Nike Seifert im Atelier Meerkatze

Aus dem Vollen schöpfen

Ihre Werke strahlen Energie aus: Nike Seifert zeigt ab diesem Wochenende ihre aktuellen Arbeiten im Atelier Meerkatze.

Ihre Werke strahlen Energie aus: Nike Seifert zeigt ab diesem Wochenende ihre aktuellen Arbeiten im Atelier Meerkatze.

10.03.2016 KÖNIGSWINTER. Die Kölner Künstlerin Nike Seifert präsentiert im Atelier Meerkatze in Königswinter aktuelle Arbeiten unter dem Titel "Extremes". Ihre Werke sind quasi bildgewordene Farbwelten. Sie strahlen Energie aus – so wie ihre Schöpferin.

Nike Seifert ist ein Sonntagskind. Menschen, die an einem Sonntag geboren sind, wird Mut und Lebensfreude nachgesagt – was sie anpacken, gelingt. Nike Seifert ist Malerin. Und ihre Werke sind quasi bildgewordene Farbwelten. Sie strahlen Energie aus – so wie ihre Schöpferin. Jetzt präsentiert die Kölner Künstlerin im Atelier Meerkatze aktuelle Arbeiten unter dem Titel „Extremes“.

Schon Friedrich von Schiller sagte: „Nur durch das Extreme gelangen wir zur Klarheit.“ So ist es naheliegend, dass Nike Seifert die Gegensätze herauskitzelt: Kontrast und Harmonie, Möglichkeiten und Grenzen, Emotion und Rationalität, Musik und Stille. Das kommt ihrer künstlerischen Handschrift entgegen.

Die Mutter von fünf Kindern im Alter zwischen sechs und 15 Jahren bringt hundert Prozent Empfindungen in ihre Malerei ein, arbeitet in einem oftmals physisch verzehrenden Prozess, schöpft das Farbspektrum aus, ist dabei leidenschaftlich, gleichzeitig geistig vertieft, lässt sich von dem Bild führen. „Ich greife zu verschiedenen Farben und Materialien und bin dann fast wie ferngesteuert.“ In den spontan entstehenden abstrakten Formen findet sie oftmals assoziative, geistige Bilder, die zur finalen Komposition führen. „Das ist meine Form der Abstraktion.“ Der Einsatz von Pinsel, Rakel oder Spachtel gibt dem Werk Strukturen und unregelmäßige Oberflächen.

Nike Seifert arbeitet an mehreren Bildern gleichzeitig. Sie lässt sie zunächst ruhen, verändert oft, übermalt, schleift weg ohne Rücksicht auf Verluste. So großzügig wie mit ihrer Energie geht sie nämlich auch mit ihren Materialien um. „Ich muss aus dem Vollen schöpfen.“ Die 45-Jährige steht nicht auf Öl oder Acryl. In ihrer „Hexenküche“ mischt sie Pigmente selbst, etwa mit Balsamterpentin, Geigen- oder Schelllack. Auch Blattmetall kommt zum Einsatz, sobald die Leinwand ihren Kreidegrund hat. „Das alles gibt Strahlkraft.“

Dieser Griff in die Trickkiste der alten Meister hat etwas mit den früheren Erfahrungen der Malerin zu tun. Nike Seifert war in ihrer Jugend Cellistin, hätte bereits mit 16 Jahren ein Studium an der Musikhochschule beginnen können. Aber sie stammt aus einer Juristenfamilie, da lag das Fach nahe. Noch jung genug, um das Blatt zu wenden, absolvierte sie nach dem Studium eine Vergolderlehre und machte sich selbstständig. Als sie Bilderrahmen an ein neu einzurichtendes Hotel lieferte, waren die Besitzer der Ansicht, sie könnte ihnen doch einige Bilder für das Hotel malen. Sie ließ sich auf dieses Experiment ein und stellte erstaunt fest, dass ihre Arbeiten ankommen. Nike Seiferts Bilder sind abstrakt, haben aber auch gegenständliche Bezüge.

Sie gibt den Betrachtern Anhaltspunkte an die Hand, konkret: Titel. Und dafür investiert sie viel Zeit, manchmal fast so viel wie in den Malvorgang. Die große Wand in der Meerkatze schmückt in Seiferts Ausstellung das Diptychon „Giverny“. Das weckt Assoziationen: Dorf in der Normandie, Garten von Claude Monet, Wasserrosen. Die Kölnerin mag aber nicht nur die großen Bilder. Auch an den Daily Paintings hat sie Spaß gefunden.

Obwohl sie klein sind wie eine Art Kalenderblatt und Tagesstimmung oder visuelle Eindrücke einfangen – Nike Seifert geht vor wie bei den Großformatigen: mit vollem Einsatz, farbintensiv, spart auch da nicht an seltenen Pigmenten und zuweilen kostbaren Edelmetallen. Und auch diese Arbeiten sind begehrt. Nike Seifert ist eben ein Sonntagskind.

Die Ausstellung im Atelier Meerkatze wird am Samstag, 12. März, um17 Uhr eröffnet. Sie ist außerdem am Sonntag und Montag, 13. und 14. März, jeweils von 14 bis 18 Uhr zu sehen und dann bis zum 8. April nach Vereinbarung unter 02223/2958600; E-Mail: meerkatze@wendelberger.com; www.wendelberger.com. (Roswitha Oschmann)