„Diner en blanc“

Bad Honnef feiert ganz in Weiß

BAD HONNEF. Mehr als 1000 Gäste haben am Samstagabend im Reitersdorfer Park das „Diner en blanc“ genossen. Tags drauf wurde auf dem Aegidiusplatz in Aegidienberg getafelt.

„Ganz in Weiß“ wurde am Samstag in Honnef nicht etwa geheiratet sondern diniert. Zum fünften Mal hatte der Freundeskreis Park Reitersdorf zum „Diner en blanc“ eingeladen und die Jubiläumsauflage brach zahlenmäßig alle Rekorde. Die 130 Biertischgarnituren für rund 1040 Personen waren bereits zu Beginn der Veranstaltung um 19 Uhr restlos belegt – die ersten „Freunde der weißen Nacht“ waren schon vier Stunden vorher angereist, um sich die schönsten Plätzchen zu sichern. Dem „Master of Ceremony“ Peter Hurrelmann brach angesichts des nicht abreißenden Zustroms an Gästen der Schweiß aus: „Meine größte Sorge ist, dass die Getränke nicht ausreichen.“ Ein kleines Lager aus zusätzlichen Tischen und Bänken hatte man in weiser Voraussicht bereits angelegt. „Wir haben uns schon gedacht, dass es vielleicht mehr Leute werden könnten“, so Hurrelmann. Mit 400 Besuchern hatte man vor sechs Jahren angefangen, seitdem gingen die Teilnehmerzahlen stetig nach oben. Mittlerweile reist rund ein Drittel aller Gäste von Außerhalb an.

Sarah, Jeanette und Maja zum Beispiel kamen aus Bonn und feierten „Mädelsabend“ im Reitersdorfer Park. Die Studentinnen hatten ihren Tisch mit selbst gepflückten Blumensträußchen „ganz in Weiß“ dekoriert, dazwischen flackerten kleine weiße Stumpenkerzen. Zu Essen gab es „Fingerfood“, jede hatte etwas mitgebracht. „Das Ambiente ist einfach total schön“, fand Sarah, und Maja ergänzte: „Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, um mal seine weißen Klamotten auszuführen und sich richtig herauszuputzen.“

Dresscode stellt Männer vor arge Probleme

Was des einen Freud ist, ist des anderen Leid. So manchen Herren der Schöpfung stellte der Dresscode vor arge Probleme, ein weißes Hemd haben wohl die meisten im Kleiderschrank, aber eine weiße Hose oder gar ein weißes Sakko? „Ich habe einfach eine Malerhose genommen, aber eine nagelneue“, verriet Helmut Müller. Sein Tischnachbar Jens-Peter Ortlich hatte sich bereits zur ersten Auflage des „Diner en blanc“ eigens ein entsprechendes Outfit zugelegt: „Die Hose trage ich aber auch wirklich nur einmal im Jahr.“

Florian, kurz „Flori“, hat es da besser: er ist von Natur aus Weiß, und zwar von den Ohren bis zu den Pfoten. Der West-Highland-Terrier kaute unterm Tisch von Marlies Mense-Schliemann zufrieden an einem Hundekuchen, während Frauchen oben Empanadas mit Gemüsefüllung, Sauerkraut-Lauch-Schiffchen und Lachs-Kanapees servierte. „Ich feiere heute meinen runden Geburtstag nach“, erzählte sie. Darum gab es zum Nachtisch auch noch eine Geburtstagstorte, die noch in einer großen Kühlkiste versteckt war.

Auch ein paar Tische weiter durfte es etwas mehr sein: Zwischen Platten voller Hühnerbeinchen, Käsevariationen, Mini-Wraps, Gemüsesticks und anderen Leckereien war kaum mehr Platz für die überdimensionalen, silbernen Lüster und die weißen Hortensienblüten. „Das Auge isst schließlich mit“, erklärte Ursula Adamczyk. Ihr Mann und sie sowie ihre Freunde hatten sich kurzfristig fürs „Diner en blanc“ entschieden. „Eigentlich hatten wir geplant, zu Hause zusammen Fußball zu gucken.“ Nach Ausscheiden der deutschen Mannschaft wurde dann umdisponiert. „Um ehrlich zu sein, müssen wir fast froh sein, dass wir rausgeflogen sind, sonst wären wir heute nicht hier.“

Geschlemmt und getanzt

Es wurde an diesem warmen Sommerabend jedoch nicht nur geschlemmt, „die Leute wollen sich nach dem Essen bewegen, das haben wir beim letzten Mal gelernt“, berichtete Hurrelmann und schmunzelte. Und so spielte im Laufe des Abends das Duo „Havanna“ zum Tanz auf. Schon Tradition ist die Verabschiedung der Sonne. Pünktlich um 21.44 wurde der Countdown angezählt, anschließend besangen die drei Tenöre Manfred Stegger, Peter Hurrelmann und Jan Hurrelmann die einbrechende Nacht inbrünstig mit „Fly me to the moon“.

Für all die, denen der Flug ins All zu weit war, hatte der Freundeskreis eine interessante Option: eine nächtliche Mondbeobachtung. Wer an dem Abend die meisten „Parkaktien“ erwarb, konnte sich über eine „Mondnacht“ auf dem Drachenfels freuen, die die Bad Honnef AG gesponsert hatte. Der Erlös aus dem Verkauf der Aktien wie auch der gesamten Veranstaltung kommt übrigens wieder dem Park Reitersdorf zugute. „Wir möchten damit zwar nicht die Burgruine wieder aufbauen, aber zumindest die Mauern sanieren“, so Hurrelmann.

Oldtimerbesitzer steuern Aegidienberg an

Wer vom „Diner en blanc“ noch nicht genug hatte, konnte am Sonntag abermals „Ganz in Weiß“ an einer festlich gedeckten Tafel Platz nehmen: Der Verein für Brauchtumspflege in Aegidienberg hatte zum zweiten Mal zum Freiluft-Picknick auf dem Aegidiusplatz eingeladen. Wie auch im Reitersdorfer Park erschienen die zahlreichen Gäste nicht nur in schicker weißer Kleidung, auch die Tische wurden passend dekoriert. Als kleinen Ansporn hatte der Veranstalter für die am schönsten herausgeputzte Tafel sogar einen Preis ausgelobt. „Aegidienberg in Weiß“ war zudem erneut der passende Rahmen für Oldtimerbesitzer, ihre Schmuckstücke zu präsentieren und vom Aegidiusplatz aus zu einer Rundfahrt zu starten.