Aktion zum Stadtjubiläum in Königswinter

Dîner en Coleur bringt die Menschen in Königswinter zusammen

Königswinter. Eine bunte Mischung war die Gästeschar, die beim Dîner en Couleur auf dem Marktplatz in Königswinter zusammenkam. In zwei alten Wohnwagen präsentierte die Künstlerin Iris Stephan ihre Installationen zum Thema "Ja-Wort".

Zugegeben, Weiß und Schwarz waren auch auszumachen, und der Himmel steuerte überwiegend Grautöne bei. Trotzdem leuchteten die Farben der Tischdecken auf den beiden mehr als zehn Meter langen Tafeln mitten auf dem Königswinterer Marktplatz, und auch einige Gäste, die daran Platz nahmen, hatten sich bewusst fröhlich-bunt gekleidet und eine ebenso bunte Mischung aus Speisen mitgebracht. Ganz im Sinne des Dîner en Couleur, zu dem alle eingeladen waren. Das wirkte auch auf Passanten anziehend, ebenso die Musikmischung auf der Bühne.

Und solche Zufallsbesucher, die keine eigenen Speisen dabei hatten, konnten am Stand des griechischen Kulturvereins Souvlakia und Zaziki kaufen. Der Siegburger Verein sei engagiert worden, weil bei der Premiere des Dîner en Couleur im vergangenen Jahr mancher eben nichts mitgebracht hatte und sich deswegen nicht an die langen tafeln setzen mochte, erklärte Helmut Reinelt, Organisator im Auftrag der Stadt.

Und er betonte: „Es soll keine elitäre Veranstaltung sein, denn unsere Gesellschaft ist farbig.“ Die Idee dahinter sei, dass in der Königswinterer Altstadt rund 60 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund neben den Alteingesessenen lebten. „Wir möchten allen, die hier leben, bewusst machen, was sie alles können und erreicht haben“, fügte er an.

Diesmal alles überdacht

Mit Blick auf das Jubiläum der Stadt, die vor 50 Jahren aus vielen Ortsteilen gebildet wurde, waren zu diesem Königssommer XXL mehr Biertischgarnituren aufgestellt und geschmückt worden. Wegen des drohenden Regens war diesmal alles überdacht. Mindestens 300 Besucher schätzte Reinelt. Manche blieben lange, andere nur kurz; Touristen saßen neben Königswinterern, kamen ins Gespräch oder lauschten gemeinsam der Musik.

„Tausche Linsengericht gegen Maissalat“, sagte eine Besucherin lachend zur Sitznachbarin. Mit den Kindern, buntem Geschirr und einer Frittata waren Maurizio und Katrin Arnaldi gekommen. Ihr Mittagessen nahmen sie so ein paar Straßen von ihrer Wohnung entfernt mit anderen ein. Das Dîner tue gut, „weil der Zusammenhalt hier in der Altstadt vielleicht nicht so da ist, wie in anderen Ortsteilen. Und die Altstadt zu beleben, ist nötig“, meinte sie.

Farbe brachten auch Nisha Rao, ihre Freunde und ihre Familie mit ihrer Kleidung und den mitgebrachten Speisen auf den Markt. Die junge Inderin, die sich seit zwei Jahren in der Altstadt wohl fühlt und bei einem Bonner IT-Unternehmen arbeitet, hatte drei Stunden in der Küche Teigtaschen, Hühnchen und Minzchutney zubereitet und genug zum Teilen dabei. „Ein schöner Anlass, mal wieder herzukommen“, war es für Hanna Finke aus Düsseldorf, die vor vielen Jahren in Königswinter wohnte und nun Blätterteigschnecken und Rotwein beisteuerte.

Kinderprogramm mit Hüpfburg und Malwettbewerb

Gemeinschaftlich hatten Ehrenamtliche und die Stabsstelle Integration und ehrenamtliche Flüchtlingshilfe auch ein Kinderprogramm organisiert mit Hüpfburg und Malwettbewerb. An einem Wäscheständer waren Schultüten aufgehängt, für die Paten gesucht wurden. Viele Menschen fanden sich, die einem bedürftigen Kind zum Schulstart eine Freude machen wollten.

Musik untermalte die bunte Szenerie. Der Song „Königssommer in Königswinter“ war sogar in drei Versionen live zu hören: erst von den vereinten Männergesangvereinen Ittenbach und Quirrenbach, dann als Country-Punk von den Replacement Killers und schließlich als Chanson von Kim Bonnick und Helge Kirscht.

Einige Besucher betätigten sich als Bastler: Sie drehten Rosen aus goldenem Krepppapier. Es entstand ein Kranz zum Stadtjubiläum: 81 Rosen für die 81 Königswinterer Ortsteile prangten daran.

Aus der ganzen Stadt kamen auch die Stücke, die die Kölner Künstlerin Iris Stephan in zwei vor dem Rathaus platzierten Wohnwagen zu einer Installation zusammengefügt hatte. Schließlich haben in den vergangenen 50 Jahren auch viele Hochzeiter in den Ortsteilen „Ja“ zueinander gesagt.

Andenken an diesen Moment hatten sie zur Kunstaktion „Ja-Wort“ beigesteuert. Hochzeitskleider, Schleier und vor allem ganz viele Fotos sowie dazugehörige Geschichten, wie auch Mitorganisatorin Franca Perschen berichtete. Sie hatte zudem mit Künstlerin Kristina Köpp ein Video in den Ortsteilen gedreht, in dem sie einen „Brautstrauß“ über das jeweilige Ortsschild warf.

In einem Wohnwagen hatte Iris Stephan ein Brautkleid arrangiert, das zwei Arme umfingen: Einengung oder liebevolles Umarmen? Die Interpretation lag beim Betrachter. Bilder von Paaren in einem Vogelnest sprachen für sich, Gebisse in Gläsern waren schon eher erklärungsbedürftig. „In guten wie in schlechten Zeiten ...“, kommentierte die Künstlerin. Zu entdecken gab es jedenfalls einiges in den Wohnwagen, die beim Apfelfest in Oberpleis noch einmal aufgestellt werden.