Größen wie Lord Chamberlain und Leonid Breschnew erfahren, die einst auf dem Petersberg logierten, sondern auch vom Naturschutz im Siebengebirge.

Wenige Orte atmen so viel Geschichte wie der Petersberg. Im September 1938 residierte Lord Chamberlain in dem Hotel, als er sich wegen der Sudetenkrise mit Adolf Hitler im Hotel Dreesen in Bad Godesberg traf. Elf Jahre später, im September 1949, tat der erst wenige Tage zuvor zum Bundeskanzler gewählte Konrad Adenauer den berühmten und selbstbewussten Schritt auf den Teppich, als er von den Siegermächten das Besatzungsstatut überreicht bekam.

Um diese Ereignisse und Anekdoten in Zukunft auch in angemessener Form präsentieren zu können, richtet die NRW-Stiftung im ehemaligen Wachgebäude an der Zufahrtsstraße zum Hotel ein Besucher- und Informationszentrum ein.

Am Donnerstag wurden die Pläne für die Sanierung sowie den Um- und Ausbau präsentiert. Zurzeit befinden sich im Wachhäuschen noch die Büros der Bauleitung für die Renovierungsarbeiten im Hotel, die bis April abgeschlossen sein sollen.

Historischer Ort inmitten geschützter Natur

„Wir haben uns als NRW-Stiftung seit zwei Jahren mit dem Gedanken befasst“, sagte Stiftungspräsident Eckhard Uhlenberg. Der Stiftung liege am Herzen, nicht nur den Petersberg als historischen Ort zu präsentieren, an dem mit dem Petersberger Abkommen der Grundstein für die Bundesrepublik Deutschland gelegt wurde, sondern auch als Teil des Naturschutzgebietes Siebengebirge.

„Für uns ist es wichtig, dass hier auch der Naturraum Siebengebirge als ältestes Naturschutzgebiet Deutschlands thematisiert wird“, so Uhlenberg. In unmittelbarer Umgebung des Hotels gehen demnächst 90 Hektar Schutzgebiet mit wertvollen Buchenwäldern aus dem Nationalen Naturerbe in den Besitz der NRW-Stiftung über.

Auf dem Weg zum Besucher- und Informationszentrum wird die NRW-Stiftung das Wachhaus in Kürze von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erwerben. Für einen „sehr niedrigen Kaufpreis“, wie der Projektbeauftragte der Bima, Joachim Burdack, verriet.

Früherer Museumschef erarbeitet das Konzept

erarbeitet An den Kosten für die Sanierung des Gebäudes und die Einrichtung der Ausstellung beteiligen sich die NRW-Stiftung mit 400 000 Euro, der Bund mit 300 000 Euro und der Landschaftsverband Rheinland mit 50 000 Euro. Die Stiftung wird später den Betrieb mit Hilfe der Schloss Drachenburg gGmbH, die eine Tochtergesellschaft ist, koordinieren.

Das Konzept erstellt mit dem früheren Leiter des Siebengebirgsmuseums, Elmar Scheuren, ein guter Bekannter. Beratende Unterstützung erhält er von Professor Hans Walter Hütter vom Bonner Haus der Geschichte.

Mitte 2020 wird das neue Besucher- und Informationszentrum voraussichtlich seine Pforten öffnen. Dann sollen angemeldete Besuchergruppen über das Plateau des Petersberges und auch durch das geschichtsträchtige Hotelgebäude geführt werden.

Das Gebäude wird barrierefrei umgebaut

Geplant ist zudem, den Besuchern Informationen zu markanten Zeugnissen wie den Spuren der früheren Petersbergbahn, den verschiedenen Wallfahrts-Bittwegen oder der noch erhaltenen Kapelle der Zisterziensermönche anzubieten. Zudem sollen thematisch Brücken zu benachbarten Einrichtungen wie dem Siebengebirgsmuseum oder dem Bonner Haus der Geschichte geschlagen werden.

Die NRW-Stiftung möchte das Gebäude und den Außenbereich des künftigen Informationszentrums barrierefrei gestalten und es an den öffentlichen Nahverkehr und an die vorüberführenden Wanderwege anbinden.

„Wir freuen uns sehr, dass die NRW-Stiftung das Projekt realisiert, das der historischen Bedeutung des Petersberges gerecht wird und ihn in Wert setzt“, sagte Joachim Burdack. Die Nachnutzung als Besucher- und Informationszentrum sei sehr sinnvoll. „Sonst hätte wahrscheinlich nur noch der Abriss im Raum gestanden.“