Tobias van de Locht

Chef der Sinfonia Königswinter will kleines Symphonieorchester formen

Chef-Dirigent Tobias van de Locht in seinem Element. Er feilt am Zusammenspiel der Musiker.

Königswinter. Wenn das kein gutes Omen ist. Nach der Sinfonia Düsseldorf übernahm Tobias van de Locht auch die Sinfonia Königswinter als Chefdirigent. Das Orchester wurde 1957 von Musikdirektor Kurt B. Wirtz als Kammerorchester Oberpleis gegründet.

Er leitete es bis 1996 und übergab die Regie dann an Professor André Sebald. Nun erfolgte der Stabwechsel zu Tobias van de Locht. Mit dem Dirigenten sprach Roswitha Oschmann.

Was hat Sie gereizt, sich um diese Position zu bewerben?
Tobias van de Locht: Die Sinfonia Königswinter ist ein Orchester auf hohem Niveau, das jede Woche probt. Dies ist nicht mehr selbstverständlich, viele Orchester kommen nur noch projektbezogen zusammen. Ich hatte mir das Konzert im vergangenen Herbst in Heisterbach angehört, und ich war ganz happy, als nach meiner Bewerbung die Wahl auf mich fiel. Ich setze mich dienstags in den Zug in Düsseldorf und weiß, da warten in Niederdollendorf 30 Leute auf mich.

Die Chemie stimmt also?
Van de Locht: Sie ist sehr gut. Vom Menschlichen her passte das schon bei der ersten Probe. Und die Musiker haben mich einstimmig gewählt.

Was imponiert Ihnen am Orchester aus dem Siebengebirge?
Van de Locht: Die Spielkultur, die Spielfreude. Das Orchester hat ein ausgewogenes Niveau, ist gut und gleichmäßig besetzt. Da sind Mitglieder des Orchesters bereits seit 20 oder 30 Jahren dabei. Das hört man. Und von Bedeutung ist: Profis agieren als Stimmführer. Das ermöglicht eine effektive Arbeit, so können wir von Beginn an mehr Nuancen setzen. Maria Kapuscinska ist professionelle Geigerin, Solocellistin Eva Walcher kommt von den Bamberger Symphonikern.

Woran wollen Sie feilen?
Van de Locht: An technischen Sachen, am Zusammenspiel. Wichtig ist es, neue Mitglieder zu finden. Das Orchester soll allmählich in Richtung kleines Symphonieorchester wachsen. Ich möchte gern das Repertoire erweitern. Vorher war es sehr klassisch; über Brahms hinaus wurde nicht viel gemacht. Ich möchte gern modernere Sachen einführen. Die müssen ja nicht scheußlich klingen. Filmmusik wie bei Hitchcock zum Beispiel, wo mit Mitteln der Romantik ein schwelgerischer Orchesterklang erzielt wird. Aber wir werden natürlich auch künftig Werke von Mozart oder Beethoven spielen, auch Raritäten aus der Romantik oder Spätromantik.

Wann bekommen die Königswinterer die Sinfonia erstmals unter Ihrem Dirigat zu hören?
Van de Locht: Bei einem Konzert in Hennef vor Kurzem habe ich bereits barocke Stücke vom Cembalo aus dirigiert. Im Grandhotel auf dem Petersberg geben wir am 16. Juni ein Konzert unter dem Motto "Petersberger Nächte" mit russischen Nachtstücken und Preziosen. Auch das Saxofon-Konzert von Alexander Glasunow ist Bestandteil dieser Aufführung. Eine Welturaufführung haben wir dann am 6. Oktober in der Zehntscheune von Heisterbach. Wir spielen die Sinfonie Nr. 3 von Howard Blake, die dieser eigens für uns geschrieben hat. Der Komponist aus England wird anwesend sein. Das ist für mich das Highlight des Jahres. Das Konzert ist Bestandteil des Beethovenfestes.

Zur Person
Tobias van de Locht, Jahrgang 1975, stammt aus Duisburg. Er absolvierte ein Dirigier- und Klavierstudium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und belegte Meisterkurse in Stockholm, Paris und Los Angeles. Er arbeitete etwa mit den Duisburger Philharmonikern und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg zusammen. Seine Kompositionen wurden von den Philharmonikern Hamburg aufgeführt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.tobiasvandelocht.com.