Ausstellung "Kunst gegen Populismus“

Abrechnung mit Trump & Co. in Königswinter

Siebengebirge. Die Künstlerinitiative Antiform zeigt in der alten Rheinapotheke in der Königswinterer Altstadt die beeindruckende Schau „Kunst gegen Populismus“ - eine teils ironische, teils bitterböse, immer aber glasklare Abrechnung mit Trump, Erdogan & Co.

Toupet sucht Herrchen! Eine herrenlose Haartolle, so goldgelb wie markant, huscht als Dickens'scher Geist der diesjährigen Präsidentschaft durchs Oval Office. „En passant: Wig“, so hat der Antiform-Vorsitzende Helmut Reinelt seine digitale Bildkomposition betitelt – eine unbarmherzig ironische Hommage an den mächtigsten Mann der Welt. Und in gewisser Weise soll das fliegende Toupet dessen Besitzer einmal selbst den Populisten-Spiegel vorhalten: Ein, so Reinelt, „gnadenloser Vereinfacher“ werde selbst gnadenlos vereinfacht und auf seine goldglänzende Haarpracht reduziert.

Ob das fair ist? Ansichtssache. Doch die Ausstellung „Kunst gegen Populismus“, die ab sofort unter Antiform-Schirmherrschaft in der Fußgängerzone zu sehen ist, bemüht sich gerade darum, den wahren Kern des Populismus offenzulegen, glasklar und ungeschönt: der Wunsch nach verführerisch simplen Antworten in einer zunehmend komplexen Welt.

Nach all den politischen Vorkommnissen der vergangenen Monate sei es an der Zeit gewesen, künstlerisch Stellung zu beziehen, so Reinelt. Und der Rückhalt in der Kunstszene sei enorm. Daher steuern zehn Künstler, teils sogar international, eine Auswahl ihrer Werke zu der Gemeinschaftsausstellung bei; zudem schmücken Graffiti-Tafeln aus dem Kunstprojekt „Tatort Frieden“ der Evangelischen Jugend Bad Honnef den Ausstellungsraum.

Trump, der Dampfplauderer

Als Leihgabe der IAC-Galerie Berlin-Königswinter prangen etwa zwei düster-meditative Öl- und Acryl-Bilder der Berlinerin Regina Nieke an einer Raumwand; indes symbolisieren Hunderte beschriebene Papierstreifen, jeweils einen Übergang über die französische Seine repräsentierend, in einer Kana-Shodo-Komposition der Japanerin Kaoru Akagawa das Überqueren mentaler wie kultureller Grenzen. Als XXL-Leihgabe der Continuum Gallery widmet Roger Löcherbach derweil „The Donald“ höchstpersönlich eine überdimensionierte Holzskulptur, die knallrote Wahlkampf-Kappe stolz über die Stirn gezogen. Die Botschaft: Trump, der Dampfplauderer, in seinen eigenen Augen stets der Größte von allen, steht in Wahrheit als sonderbare, schiefe Figur auf der Weltbühne.

Überhaupt dominieren, quasi als roter Faden der Ausstellung, die Farben „Trump-gelb“ und „Trump-orange“. Durchs Schaufenster hindurch lässt Reinelt die ebenso ausdrucksstarke wie bisweilen skurrile Mimik des US-Präsidenten für sich selbst sprechen. Drinnen leuchten die farbenfrohen Illustrationen des Kubaners Edel Rodriguez, die die Titelseiten von Spiegel und Time Magazine zierten – in ihrer Aussage genauso spöttisch, roh und bissig wie Trump selbst.

Ähnlichkeiten nicht ausgeschlossen

Direkt daneben ein weiteres Highlight: der pechschwarze, bitterböse Humor des Karikaturisten Martin Perscheid. Kostprobe gefällig? Zwei Kneipengänger vergleichen Trumps Mexiko-Mauer mit „unserem Schutzwall gegen ostdeutsche Wirtschaftsflüchtlinge“, und der türkische Präsident öffnet beim Staatsbesuch Merkels sein Gastgeschenk ganz verzückt mit den Worten: „Oh, wie lieb, der Kopf von Böhmermann!“ Apropos Trump und Erdogan: Woher, fragt Franca Perschen in Form von drei kleinformatigen Illustrationen, kommen uns deren Seitenscheitel-Frisuren noch einmal so bekannt vor? Die Haare etwas dunkler, Erdogans Schnauzer gegen einen Zweifingerbart getauscht, und schwupps, sei man wieder zurück im Deutschland der 30er Jahre. Soll heißen: „Diese Leute bringen dieselbe Gefahr mit sich, und das sollten wir nicht unterschätzen“.

Meinungsfreiheit adé?

Neben der improvisierten Kino-Ecke, in der Videos des syrischen Youtubers Firas Alshater an die Wand geworfen werden, mahnt derweil Julia Löffler, Preisträgerin des Kunstwettbewerbs „Mut zur Wut“, Auswüchse des wachsenden türkischen Autoritarismus an. Meinungsfreiheit adé, ein Mund mit abgetrennter Zunge, zerstückelt von Halbmond und Stern. Helmut Hergarten wiederum prangert unter dem Titel „Forget about positive“ in 18 Foto-Panels die soziale Ungerechtigkeit in den USA an. Der Clou: Die Street-Photography-Aufnahmen sind zehn Jahre alt, „aber sie sind noch immer aktuell, geändert hat sich nichts“.

Zu guter Letzt lädt, nach so viel geballter Polit-Kunst, Hanka Faerbers „Stammtisch“ – ein echter Vereins-Stammtisch aus dem ehemaligen Hotel Siebengebirge – zum Austausch ein. Aber niveauvoll, versteht sich. Denn, so steht es auf einer Leuchttafel im Schaufenster: „Das Leben ist zu kurz, um den Mund zu halten.“

Die Ausstellung „Kunst gegen Populismus“ ist noch bis inklusive Sonntag, 3. September, in der Hauptstraße 338 (alte Rheinapotheke) zu sehen. Geöffnet ist sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr. Informationen gibt es auch auf der Projekt-Homepage: fb.com/kunstgegenpopulismus