Kunstaktion auf in Königswinter

Darum stehen auf dem Marktplatz alte Wohnwagen

Mit vereinten Kräften: Der Wohnwagen ist Teil einer Kunstinstallation, die beim „Dîner en Coleur“ präsentiert wird.

Mit vereinten Kräften: Der Wohnwagen ist Teil einer Kunstinstallation, die beim „Dîner en Coleur“ präsentiert wird.

Königswinter. Das ist Kunst und kann noch nicht weg: Zwei 50 Jahre alte Wohnwagen stehen auf dem Königswinterer Marktplatz - und sorgen für so manchen verständnislosen Blick von Passanten. Beim Dîner en Coleur wird die Aktion präsentiert.

Mit quietschenden Reifen kommt der erste Wohnwagen auf dem Königswinterer Marktplatz zum Stehen. Der Begriff „Reifen“ allerdings verspricht schon fast zu viel. Die Luft ist raus, Moos und Gras kleben im Profil – das Alter hat seine Spuren hinterlassen. Das zweite Exemplar befindet sich noch auf der Ladefläche des Abschleppwagens und wartet auf seine endgültige Positionierung.

Einige der Umstehenden sind noch skeptisch, hat Franca Perschen beobachtet. „Warum landen die Dinger nicht auf dem Müll?“, sei nur eine der Fragen, mit denen Passanten sie bereits konfrontiert hätten. Doch derlei Zweifel nimmt die Künstlerin eher als Ansporn.

Schließlich soll hier auf dem Königswinterer Marktplatz schon in wenigen Tagen die Installation „Ja-Wort“ der Kölner Künstlerin Iris Stephan stehen. Das Projekt ist Teil der Veranstaltungsreihe „Königssommer“ und abgestimmt auf das 50. Stadtjubiläum in Königswinter. Zwei alte Wohnwagen sind dafür von Rheinbreitbach nach Königswinter gefahren worden. „Wir haben die Wohnwagen quasi aus dem Dornröschenschlaf geweckt“, sagt Helmut Reinelt vom „kulturbüro nr.5“ und gemeinsam mit Perschen einer der Organisatoren des „Königssommers“. „Wir wussten gar nicht genau, was uns erwartet und ob wir sie überhaupt wieder 'rollbar' machen können.“ „Es hätte schlimmer kommen können“, lautet das Urteil von Marc Zurstrassen.

Braun-orange Vorhänge an den Fenstern

Dessen Dollendorfer Abschlepp- und Bergedienst hatte den Transport der beiden Wohnwagen übernommen. „Am Ende hat alles geklappt. Ich bin gespannt, wie es hinterher aussieht.“ 50 Jahre sind die Wohnwagen bereits alt, „genauso alt wie Königswinter“, sagt Reinelt. „Das ist aber tatsächlich nur Zufall“, ergänzt Perschen. Tatsächlich hätten sie sich die beiden Vehikel eher wegen ihres Aussehens ausgesucht. Etwa die Vorhänge. Perschen zeigt auf orange-braune Vorhänge im 70er-Jahre-Stil.

„Auf den ersten Blick sind sie hässlich. Aber je länger man hinschaut, desto schöner werden sie. Man denkt sich da eine eigene Geschichte hinein.“ Genauso soll es auch den Betrachtern ergehen, wenn sie sich die fertige Kunstinstallation zum ersten Mal anschauen – und zwar beim Dîner en Couleur am Sonntag, 18. August, auf dem Marktplatz. Kaum sind die Abschleppwagen abgefahren, inspizieren Perschen und Stephan die Rohstücke der Kunstinstallation.

„Für uns ist der Tag heute sehr aufregend“, sagt Stephan. Mehrere Jahrzehnte seien die Wohnwagen nicht genutzt worden und auf dem Abstellplatz in Rheinbreitbach regelrecht 'eingepflanzt' gewesen. Um die Wohnwagen in Kunstwerke verwandeln zu können, sammelt sie seit Wochen Erinnerungsstücke von Hochzeiten der Königswinterer. Diese „Ja-Wort-Andenken“ fügt Stephan neu zusammen und stellt sie dann in einem der beiden Wohnwagen aus.

Hochzeitskleider, Tischdecken und Servietten

In ihrer Sammlung befinden sich bereits Hochzeitskleider, Tischdecken oder auch Servietten von Hochzeitsfeiern. „Die Kontakte zu den Menschen sind rührend und zugleich emotional“, sagt sie. „Sie erzählen uns sehr persönliche Geschichten, die wir natürlich gerne in unsere Installation aufnehmen möchten.“

Den anderen Wohnwagen wollen Perschen und Kristina Köpp mit Papierrosen schmücken. Angelehnt an eine alte Hochzeitstradition können auch Besucher des Dîner en Couleur kleine Papierrosen falten, die zusammen einen Jubiläumskranz ergeben sollen. Die Künstlerinnen haben sich bewusst dafür entschieden, die Installation in der Öffentlichkeit fertigzustellen. „Die Arbeit vor Ort ist zwar ein Risiko“, so Perschen. „Aber auf diese Weise können die Königswinterer den gesamten Entstehungsprozess miterleben.“