Ghost Bike an der L 268 aufgestellt

Appell für Radwege im Siebengebirge

Ein Geisterrad und ein weißes Holzkreuz an der L 268 erinnern an den im Januar tödlich verunglückten Rennradfahrer.

Ein Geisterrad und ein weißes Holzkreuz an der L 268 erinnern an den im Januar tödlich verunglückten Rennradfahrer.

KÖNIGSWINTER. In Gedenken an den im Januar verstorbenen Stephan Martini wurde an der L 268 ein Ghost Bike aufgestellt. Die Gedenkveranstaltung wurde auch zum Appell für mehr und bessere Radwege im Siebengebirge.

Am Donnerstag wäre Stephan Martini 50 Jahre alt geworden. Am Abend des Ehrentages, der traurigerweise zum Gedenktag wurde, stellte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Bonn/Rhein-Sieg für den im Januar tödlich verunglückten Radfahrer an der Unfallstelle an der L 268 zwischen Oberpleis und Eudenbach ein Ghost Bike auf – zur Erinnerung und als Appell an Autofahrer, sich aufmerksamer und rücksichtsvoller zu verhalten.

Familie und Freunde des passionierten Rennradfahrers nahmen an der Veranstaltung teil. „Ich hoffe, dass ihm Gerechtigkeit widerfährt“, sagte sein Vater Rudolf Martini. Der frühere Bad Honnefer Kommunalpolitiker kämpfte immer wieder mit den Tränen. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 56-jährigen Autofahrer wegen der Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Für die Familie ist es besonders wichtig zu wissen, wie ihr Ehemann, Sohn und Bruder sein Leben verlor. In jedem Fall war Stephan Martini auf der L 268 alleine und nicht in einer Gruppe, wie der ADFC vermeldet hatte, unterwegs, als er von einem Auto, das wie er in Richtung Eudenbach fuhr, erfasst wurde. Sein Vater hält es für ausgeschlossen, dass sein Sohn, wie es im Polizeibericht hieß, einen Schlenker auf die Straße gemacht haben könnte. Aber er war nicht vor Ort. Aus Richtung Oberpleis liegt die Unfallstelle an einer langen Gerade. Die Straße hat auf beiden Seiten einen breiten Randstreifen, der nicht zur Fahrbahn gehört.

Wie eine zweite Trauerfeier

Für die Angehörigen war der Termin wie eine zweite Trauerfeier. „Ich habe 1000 Worte und Gedanken, die ich ihm schicken möchte, um zu sagen, wie sehr er mir fehlt“, sagte Petra Hagemann, Partnerin des getöteten Radfahrers, die drei Luftballons in den Himmel steigen ließ. „Stephan war für uns immer der Motivator. Er war ein besonderer Mensch“, sagte sein Freund Halit Döndürmez.

Für den ADFC, der das Geisterrad auf Wunsch der Familie aufstellte, ist der Unfall nur ein weiterer Beleg, dass Radfahrer im Straßenverkehr zu wenig geschützt sind. Jeweils fünf Tote in den Jahren 2015 und 2016 und bereits drei im laufenden Jahr im Zuständigkeitsbereich des Bonner Polizeipräsidiums, zu dem auch Bad Honnef und Königswinter gehören, sieht der Verein als Beleg. „Im Bereich Königswinter gibt es an den Landstraßen so gut wie keine Radwege. Somit ist man gezwungen, sich mit den anderen Verkehrsteilnehmern die Straßen zu teilen“, sagte Ludwig Wierich vom ADFC Königswinter.

Seit Jahren fordere sein Verein vernünftig breite Radwege, die von allen Fahrradtypen vom Kinderrad bis zum Rennrad sicher benutzt werden können. „Doch wir werden mit dieser lebensrettenden Forderung nicht gehört. Stattdessen wird die Zuständigkeit zwischen Stadt und Land debattiert.“ Für die Landesstraßen ist das Land zuständig. Im Rahmen der Regionale 2010 sei zwar sehr viel Geld nach Königswinter geflossen. „Es ist aber zehn Jahre lang verpasst worden, die richtigen Anträge für Radwege zu stellen zu stellen. Für Radfahrer ist kein Geld da“, so Wierich. Im Frühjahr hat die Königswinterer Politik die Verwaltung beauftragt, beim Land auf eine Radwegverbindung zwischen Berg und Tal zu drängen.

„Das ist echt ein Zumutung.“

Die L 268 ist im Bereich der Unfallstelle im Radverkehrsnetz NRW auch nicht als Radweg ausgewiesen. Der führt stattdessen über Eisbach. „Aber da kann man nur mit dem Pedelec hochfahren“, so Wierich. Wie ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg betonte, ist der Radweg an der L 268 auch im weiteren Verlauf zwischen Heisterbacherrott und Oberdollendorf holprig, dreckig und viel zu schmal. „Das ist echt ein Zumutung.“

Auch Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff nahm an der Veranstaltung teil. Er arbeitete mit Stephan Martini bei mehreren Projekten zusammen. Neuhoff ist ebenfalls leidenschaftlicher Rennradfahrer. „Nachdem ich dabei aber in zwei gefährliche Situationen geraten bin, fahre ich fast nur noch Mountainbike“, sagt er. Einer der beiden Fast-Unfälle ereignete sich zwischen Heisterbacherrott und Heisterbach – auf der L 268.