Alle sprechen eine Sprache

Beim Treffen in Königswinter hört man nur Esperanto

Mit spezieller Technik fotografiert: Andreas Diemel (r.) mit Teilnehmern des Esperanto-Treffens.

Mit spezieller Technik fotografiert: Andreas Diemel (r.) mit Teilnehmern des Esperanto-Treffens.

Königswinter. Verständigungsprobleme kennen die 65 Menschen aus zehn Ländern nicht, die im Siebengebirge zusammengekommen sind. Wie inzwischen mindestens 100.000 Menschen weltweit beherrschen sie Esperanto, eine sogenannte Plansprache.

Nach einer Woche mit viel Programm, Gesprächen und Ausflügen blickt Organisator Andreas Diemel glücklich auf die Zusammenkunft zurück. Während er von seinen Erlebnissen erzählt, wird er immer wieder unterbrochen. Viele Teilnehmer reisen nach sieben gemeinsamen Tagen im Jufa-Hotel in Königswinter ab, verabschieden sich von Diemel, umarmen ihn herzlich, bedanken sich und reden dabei in einer Sprache, die sie alle verstehen und vereint. Doch diese Sprache ist nicht Englisch, sondern Esperanto.

Auch wenn es für deutsche Muttersprachler beim ersten Hören wie Spanisch oder Italienisch klingt, gibt es einige Unterschiede, besonders, was die Grammatik betrifft. Denn die Plansprache – zu dieser Gattung gehört die Kunstsprache Esperanto – soll in kurzer Zeit gelernt und gesprochen werden können. Intensivkurse versprechen sogar eine erste Verständigung nach wenigen Wochen. Andreas Diemel konnte sie nach einem halben Jahr flüssig sprechen.

Ein Hobby, das die Welt öffnet

Er beschäftigt sich seit mittlerweile 20 Jahren mit Esperanto: „Ich war auf der Suche nach einem Hobby, das nicht ortsgebunden ist und gleichzeitig weltoffen“, erzählt der 36-Jährige. 1999 besuchte er seinen ersten Volkshochschulkursus in Warstein. Dort wurde er Esperanto-Ortsgruppenvorsteher und ist mittlerweile im Bundesvorstand für Erwachsene für Organisation und Veranstaltungen zuständig.

Selbst in seiner Freizeit hat Diemel immer ein kleines Wörterbuch dabei. „Ich dränge das niemandem auf, aber wenn sich jemand für Esperanto interessiert, erzähle ich gerne davon und verleihe das Buch. Wer dann Interesse hat, dem schenke ich es.“

Mittlerweile sprechen laut Deutschem Esperanto-Bund weltweit mindestens 100 000 Menschen die 1887 entwickelte Sprache. Dazu gehören die 65 Teilnehmer des Treffens im Siebengebirge. „Die Region eignet sich wunderbar für solche Treffen“, schwärmt Andreas Diemel.

Die Teilnehmer waren auf dem Petersberg, im Adenauerhaus und zu einer Ahr-Weinprobe in Mayschoß. Ebenfalls Ausflüge nach Bonn ins Haus der Geschichte und in das Beethovenhaus standen auf dem Programm. Und währenddessen versuchten alle, sich nur auf Esperanto zu unterhalten. „Das ist das Schöne an diesen internationalen Treffen, wenn wir die gemeinsame Sprache nutzen, ist niemand ausgeschlossen, und somit fällt es sehr viel leichter.“

Eine App für Kommunikation und Kontaktaufnahme

Auch Maria Präg spricht die Plansprache seit zehn Jahren. „Unser Chorleiter hat oft davon geschwärmt und nun singe ich sogar auf Esperanto. Der Klang der Sprache ist angenehm und nicht so hart wie das Deutsche manchmal“, erzählt die Teilnehmerin des Treffens. Nicht nur bei regelmäßigen Zusammenkünften, auch über soziale Medien verständigen sich die Fremdsprachler auf Esperanto.

Die App Amikumu erleichtert Kommunikation und Kontaktaufnahme auf der ganzen Welt. Über die Standortangabe können Appnutzer sehen, wenn sich jemand mit Esperantokenntnissen in der Nähe befindet. Und über das Netzwerk Pasporta Servo kann man Menschen suchen, die einem für ein paar Nächte eine Unterkunft geben. „Als ich zum Esperanto-Weltkongress nach Lissabon gereist bin, habe ich in Madrid Station gemacht und über das Netzwerk einen kostenlosen Schlafplatz gefunden“, erzählt Diemel.

Oft treffen sich Teilnehmer bei solchen Events wieder. Maria Präg und Andreas Diemel werden sich spätestens beim Esperanto-Kongress im kommenden Sommer wiedersehen.