Schloss Drachenburg

Burgdatenbank: 2207 Burgen auf einen Klick

In Reih' und Glied (v.l.): Norbert Kühn, Jens Friedhoff, Martina Grote, Reinhard Friedrich, Barbara Schock-Werner und Elmar Knieps bei der Präsentation auf Schloss Drachenburg.

KÖNIGSWINTER. Ganz genau 2207 Burgen und Schlösser gibt es in Nordrhein-Westfalen - allein 111 davon im Rhein-Sieg-Kreis. Drei Jahre hatte das Europäische Burgeninstitut der Deutschen Burgenvereinigung gebraucht, um alle Burgen, Burgruinen und Bodendenkmäler des Bundeslandes gebündelt und sortiert in einer Datenbank zu erfassen - unterstützt von der NRW-Stiftung.

Das Europäische Burgeninstitut und die NRW-Stiftung stellen im Internet alle Veste und Schlösser in NRW vor. Die beiden Organisationen stellten die Burgendatenbank www.ebidat.eu jetzt auf Schloss Drachenburg vor. In dem ehrwürdigen Ambiente des Schlosses schaltete die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner gemeinsam mit zahlreichen Beteiligten des Mammutprojekts die Internetseite frei.

Wer sich fragt, wie viele Burgen und Schlösser es in Europa, Deutschland oder etwa in Nordrhein-Westfalen gibt, hat von nun an eine Anlaufstelle. Die Internetpräsenz liefert laut des Burgeninstituts einen wissenschaftlich fundierten Gesamtüberblick über alle Burgentypen und deren Überlieferungsformen.

Dabei werden sowohl touristische als auch wissenschaftliche Interessen bedient. Als Vorbereitungshilfe für Exkursionen bietet die Seite zum Beispiel Informationen über Einkehr- und Parkmöglichkeiten und Besichtigungsformen. Wer wissenschaftlich weiter recherchieren möchte, findet zu jedem Objekt unter "Nachweise" eine entsprechende Auflistung der Literaturquellen.

Die Geschäftsführerin der NRW-Stiftung, Martina Grote, sprach bei der Eröffnung davon, die Menschen mit dieser Seite anzusprechen und dabei einem hohen wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden. Schock-Werner freute sich, dass der Tag nun gekommen war, "um beweisen zu können, dass es funktioniert". Denn nicht wenige waren laut ihrer Aussage zu Beginn skeptisch, ob sich das ambitionierte Projekt umsetzen lasse.

So war Nordrhein-Westfalen ein Testfall, um die Realisierbarkeit des Vorhabens zu prüfen. In den vergangenen drei Jahren arbeiteten das Europäische Burgeninstitut der Deutschen Burgenvereinigung und zahlreiche ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter, unterstützt von der NRW-Stiftung, an dem Vorhaben. Auch sei die Kooperation mit den Denkmalämtern sehr fruchtbar gewesen, so Schock-Werner, zumal man auf ihre Daten und Personalien habe zurückgreifen können.

Da es im Laufe der Arbeiten auch vorkam, dass gänzlich unbekannte Objekte entdeckte wurden, konnte man dem Ämtern laut Schock-Werner mit den entsprechenden neuen Informationen auch etwas zurückgeben. Weil Burgenwissenschaftler "nicht gerade zur Speerspitze der Technik gehören", so Schock-Werner, war es laut ihrer Aussage ein besonders wichtiger Teil der Arbeit, gemeinsam mit Programmierern und Wissenschaftlern eine technisch fortschrittliche Datenbank zu erstellen.

Der NRW-Stiftung gehöre ein maßgeblicher Anteil an der Verwirklichung des Projekts, zumal die Burgenvereinigung sich eine alleinige Finanzierung nicht hätte leisten können.

Ganz konkret sahen die Arbeiten so aus, dass man zunächst bei den Denkmalämtern nach passenden Mitarbeitern fragte und anschließend jedem von ihnen einen Kreis zur systematischen Aufnahme der Daten zuteilte. Nachdem diverse Historiker, Mittelalterarchäologen und Bauhistoriker sich an die Arbeit machten, zunächst durch Literatur- und Archivrecherche, war ihr letzter Schritt der Gang ins Gelände.

Stefan Eismann sagte über seine Beteiligung im Raum Münster: "Für mich selbst war es eine sehr schöne Erfahrung, aber auch manchmal mühsam." Denn je nach Lage und Umgebung ist nicht jedes Objekt einfach zu erreichen und zu "bearbeiten".

Der Leiter des Burgeninstituts, Reinhard Friedrich, betonte, die neue Datenbank habe auch dadurch einen besonderen Reiz, da man mit diesem Wissenspool, etwas geschaffen habe, "das fortschreiten kann". So könnten zukünftige Ergebnisse anderer Wissenschaftler in die Datenbank einfließen. Das Ziel dieses Projekts sei es gewesen, resümierte Friedrich, "Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen", es sei eine Möglichkeit, dem Steuerzahler etwas zurückzugeben.

Über NRW bekommt der Burgeninteressierte nun also alle Informationen. Der Testfall ist zu einem erfolgreichen Ergebnis gekommen. Wie es bundesweit weitergeht, konnte Barbara Schock-Werner noch nicht genau sagen. Mit Hessen und Sachsen gebe es Verhandlungen, aber wie so vieles hänge es auch hier von den Finanzierungsmöglichkeiten ab.

Die Burgendatenbank ist zu finden unter www.ebidat.eu.