GA-Ferienspaziergang durch Rhöndorf

Wo die Spuren Konrad Adenauers allgegenwärtig sind

RHÖNDORF. In seinen letzten Lebensjahren verbrachte Konrad Adenauer die Osterzeit gern in Cadenabbia am Comer See. Die Menschen dort zollten ihm Respekt, beim Kirchgang in der Palmwoche winkten sie ihm sogar mit Palmwedeln zu.

In Adenauers Garten in Rhöndorf steht eine Dattelpalme. Sie ist aber nicht der einzige Grund, warum sich ein Spaziergang auf den Spuren Konrad Adenauers lohnt. Start ist das Bellevue, wo die Linie 66 und die DB-Züge halten. Erste Station: das Weingut Broel, in dem nach 1945 hochrangige Politiker verkehrten.

Hier bestellte Adenauer auch seinen Wein, den er übrigens gern als taktische Waffe einsetzte wie bei der Rhöndorfer Konferenz, als er die Gäste mit erlesenen Weinen verwöhnte und seine Kanzlerschaft klarmachte. Winzer Karl-Heinz Broel darf auf seinen Flaschenetiketten das Konterfei Konrads Adenauer abbilden. Das Gut war sozusagen "Hoflieferant" des Alten.

Die Marien-Kapelle liegt direkt vor dem Weingut und ist das Wahrzeichen Rhöndorfs. In der Pfarrkirche Sankt Marien, die kurz darauf am Frankenweg erreicht wird, besuchte Konrad Adenauer die Sonntagsmesse. Sein Platz ist noch heute mit einem Namenschild ausgewiesen. Zur Ostermontag-Messe verließ er vor seinem Tod am 22. April 1967 zum letzten Mal sein Haus. Nach dem Kirchgang stand das Ostereiersuchen mit den Enkeln im Garten auf dem Programm. Das gehörte zur Tradition.

Zeit nehmen sollte sich der Wanderer für den Besuch der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus. Im Ausstellungstrakt ist alles über den Menschen und den Politiker zu erfahren. Bei der Führung durch das Wohnhaus sind die Besucher immer wieder erstaunt, in welcher Bescheidenheit der Kanzler lebte.

Hier zog Adenauer Weihnachten 1937 ein, in seiner schwersten Zeit, nachdem die Nazis ihn 1933 aus dem Amt als Kölner Oberbürgermeister gejagt hatten. Gartenarbeit gehörte zu seinen Beschäftigungen. Er liebte zwar die Rosen, aber Gemüse und Kartoffeln hatten damals weit mehr Bedeutung als duftende Blumen. Und der Erfinder Adenauer ertüftelte zum Beispiel ein Gartengerät, mit dem er sowohl harken, als auch lästige Erdklumpen zerteilen konnte.

Am Haus kreuzt der Zennigsweg. Kleine Anekdote: Hier saß auf einem Stein oft eine Dame, der die Rhöndorfer schnell den Titel "Frau vom Stein" verpassten. Sie bezeugte so ihren Dank für das Heimholen der letzten Gefangenen aus Russland 1955. Aber sie war wohl auch Verehrerin des Staatsmannes. Die Konrad-Adenauer-Straße führt zur Löwenburgstraße.

Über sie erreicht der Wanderer den Waldfriedhof, wo der erste Bundeskanzler seine letzte Ruhe fand. An der Löwenburgstraße hatte Adenauer seine erste Rhöndorfer Adresse: Die Familie zog im Mai 1935 in das Haus Nummer 76, das später einem Neubau weichen musste. Der Weg zurück führt zum Ziepchesplatz mit Brunnen und Fachwerkidylle. Hier liegt auch der Lehrweinberg mit Rosen aus dem Adenauergarten und einer Bronzebüste. Sie zeigt Peter Profittlich, Präsident der Rhöndorfer Schützen, Bäckermeister und Kontrahent des Alten.

Der Geschäftsmann wollte eine Seilbahn zum Drachenfels bauen. Der "Seilbahnkrieg" sorgte weltweit für Schlagzeilen. Das Modell der nie realisierten Bahn ist im Café Profittlich ausgestellt, wo Peter Profittlichs Enkel heute "Not-Brot" nach Adenauer-Rezept backt. Die letzte Station des Spaziergangs durch Adenauers Rhöndorf ist 50 Meter weiter das Haus im Turm, ältestes Gebäude im Ort. Hier wohnte der Schweizer Konsul Franz-Rudolph von Weiß, Vertrauter Adenauers, der dazu beitrug, dass die Siebengebirgsorte am Kriegsende von schweren Schäden verschont blieben.