Tourismus im Siebengebirge

Zahl der Gäste in Bad Honnef gesunken, Königswinter im Aufwind

Siebengebirge. Die Zahl der Übernachtungen ist im ersten Halbjahr 2017 in beiden Städten gesunken. Den Honnefern drohen nach dem Wegzug eines Tagungshauses weitere Einbrüche, Königswinter rechnet mit einem Aufwärtstrend - auch durch den Klimagipfel.

7,4 Prozent mehr Touristen in Nordrhein-Westfalen, sogar 9,4 Prozent mehr in Bonn. Nur Bad Honnef, wo die Zahl der Gästeankünfte im ersten Halbjahr 2017 um 16,5 Prozent zurückgegangen ist, und Königswinter mit einem Minus von 5,8 Prozent tanzen in der positiven Bilanz aus der Reihe.

Nach einer Erhebung des Statistischen Landesamtes haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 39 384 Touristen Bad Honnef besucht. 3624 kamen aus dem Ausland. Im gleichen Zeitraum 2016 lag die Zahl der Ankünfte noch bei 47 184. Auch bei den Übernachtungen ging die Zahl von 93 814 auf 77 398 zurück. Die Gäste blieben im Schnitt zwei Tage.

Nach Königswinter kamen im ersten Halbjahr 2017 59 941 Gäste, davon 8138 aus dem Ausland, 63 611 waren es ein Jahr zuvor. Die Übernachtungszahlen gingen von 115 777 auf 109 012 zurück. Der durchschnittliche Besucher blieb 1,8 Tage.

Weitere Einrichtungen verlassen Bad Honnef

Der Rückgang liegt auf der Hand. "Durch den Weggang des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI) verlieren wir einen Haufen Übernachtungsgäste", sagt Thomas Bock, Leiter der Tourismus-Information in Bad Honnef. Das KSI mit 115 Gästezimmern hat Ende Januar geschlossen. Bock erwartet deutlich schwerere Zeiten, wenn die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) Ende dieses Jahres aus dem Uhlhof auszieht und dann Ende 2018 auch noch das Commundo-Tagungshotel mit seinen 100 Zimmern wegfällt. Hinzu komme, dass Bad Honnef im Frühjahr traditionell weniger Gäste habe als im Herbst, wenn viele Besucher wegen des Siebengebirges anreisten.

„Der Rheinsteig-Effekt führt zu einer deutlichen Belebung“, so Bock. Und: „Wenn die automatische Zufuhr von Tagungsgästen wegfällt, muss die Stadt sich auf eigene Werte besinnen.“ Um die Verluste zu kompensieren, müsse verstärkt um Gäste geworben werden, die ein oder zwei Tage in der Stadt bleiben. Dazu gehöre aber auch eine gutes Wegweisersystem. „Damit die Gäste nicht – wie bisher – in Rhöndorf stehen und denken, sie wären in Bad Honnef. Oder sich fragen, wie sie vom Bahnhof zur Innenstadt oder zum Rheinsteig kommen“, sagt er. Dazu zähle nicht zuletzt auch eine vernünftige Ausschilderung der Tourist-Info am Rathausplatz. Die Stadt müsse ihre Gäste leiten und führen. „Da haben wir noch viel Potenzial.“

Trendwende in Königswinter durch das Jufa-Hotel

Die Königswinterer Zahlen hält Oliver Bremm, Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH, nicht für bedenklich. „Das ist nicht dramatisch. Ich rechne fest damit, dass wir 2018 sehr stark steigende Zahlen haben werden, wenn das Jufa-Hotel erst einmal voll in Betrieb ist“, sagt er. Die rückläufigen Zahlen im ersten Halbjahr 2017 führt er auf die Renovierung mehrerer großer Hotels zurück. Die Sanierung der Zimmer im Maritim sei inzwischen abgeschlossen, dafür ist die auf dem Petersberg in vollem Gange. „Wir haben 115 Zimmer weniger im Angebot“, sagt Bremm. Zudem sei die Zahl der Campingstandplätze von 78 auf 38 zurückgegangen.

„Wir müssen froh, sein, dass die großen Hotels überhaupt in die Renovierung gegangen sind.“ Bremm sieht diese Entscheidung als positives Bekenntnis zum Standort Königswinter. Bereits im Herbst rechnet er mit einer deutlichen Belebung des Tourismus durch den Klimagipfel in Bonn. Weil die Betten an Land dann belegt sind, werden viele Gäste in Hotelschiffen auf dem Rhein nächtigen. „Die Schiffe liegen von Andernach bis Köln, einige auch in Königswinter.“