Myriameterstein am Rheinufer

Alter Stein wird neu vermessen

Nivellierlatte am Myriameterstein: (v. l.) Thomas Bertus, Herbert Bracht, Reiner Becker, Ronald Meiske und Jan Bertram beim Einsatz in Niederdollendorf.

NIEDERDOLLENDORF. Die großen weißen Betontafeln mit den schwarzen Zahlen an der Rheinuferböschung kennt jeder. Sie sind die "Kilometerzähler" des Stroms. In Niederdollendorf befinden sich die Schilder mit den Ziffern 647 und 648. Diese einheitliche Kilometrierung gibt es seit 1939. Aber: Da existiert auch noch die historische Variante.

In Niederdollendorf steht einer der seltenen Myriametersteine längs des Rheins. Anders als etwa in Unkel, wo Astrid Sudau und Werner Bengel von der Bundesanstalt für Gewässerkunde durchs Gestrüpp kriechen mussten, um ihn zu finden, präsentiert sich das Niederdollendorfer Exemplar im besten Zustand. Der Kreis der Heimatfreunde des Ortes pflegt es. Vize-Vorsitzender Reinhard Becker: "Wir wissen, welches Kleinod wir da haben."

Schon in den 1980er Jahren restaurierte der Oberdollendorfer Bildhauer und Steinmetz Karl Jacik das seltene Exemplar aus Ibbenbürener Sandstein und machte die Inschriften wieder lesbar. Mit der Ziffer "XLVIII", der Nummer 48 also, ist er auf der Wasserseite gekennzeichnet.

Darunter war die Höhe über Amsterdam angegeben. Die Landseite verrät die Abstände nach Basel und Rotterdam, 480 und 344,45 Kilometer. Und die Berg- und Talseite vermittelt die Entfernung zur preußischen Landesgrenze bis Bingen und bis Emmerich mit 117,18 und 209 Kilometern. Jetzt, bevor die Vermesser kamen, brachte Herbert Bracht, der Vorsitzende des Heimatvereins, den unter Denkmalschutz stehenden Myriameterstein erneut auf "Hochglanz".

Astrid Sutau: "Er ist wunderschön geworden. Da hüpft einem das Herz, solch einen Stein zu finden." Und: "Diese Steine waren lange in Vergessenheit geraten." Jetzt wurde der Myriameterstein an der Straße "Rheinufer" nahe dem Rheinpavillon mit einem neuen Höhenbolzen versehen. Und Thomas Bertus, Jan Bertram und Ronald Meske vom Messtrupp hantierten mit Nivelliergerät, um die Lage des Steins gegenüber dem Amsterdamer Pegel zu vermessen.

Sobald die Höhenzahl errechnet ist, gibt es eine Urkunde, versprach Astrid Sutau. Niederdollendorf war der Endpunkt der Aktion. Von Mainz bis Bonn haben Astrid Sutau und Werner Bengel vom Referat Geodäsie des Bundes für Gewässerkunde in den vergangenen sechs Monaten die Messung durchgeführt.

Myriameterstein

Die alte Vermessungsmarke des Rheins wurde vor fast 150 Jahren installiert. 1831 wurde von den Rheinanliegern Frankreich, Baden, Bayern, Hessen, Nassau, Preußen und Niederlande die Central Commission für die Rheinschifffahrt gegründet, die bis heute tätig ist. Sie beschloss 1863 eine einheitliche Längen- und Höhenvermessung des Rheins.

Alle 10.000 Meter auf jeder Uferseite sollte ein fester Stein gesetzt werden: der Myriameterstein. Denn eine Myriade bedeutet 10.000. Allerdings legten die einzelnen Länder bei der Längenmessung immer einen neuen Nullpunkt fest. Daher wurde 1939 die Neukilometrierung des Rheins eingeführt.