Diskussion zu Trump im CJD Königswinter

„Wenn der Mann nicht lernfähig ist, knallt's“

Königswinter. In der vollbesetzten Aula des CJD in Königswinter wurde zum Thema „Wie wird die Welt unter Trump aussehen?“ diskutiert. Fünf Kerngedanken eines lehrreichen Abends.

„Von diesem Tag an heißt es nur noch 'Amerika zuerst, Amerika zuerst'.“ Die Vision, die Donald Trump bei seiner Vereidigung als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zeichnete, war unmissverständlich. Was diese Zäsur in der amerikanischen Politik für die Zukunft Deutschlands, Europas und der Welt bedeutet, das ergründeten der CDU-Ortsverband Königswinter gemeinsam mit der Jugenddorf-Christophorusschule (CJD) im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion.

Über Sorgen, Perspektiven und Erwartungen an die Amtszeit Donald Trumps sprachen in der vollbesetzten CJD-Aula Norbert Röttgen, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, der Politologe Andrew Denison, seit 2001 Direktor der Transatlantic Networks mit Sitz in Königswinter, und CJD-Schülervertreterin Lisa Neunkirchen unter der Leitung von Journalistin und Moderatorin Antje Passenheim. Fünf Kerngedanken eines lehrreichen Abends.

Erstens: Trumps Wahlsieg habe das Amerika-Bild der Europäer erschüttert, leitete Passenheim die Diskussion ein. Strafzölle, Einreisestopp, Mauerbau – „Trumps Paukenschlag-Politik macht uns alle atemlos“. Der Präsident sei „ein 140-Zeichen-Mann, der nicht lange rumfackelt“ – „wir wollten uns einfach nicht vorstellen, dass so jemand tatsächlich gewählt werden könnte“, so Passenheim. „Wir wollten das gute Amerika sehen, das offene, tolerante Amerika, so wie wir es sehen wollten.“

Schließlich sei es bequemer gewesen, den „großen Bruder USA“ in geistiger Nähe zu wähnen, zu denken, er ticke schon wie man selbst – doch mit der Wahl sei Europa eines Besseren belehrt worden. „Diese naive Brille dürfen wir uns nicht erneut aufsetzen und diesmal denken, Trump wird planlos über die eigenen Füße stolpern.“

Röttgen: Trump muss ernst genommen werden

Zweitens: Trump müsse in vollem Umfang ernst genommen werden, meinte Norbert Röttgen. Entgegen mancher Hoffnung hätten die ersten Tage im Amt bewiesen: „Er meint tatsächlich, was er im Wahlkampf gesagt hat, und er will es auch umsetzen.“

Trump sehe sich als der Mann, der das Volk verkörpere – „da sehen Sie den ideologischen Einfluss von Stephen Bannon“ – und strebe einen, so Röttgen, „Reinigungsakt der moralischen Verrottung im politischen System“ an. Das sei nicht nur populistisch, sondern auch anti-pluralistisch: Andere Meinungen hätten für Trump schlicht keinen Geltungswert. Die Konsequenz: „In seinem US-zentrischen Weltbild gibt es nur die USA und den Rest der Welt, allesamt Konkurrenten im 'deal-making'.“

Drittens: Dieser Anti-Multilateralismus wider die Uno, EU und Nato sei eine Bedrohung für die Nachkriegsordnung, warnte Röttgen. „Diese Programmatik, wenn sie in die Tat umgesetzt würde, wäre das Ende des amerikanisch geprägten liberalen Weltgefüges, das Ende des 'amerikanischen Jahrhunderts'.“ Denn als Sicherheitsgarant und Einflussfaktor in der internationalen Ordnung seien die Vereinigten Staaten unersetzbar.

Deshalb müsse man lernen, mit dem Präsidenten umzugehen: „Es darf keinen Wettstreit geben, wer am meisten auf Trump schimpfen kann.“ Gleichzeitig verkörpere der Präsident aber nicht ganz Amerika, und für tiefgreifende Legislatur-Eingriffe benötige der Präsident Mehrheiten im Kongress. „Und momentan sehe ich diese Mehrheiten nicht.“

„Wenn der Mann nicht lernfähig ist, knallt's“

Viertens: Trump sei nun Präsident, aber er müsse sich am Riemen reißen, wenn er es auch weiterhin bleiben wolle, kritisierte Andrew Denison. Denn: „Im Wahlkampf sagt man, was man sagen will, aber im Weißen Haus tut man dann, was man tun muss. Amerikanische Präsidenten kommen und gehen, aber die Interessen des Volkes bleiben bestehen.“

Wenn sich Trump nicht lernfähig zeige, keinen Realitätssinn entwickle, dann werde es früher oder später zum großen Knall kommen. „Dann, denke ich, wird er irgendwann des Amtes enthoben.“ Denn: „Es gibt 'checks and balances', und sie funktionieren“, so Denison. Für den eventuellen Fall eines machthungrigen Narzissten, der irgendwann ins Weiße Haus einziehen könnte, habe die Verfassungsordnung vorgesorgt.

Das größte Problem des Multimilliardärs sei in den Augen der Mehrheit der Amerikaner das toxische Zusammenspiel aus Temperament, Narzissmus und Widersprüchlichkeit. „Er ist ein Agitprop-Zerstörer, ein charismatischer Selbstdarstellungskünstler. Viele suchen nach einer Methode hinter seiner Manie: Ist er ein Ideologe, ist er ein Egoist oder ist er einfach ein Idiot?“

Eine Lehre für Europa

Fünftens: Trump müsse eine Lehre für Europa sein, mahnte Röttgen. Die Europäische Union befinde sich in der schlechtesten Verfassung seit 1957 – „jedes Mitgliedsland will Applaus bei sich zu Hause, die anderen sind egal“.

Ein Umdenken sei dringend nötig, denn es fehle noch eine einzige Wahl, die schiefgehe – „wir wissen alle, welche“ –, bevor Europa vor dem Kollaps stünde. Kein deutsches Eigeninteresse sei wichtiger als das Ziel, die EU wieder zu stärken. „Wir müssen Trump ernst nehmen“, so Röttgens wiederholter Appell – und das bedeute nicht bloß, dem Mann selbst und seiner Politik auf Augenhöhe zu begegnen, sondern ihm auch als gesellschaftliches Symptom die nötige Ernsthaftigkeit beizumessen. Immerhin, schob Denison als ironischen Lichtblick dazwischen: „Merkel hat schon stundenlang mit Putin zusammengesessen und erfolgreich auf ihn eingewirkt. Man sagt, sie ist gut darin, Alphamänner kleinzumachen.“