Großbaustelle im Siebengebirge

170 Felsnägel sollen den bröckelnden Drachenfels sichern

Siebengebirge. Auf der Großbaustelle am bröckelnden Drachenfels in Königswinter hat die zweite Bauphase begonnen. Der Eselsweg wird erst im kommenden Jahr wieder freigegeben.

170 Felsnägel werden seit einigen Wochen zur Sicherung des porösen Gesteins eingebracht, Klüfte und Spalten werden mit einer Zementmischung verschlossen. Um in diesen betroffenen Bereich – den oberen Abschnitt bis zur Spitze – vorzudringen und den Zustand des dortigen Gesteins zu untersuchen, haben die Spezialisten in den Wintermonaten das Gerüst bis zur oberen Felskante aufgestockt. 53 Meter hoch ist dieses nun, noch einmal ein Drittel höher als zuvor.

Bei den Sondierungen musste die für die Arbeiten zuständige Bezirksregierung Köln dann jedoch feststellen, dass der Fels in einem schlechteren Zustand ist als erhofft. „Es ist nicht so stabil, wie es von unten aussieht“, bedauert Thomas Metz, Baudezernent der Bezirksregierung Köln, bei einem Rundgang am Donnerstag. Allerdings: Weitere Verzögerungen soll es nicht geben. Der Eselsweg wird, wie im März angekündigt, erst im kommenden Jahr wieder freigegeben. Das schlechte Wetter hatte der Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht.

"Kraftvolles Verbund mit dem Fels"

„Das Gestein ist porös“, sagt Metz und schlägt mit einem Hammer gegen den Fels. Auch der vor rund 50 Jahren ebenfalls zur Sicherung angebrachte Beton zerspringt unter dem Hammerschlag, einige der insgesamt rund 400 alten und in den vergangenen Wochen überprüften Felsnägel können mit der Hand um einige Zentimeter verschoben werden.

„Wir haben festgestellt, dass diese den Felsen nicht mehr tragen können“, so der Experte. Einige Nägel werden ersetzt oder neue an anderer Stelle installiert. Mit blauen, grünen und roten Farben sind an vielen Stellen an der Felswand Markierungen angebracht. „N 4“ steht da beispielsweise. Dort soll am Ende ein vier Meter langer Felsnagel das Gebilde sichern, erklärt Metz. Andernorts auf der Baustelle ist bereits geräuschvoll zu hören, was auch an diesem Punkt der Felswand noch bevorsteht: Mit einem sich drehenden überdimensionalen Meißel, angetrieben mit Luftdruck, wird ein zwischen vier und sechs Meter langes Loch mit rund zehn Zentimetern Durchmesser ins Gestein getrieben. In jedes Bohrloch werden neben dem Nagel zwei Lehrrohre eingesetzt. Diese werden mit Zement gefüllt und bilden so laut Metz einen „kraftvollen Verbund mit dem Fels“. Eine Abdeckplatte soll schließlich für den endgültigen Halt sorgen.

Schäden am Betonkragen

Daneben werden an zahlreichen Stellen Klüfte und Spalten verschlossen. „Natürliche Trennfugen haben sich aufgrund der Witterung über die Jahrzehnte geöffnet“, erklärt Diplom-Geologe Roland Strauß. Teilweise sind diese aufgerissen und Felsnägel verrostet. Was passieren kann, wenn das Konstrukt nicht gesichert wird, verdeutlicht der Fachmann bildhaft: „Das ist wie bei einem Turm aus Holzklötzen. Wenn der untere Klotz weggenommen wird, fällt alles zusammen.“ Und so sei das auch mit den Brocken am Drachenfels. „Um ein Herausgleiten von Steinen zu verhindern, werden nicht nur Fugen, sondern auch meterlange Abschnitte von oben bis unten mit Zementbeton gesichert“, so Strauß.

Schlechter als erwartet steht es auch um den Betonkragen, der den Drachenfels umgibt. Das Material hat sich deutlich sichtbar gelöst, fehlerhafte Stellen werden nun aufzementiert, der Stahl wird korrosionssicher gemacht. „Das sind zum Teil erhebliche Flächen“, sagt Metz. Auch dieses Ausmaß sei erst sichtbar geworden, als die Ingenieure die Sicherungsvorrichtung von Nahem begutachten konnten.

Arbeiten im Zeitplan

Rund 40 bis 50 neue Felsnägel wurden bereits gesetzt. „Bis jetzt läuft es gut“, so Metz. Und: „Wir liegen im Zeitplan.“ Dieser sieht den Abschluss der Arbeiten für Ende 2018, Anfang 2019 vor. Erst danach könne auch das Gerüst abgebaut werden und der Eselsweg freigegeben werden. Sofern das Wetter bis dahin mitspielt.