Einbußen erwartet

Dürre bereitet Landwirten im Siebengebirge Probleme

Bleibt die aktuelle Wetterlage mit Temperaturen von bis zu 30 Grad unverändert, kann sich das Korn beim Getreide nicht richtig ausbilden.

Bleibt die aktuelle Wetterlage mit Temperaturen von bis zu 30 Grad unverändert, kann sich das Korn beim Getreide nicht richtig ausbilden.

Siebengebirge. Die Landwirte im Siebengebirge rechnen aufgrund der anhaltenden Trockenheit mit Einbußen, Probleme bereite vor allem die Weizenernte. Durch die aktuelle Wetterlage herrscht zudem eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Während die einen das sommerliche Wetter genießen, blicken die anderen eher sorgenvoll Richtung Himmel: Die anhaltende Trockenheit treibt den Bauern und den Förstern mehr und mehr Sorgenfalten auf die Stirn. „Es wird so langsam ungemütlich“, sagt Landwirt Karl-Heinrich Mohr vom Obst- und Kartoffelhof Karl Mohr in Stieldorferhohn. Es gebe Probleme mit den Kartoffeln. Diese könnten derzeit nur mit der Hand ausgegraben werden, nicht wie sonst üblich mit der Maschine. „Der Boden ist so trocken, dass die Kartoffeln mit der Maschine beschädigt würden“, erklärt der Bauer. Nur zweimal in diesem Jahr hätten sie richtig Regen gehabt, seit April herrsche quasi Sommer. „Das macht sich bemerkbar“, sagt Mohr. „Es fehlt Wasser.“

Möglichkeiten, die Felder zu bewässern, habe er keine. Angespannt ist die Lage auch bei seinen Obstbäumen und -pflanzen. Die Blütezeit erstreckte sich teilweise nur auf rund zehn Tage und war so deutlich kürzer als normal, erklärt Mohr. „Es geht bei dem Wetter alles viel zu schnell.“ Der zusätzliche Aufwand koste Zeit und Geld. Zu möglichen Einbußen könne er noch nichts sagen.

Ertragsverluste bei Weizenernte erwartet

Die werden allerdings bei den Getreideernten erwartet, sagt Willi Quink, Ortslandwirt der Stadt Königswinter. Bei der Gerste, die bereits geerntet wurde, reichen die Bestände der Landwirte im Siebengebirge von 60 bis zu 90 Doppelzentner pro Hektar. 90 Zentner seien ein „guter Ertrag“, bei 60 liege man bei „plus minus null“, erklärt er. Je sandiger der Boden, desto unterdurchschnittlicher sei der Ertrag.

Schwerwiegender sieht es bei Weizen und Hafer aus. Die Ernte des Winterweizens beginnt normalerweise Ende Juli. Da jedoch kein Regen in Sicht ist, würde dieser „notreif“ und müsste dann bereits früher von den Feldern geholt werden. Bleibt die aktuelle Wetterlage mit Temperaturen von bis zu 30 Grad unverändert, würde sich das Korn nicht richtig ausbilden. „Dann gibt es Kümmerkorn“, so der Landwirt. Der Ertrag sei dann 20 bis 25 Prozent niedriger.

Hoffnungen hat Quink noch beim Mais, dessen Ernte erst im Herbst ansteht. Schon jetzt sei auf manchen Feldern zu beobachten, dass sich die Blätter zusammenrollen, um sich zu schützen, erklärt der Landwirt. Dies gelte vor allem für die Felder, die später eingesät wurden und aktuell noch nicht so dicht und hoch bewachsen sind.

Erhöhte Waldbrandgefahr

Negative Auswirkungen hat die extreme Trockenheit auch auf den Wald des Siebengebirges. „Der Boden ist knochentrocken“, sagt Förster Marc Redemann. Das Wasser der Regenschauer wie die am Mittwochnachmittag käme zwar bis an den Boden, doch die Feuchtigkeit sei bereits schon wieder raus, so Redemann am Donnerstagmittag. Helfen würden nur Niederschläge an mehreren Tage hintereinander. Doch der Blick auf die Wettervorhersage verrät: Solche Mengen Regen wird es so schnell nicht geben.

Durch die Trockenheit hat sich auch die Waldbrandgefahr erhöht. Im Siebengebirge herrscht aktuell Warnstufe 3 von 5, sagt der Förster. Daher wurde bereits Rufbereitschaft unter den Förstern angeordnet. Redemann weißt in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die geltenden Gesetze hin. Rauchen sowie offene Feuer sind im Wald verboten und hätten ein Bußgeld zu Folge. Offenes Feuer könnte sogar als Straftat angesehen werden.

Winzer "sehr entspannt"

Ein anderes Problem sind zurückgelassene Gläser und Scherben, die die Sonnenstrahlen bündeln und so den Boden entzünden können. Dies gelte eher für offene Flächen als für den schattigen Wald, sagt Redemann, doch ein Feuer auf einer Wiese nahe am Wald könnte sich schnell dorthin ausbreiten.

„Sehr entspannt“ ist die Lage hingegen bei Winzer Felix Pieper. Die Hitze bereite den Reben seines Weinguts an den Hängen unterhalb des Drachenfels aktuell ebenso wenig Probleme wie der trockene Boden. „Es gibt noch genügend Grundwasser für die Planzen“, sagt er. Grund sind deren tiefe Wurzeln, die zwischen zwei und fünf Meter tief in die Erde reichen. Die Wurzeln des Winterweizens hingegen haben eine maximale Tiefe von 70 bis 100 Zentimetern.