Abschied von Elmar Scheuren

Chef des Siebengebirgsmuseums geht in Ruhestand

Der Drei-Burschen-Baum: Das Motiv auf der Sitzfläche eines Stuhls wurde Anfang der 90er Jahre von einer Schülerin in einem Müllsack am Burghof entdeckt.

Der Drei-Burschen-Baum: Das Motiv auf der Sitzfläche eines Stuhls wurde Anfang der 90er Jahre von einer Schülerin in einem Müllsack am Burghof entdeckt.

Königswinter. 32 Jahre lang war Elmar Scheuren Leiter des Siebengebirgsmuseums in Königswinter. Am Montag, 30. April, hat der 65-Jährige seinen letzten Arbeitstag. Ein Rückblick auf drei Jahrzehnte Berufsleben.

Wie war der erste Arbeitstag in dem Museum, in dem Elmar Scheuren mehr als 32 Berufsjahre verbracht hat? Dem 65-Jährigen, der am Donnerstag, 26. April, von Bürgermeister Peter Wirtz offiziell verabschiedet wird, ist der 1. Januar 1986 nicht nachhaltig im Gedächtnis geblieben, denn als er die Stelle des Museumsleiters in Königswinter antrat, war er bereits seit einem halben Jahr ins Siebengebirge delegiert.

Sein Vorgänger Werner Marcour war schwer erkrankt und starb. Scheuren, Volontär beim Rheinischen Museumsamt in Brauweiler, wurde ins 1984 neu eröffnete Siebengebirgsmuseum gerufen. Und an etwas erinnert er sich gut. „Die Not war damals groß.“ Weil es dem Historiker und Romanisten in Königswinter gut gefiel, bewarb er sich für die Stelle – mit Erfolg, wie wir heute wissen.

Wirklich angekommen im Siebengebirge fühlte er sich, als Winfried Biesing, langjähriger Vorsitzender des Heimatvereins Siebengebirge, ihm die Heimatbuch-Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Heimatvereins aus dem Jahr 1976 überreichte. „Das war schon eine echte Rarität. Damit war ich aufgenommen“, sagt Scheuren. Der Heimatverein war Träger des Museums – bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Stadt im Jahr 1984 einen hauptamtlichen Museumsleiter einstellte.

Altstadt als vertrautes Umfeld

Erst vor sechs Jahren zog Scheuren nach Königswinter, wo er seitdem in fußläufiger Entfernung zum Museum wohnt. 26 Jahre lang hatte der Mann aus dem Eifelstädtchen Mayen vorher in Unkel gelebt. Dort wuchsen Tochter und Sohn auf. „Anfangs war mir die Distanz wichtig. Ich fand es gesund, nicht unmittelbar am Ort zu sein.“ Erst eine Kündigung wegen Eigenbedarfs („Für die Kinder war das Heimatverlust“) beendete die Trennung von Bett und Schreibtisch und änderte nach und nach auch seine Einstellung. „Ich finde es jetzt toll, nah dabei zu sein und die Leute zu kennen“, sagt er. Heute empfindet er die Altstadt als vertrautes soziales Umfeld.

Hat er nicht auch die Nestwärme des alten Museums vermisst, das 2010 und 2011 für 3,4 Millionen Euro erweitert und konzeptionell modernisiert wurde? „Nein. Das Glück hat weit überwogen, endlich helle Räume zu haben und viele neue Dinge versuchen zu können.“ Aus 500 wurden 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche, aus keiner mehr als 20 Medienstationen, die die Textlastigkeit des alten Museums ablösten. Publikumswirksame Themen wie die Rheinromantik konnten jetzt in einer Dauerausstellung präsentiert werden.

Das Publikum, das kam und kommt, war und ist in der Regel begeistert. „Klein, aber fein“ laute oft das Feedback von Menschen, die das Museum besucht haben, berichtet Scheuren. Aber die optimistische Prognose vor der Erweiterung, dass später einmal 20.000 Menschen kommen würden, hat sich nicht erfüllt. „Tatsächlich haben wir nur die Hälfte. Unsere Hochrechnung beruhte damals auf der Erfahrung der ersten Rheinromantik-Ausstellung Sehnsucht Rhein.“

"Rheinromantik hat weiter Potenzial"

Im Jahr 2005 pilgerten in nur drei Monaten 5000 Menschen ins Museum. Das Thema Rheinromantik habe vor zehn Jahren noch mehr mobilisiert als heute. „Vielleicht tragen wir ja auch selber dazu bei, dass es sich ein bisschen abnutzt“, so Scheuren. Die Rheinromantik habe aber weiterhin Potenzial. „Sie weckt bei fast jedem Menschen Assoziationen, was man vom Backofenbau nicht sagen kann.“

Auch das Angebot seines Museums zum Thema Tourismus hält Scheuren für „allererste Sahne“ mit hervorragenden Objekten. „Es gibt im Rheinland kein anderes Museum, das so die Geschichte die Tourismus erzählt.“ Diese Stärken kämen aber nicht genügend rüber. Am Wochenende, wenn die nahe Rheinpromenade überquelle, präsentiere sich das Museum oft als Oase der Ruhe („Das ist gar nicht schön“), weil sich die Laufkundschaft unter den Besuchern nur im einstelligen Prozentbereich bewege. Die meisten Gäste des Museums kämen gezielt – meist aus dem Bonner Raum.

Zu seinen persönlichen Highlights zählt Scheuren die Petersberg-Ausstellung 1990. Der Berg wird ihn wohl auch noch in Zukunft beschäftigen. „Es gibt seitens der NRW-Stiftung Überlegungen für ein Besucherzentrum da oben. Ich soll mir Gedanken über ein Konzept machen“, sagt er. Und was sind die drei Wünsche für die Zukunft des Hauses, das ein halbes Leben lang seine zweite Heimat gewesen ist? „Dass es bekannter wird. Dass es gelingt, neue Horizonte zu öffnen. Und dass ein paar gute Ideen, wie die Kostproben oder die historischen Wanderungen, weiterleben.“