Lärm im Siebengebirge

Bahnlärm betrifft 3000 Menschen in Königswinter

Auch bei Bockeroth hat die Bahn für Lärmschutz gesorgt. Aber auch hier werden zum Teil die Grenzwerte überschritten.

Auch bei Bockeroth hat die Bahn für Lärmschutz gesorgt. Aber auch hier werden zum Teil die Grenzwerte überschritten.

Oberpleis. Die Stadt Königswinter hat die Bürger über die Lärmaktionspläne informiert. Die Karten belegen eine weit höhere Belastung der Einwohner an der Rheinschiene durch die Bahn als im Bergbereich.

3080 Menschen am Tage und 2460 Menschen in der Nacht sind in Königswinter vom Bahnlärm belastet, doch gerade einmal drei Bürger folgten der Einladung der Stadt zur ersten Informationsveranstaltung zur Lärmaktionsplanung an den Haupteisenbahnstrecken in die Grundschule Sonnenhügel in Oberpleis.

Die zweite Veranstaltung für die Bürger aus dem Talbereich fand gestern Abend in Haus Bachem statt. Hier ist die Betroffenheit durch den Bahnlärm erheblich größer, donnern entlang der Rheinschiene doch jährlich 85 000 Züge, darunter viele besonders laute Güterzüge, während im Siebengebirge in zwölf Monaten nur 35 000 ICE unterwegs sind. Außerdem fährt der Schnellzug dort zum Teil durch Tunnel, in Troglage oder zwischen Lärmschutzwänden.

Cornelia Gamm und Barbara Kitz von der Stadtverwaltung, die die Bürger informieren und um Anregungen bitten wollten, waren aber dennoch wohl ein wenig überrascht, dass das Interesse in Oberpleis gar so gering war. Laut der Vorläufigen Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umgebungslärm (VBEB) der zuständigen Bundesministerien für Bauen, Verkehr und Umwelt sind in Königswinter schließlich immerhin 130 Personen tagsüber Bahnlärm von mehr als 75 Dezibel ausgesetzt. Das entspricht dem Lärm einer lauten Unterhaltung oder dem Straßenlärm bei starkem Verkehr.

Nachts müssen 110 Personen mehr als 70 Dezibel ertragen. Die Einstufung, dass in Königswinter insgesamt 3080 Menschen am Tage und 2460 Menschen in der Nacht vom Bahnlärm belastet sind, geht ebenfalls auf die Berechnungsmethode der Ministerien zurück. Die Grenzwerte liegen bei 55 Dezibel tagsüber und 50 Dezibel in der Nacht.

Bei der Umsetzung einer Richtlinie des Europäischen Parlaments hat das Eisenbahnbundesamt (EBA) als ersten Schritt eine Lärmkartierung vorgenommen. Als zweiter Schritt sieht die EU-Richtlinie eine Öffentlichkeitsbeteiligung und eine Lärmaktionsplanung vor. Dem ist die Stadtverwaltung nun mit ihren beiden Informationsveranstaltungen nachgekommen. Noch bis zum 14. Oktober können die Bürger ihre Anregungen bei der Stadtverwaltung einreichen (siehe Info).

Bereits im Herbst 2013 waren im Planungs- und Umweltausschuss Lärmkarten für den Straßenverkehrslärm in Königswinter präsentiert worden, die die Verwaltung bei einem Kölner Büro in Auftrag gegeben hatte. Beide Lärmquellen, Straße und Bahn, werden unabhängig voneinander betrachtet. Ergebnis war, dass 51 Personen in der Stadt über 24 Stunden einem Lärm von mehr als 70 Dezibel und 68 Personen nachts einem Lärm von über 60 Dezibel ausgesetzt sind.

Die auf Schätzwerten basierende Untersuchung ging ferner davon aus, dass 2208 Menschen in Königswinter über 24 Stunden Lärm einer Stärke von mehr als 55 Dezibel und 1268 Personen Lärm einer Stärke von mehr als 50 Dezibel bei Nacht (22 bis 6 Uhr) ausgesetzt sind. Hier wurde die Öffentlichkeit bereits in zwei Stufen an der Erarbeitung des Lärmaktionsplans beteiligt. Die gemeinsame Auslegung der Lärmaktionspläne Straße und Schiene soll noch in diesem Herbst erfolgen.