Juniorwahl am CJD Königswinter

Auch die Schüler würden wählen

In zwei Wahlkabinen können die Schüler der Jugenddorf-Christophorusschule ihre Stimmen bein der Juniorwahl abgeben.

In zwei Wahlkabinen können die Schüler der Jugenddorf-Christophorusschule ihre Stimmen bein der Juniorwahl abgeben.

SIEBENGEBIRGE. 1999 wurde die Juniorwahl aus der Taufe gehoben, bei der bundesweit Schüler parallel zu Bundes- oder Landtagswahlen ihre Stimme abgeben dürfen. Vor der Landtagswahl in NRW sind auch die CJD-Schüler an die Wahlurne gegangen.

Auf einem sauber gestapelten Haufen liegen die Wahlbenachrichtigungen, auf einem zweiten die blauen Stimmzettel. Dazwischen die Listen mit den Wahlberechtigten. Wer in die Kabine will, muss seinen Ausweis vorlegen. Und wer herumalbert, wird auf den Ernst der Lage aufmerksam gemacht.

Schließlich geht es um die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn es sich „nur“ um die Juniorwahl an Schulen handelt. Der Wahlvorstand an der Jugenddorf-Christophorusschule nimmt seine Aufgabe sehr ernst.

Die vier Schüler, die an dem langen Tisch im Kellertheater des CJD sitzen und auf „Wähler“ warten, gehen alle in die 9 d. „Wir wollten uns engagieren“, sind sich Benedikt Steinmann, Emmy Paust, Jamilja Meyer und Malte Hesse einig. Die 15-Jährigen haben bereits in der siebten Klasse über das Thema gesprochen, jetzt in der Neunten wurde es noch einmal aufgefrischt. Einig sind sich alle auch in einer anderen Sache: „Natürlich würden wir wählen gehen.“

Die Schüler haben gerade ein wenig Leerlauf, während sie auf die nächste Klasse warten. Am Gymnasium wählen die Klassen sieben bis zehn, an der Realschule die Klassen acht bis zehn. „Auch wenn mich die Wahl nicht interessieren würde, würde ich wählen gehen“, sagt Emmy. „Genau. Weil jede nicht abgegebene Stimme den Rechten hilft“, ergänzt Malte. „Und weil dann andere über uns bestimmen, ohne, dass wir mitgestimmt haben“, sagt Jamilja.

So ganz sind sie über die Wahlprogramme nicht informiert, aber zumindest bei einzelnen Sachthemen hat man sich damit auseinandergesetzt, vor allem natürlich bei der Bildungspolitik. G 8 oder G 9? Die Schüler diskutieren kontrovers darüber, auch mit ihren Klassenkameraden, die die Nachwuchswähler noch einmal über Erst- und Zweitstimme aufklären. Engagiert, mit großer Sachkenntnis. Manchmal lautstark, aber immer fair und hoch motiviert.

Britta Straschewski, Politiklehrerin am CJD, beobachtet die Diskussion mit Freude. Es ist das, was sie sich letztendlich von der Juniorwahl erhofft, das Interesse an Politik – und dem Wahlgang selbst. Denn bei der vergangenen Landtagswahl gingen gerade mal etwas mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne. Im Umkehrschluss: Fast 40 Prozent blieben zu Hause.

Schüler zitieren das Beispiel Brexit

„Es ist längst nicht mehr so, dass alle Kinder den Urnengang als selbstverständlich im Elternhaus kennenlernen“, sagt sie. Bei ihren Schülern braucht sie sich da keine Sorgen zu machen. Sie wollen alle wählen, am liebsten so bald wie möglich. Und zitieren dafür das Beispiel Brexit. „Da haben Leute über die Zukunft entschieden, die sie nicht mehr erleben werden“, sind sich die Schüler wieder einmal einig.

Daher sollten Volksentscheide, bei denen die Frage nur mit Ja oder Nein beantwortet werden kann, durchaus auch jüngeren Bürgern offen stehen. „Es ist schließlich unsere Zukunft“, sagen sie. Irritierend finden sie auch, dass für eine so wichtige Entscheidung wie den EU-Austritt eine einfache Mehrheit reicht. Für unwichtigere sei eine Zweitdrittelmehrheit notwendig.

Wie sich die CJD-Schüler entschieden haben, das darf die Schule erst nach Schließung der Wahllokale am Sonntag berichten. Erfahrungsgemäß liegen die Grünen bei den Schülern besonders hoch im Kurs. Die Spaß- und Randparteien schneiden meist eher schlechter ab. Denn erst einmal allein in der Wahlkabine, nehmen die meisten Schüler das Spiel dann doch offenbar sehr ernst.