Pfingstkirmes in Oberdollendorf

Alexander Dauth schießt den Vogel ab

Seine Insignien erhält am Nachmittag des Pfingstmontags der neue Schützenkönig Alexander Dauth.

Seine Insignien erhält am Nachmittag des Pfingstmontags der neue Schützenkönig Alexander Dauth.

OBERDOLLENDORF. Die Pfingstkirmes in Oberdollendorf wird zum Festmarathon mit Messen, Paraden, Festzügen und Königsschießen. Alexander Dauth ist der neue König.

Da war Musike drin! Alexander Dauth, Vorsitzender der Sinfonia Königswinter und Mitglied des Petersberg-Salonensembles, holte beim Vogelschießen der Sankt Sebastianus-Männerbruderschaft Oberdollendorf am Pfingstmontag im Weingut Sülz Königsvogel „Urka“ mit dem 205. Schuss von der Stange. Damit ist der 63-Jährige der neue König der Traditionsvereinigung von 1659. Weit über die Ortsgrenzen hallende Böllerschüsse kündeten von der Entscheidung.

Ohnehin war das ganze Dorf auf den Beinen, um den spannenden Schießwettbewerb zu verfolgen, wie überhaupt Oberdollendorf wegen der drei Tage währenden Pfingstkirmes der Bruderschaft aus dem Häuschen war. Gemütlich saßen die vielen Besucher gestern im urigen Garten des alten Weinguts, ließen sich von der Decke Musik unterhalten und überraschen, wer der vier Kandidaten den entscheidenden Treffer landen würde, nachdem sich Martin Thiebes (Kopf, 42. Schuss, und rechter Flügel, 110.), Thomas Witthaut (linker Flügel, 127.) und Dirk „Higgins“ Heider (Schweif, 160.) die Pfänder gesichert hatten. Marc Heinekamp, der Vorsitzende der Küzengarde, Ignaz Schmitz, der Ritter vom Siebengebirge, sowie Markus Kolf zielten ebenso wie Dauth auf den Rumpf des Vogels, der nach dem Goldjubelpaar Ursula und Karl Schulte-Beckhausen auf „Ur-ka“ getauft worden war.

Ein Aufschrei ging durch die Reihen, als Heinekamp beim 204. Schuss den Vogelrumpf in absolute Schieflage brachte. Der nächste Schütze, Alexander Dauth, holte ihn dann von der Stange. Das Publikum applaudierte begeistert. Die beiden Schlussoffiziere Christian Franz und Jens Meyer packten sich den im Linzer Krankenhaus arbeitenden Apotheker auf die Schultern. Präsident Thomas Hartmann reichte ihm den Pokal mit Wein, mit dem der 63-Jährige überglücklich der großen Gesellschaft zuprostete. Die Mit-Aspiranten hatten ihn zuvor direkt umarmt. „Ja, ein bisschen traurig bin ich schon“, meinte Heinekamp, der seinen ersten Anlauf auf den Königstitel gestartet hatte. Vielleicht klappt es ja 2024, denn die Männer-Bruderschaft ermittelt nur alle fünf Jahre ihre Majestät.

Einer der ersten Gratulanten war Rolf Beitzel. Der Chor- und Orchesterleiter trug seine Königskette die letzten Stunden, von der er sich dann bei der späteren Krönung durch Pfarrer Dariusz Glowacki trennen musste. „Wir hatten eine sehr schöne Zeit, eine lange Zeit. Man trennt sich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Mit Alexander Dauth habe ich einen sehr guten Nachfolger“, sagte Beitzel, dessen eigenes Königsschild er gestern präsentierte – mit Geige, Flöte und Orgelpfeifen für sich und seine Frau Annemarie.

Musik macht offensichtlich Majestäten. Am Vorabend des Schießens hatte Annelie Dauth ihren Mann bestärkt, mit auf den Vogel zu schießen. „Wenn das Schicksal es will, musst du König sein“, zitierte er ihren Ausspruch. „Beim Einschießen erhielt ich außerdem von vielen Menschen Zuspruch. Das hat mich zusätzlich motiviert.“ Als Begleiterpaare wählten die Dauths Professor Alexander Wynands und Frau Ursula und Markus und Sabine Kolf.

Seit zehn Jahren gehört Dauth der Bruderschaft an. Königserfahrungen gibt es im Hause Dauth allerdings reichlich. Die ältere Tochter Isabella war 1991 Kindergartenkönigin und Tochter Patricia war 2012 Junggesellenkönigin. Ein Ballkleid hatte Annelie, die zum Vorstand der Katholischen Frauengemeinschaft gehört, bei dieser Vorgeschichte natürlich auch parat.

Bevor die Sebastianer gestern ins Finale gingen, hatten sie schon einen Kirmesmarathon hinter sich. Festmessen, Festzüge, Paraden, Fahnenschwenken durch Holger Kurenbach und Marc Heinekamp, der Jubiläumsball für die Schulte-Beckhausens als Goldjubilare und Silberkönigin Christel Bürder hielten die Sebastianer in Atem. Beeindruckend der Zapfenstreich: Wie gemalt die Kulisse – die einbrechende Dämmerung und am Himmel, wie von Zauberhand gemalt, ein kräftiger Regenbogen. Unter ihm spielte sich auf dem Platz vor dem Rebstock die Zeremonie ab. Hauptmann Bernd Blöser kommandierte: „Großer Zapfenstreich, marsch!“

Ein tolles Bild – die große Sebastianer-Familie mit ihren Brudermeistern Willi Sülzen und Ulrich Maiwald im Schein der Fackeln. Dazu die Niederdollendorfer Bläserfreunde um Dirk Wachtler und das Tambourcorps Oberkassel um Andreas Wollenschein, die einen musikalischen Glanzpunkt setzten.