Hafen des Wassersportvereins

Wo Bootsurlauber in Bad Honnef am liebsten einen Stopp einlegen

Bad Honnef. Sie sind oft wochenlang auf Rhein, Mosel und Saar unterwegs. Und auf der Durchreise legen Sportboot- und Jachtfahrer gern an der Steganlage bei Bad Honnef an und genießen die schöne Aussicht auf das Siebengebirge und den Drachenfels.

Das Boot wiegt sich ganz leicht auf dem Wasser, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, ein leichter Wind weht an diesem Morgen über die Steganlagen. Axel Tropp schaut hinüber zum Bootshaus, dann das Ufer entlang bis zum Drachenfels, über den Rhein auf die andere Seite zum Rolandsbogen und über die Insel Grafenwerth wieder zurück auf die Planken des eigenen Boots. „Eine selten schöne Lage“, schwärmt er nach seinem Rundumblick.

Hier, im Toten Rheinarm zwischen dem Honnefer Festland und der Insel Grafenwerth, liegt der Sportboothafen des Wassersportvereins Honnef (WSVH). Tropp ist Leiter der Motorbootabteilung und in dieser Funktion zuständig für die Liegeplätze und die Anlegestellen. Viel Betrieb herrscht aktuell nicht. Es sei Ferienzeit, das mache sich bemerkbar.

Einige Vereinsmitglieder sind verreist, die meisten Gastlieger haben zu dieser Uhrzeit – es ist kurz nach zehn Uhr – bereits abgelegt und kehren, so Tropps Erfahrung, erst ab dem Nachmittag in den Hafen zurück. Dieser bietet mit seinen beiden Steganlagen Platz für 57 Boote mit einer Länge zwischen fünf und 15 Metern, erklärt Tropp, der seit 2014 dem Verein angehört und seit 2016 Abteilungsleiter ist.

Ein Bonner auf Zwischenstopp

Gibt es einen typischen Bootsbesitzer? Den kann Tropp eigentlich nicht ausmachen. Von der Familie mit kleinen Kindern bis zum Ehepaar im Rentenalter – ganz unterschiedliche Menschen legen in Bad Honnef an. „Was wir nicht haben, sind Abramowitschs und ähnliche“, sagt er und lacht. Dann ergänzt er mit Blick auf den russischen Oligarchen und Luxus-Jachten von Superreichen: „Die verirren sich nur selten hierher.“

Stattdessen kommen Urlauber aus Köln und Koblenz, aber auch aus der Schweiz, Frankreich und Holland nach Bad Honnef. „Das ist eine Durchfahrtstrecke“, erklärt er. Viele schippern über den Rhein, bleiben kurz und steuern dann weiter entfernte Ziele an.

Zu diesen Gastliegern gehört auch ein Urlauber aus Bonn. Der Mann, der anonym bleiben möchte, ist acht Wochen lang auf dem Wasser unterwegs und legt gerade seinen – wie er es nennt – „Sommerferienzwischenstopp“ beim WSVH ein. Von Holland, wo sein Boot überwiegend liegt, ist er auf Rhein, Mosel und Saar bis nach Frankreich gefahren, und auf dem Rückweg in die Niederlande nun hat er diese Steganlage „ganz gezielt angesteuert“, erzählt er.

Die Handbreit Wasser unterm Kiel

„Sehr nett“ sei es hier, es herrsche eine „typische Clubatmosphäre“, findet er. Neben der guten Anbindung („Vor der Tür die Linie 66“) seien auch die Plätze für Gastlieger ein Vorteil dieses Hafens. Und: Hier hat er trotz niedrigen Rheinpegels noch mindestens die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel. „Noch etwa 30 Zentimeter Wasser unter dem Boot“ habe er. Andere Anlagen seien schon nicht mehr ansteuerbar.

„Der Wasserstand macht uns Probleme.“ Auch Tropp blickt etwas sorgenvoll in Richtung Flussgrund. Etwas mehr als einen Meter tief ist das Wasser noch rund um die Anlage. „Noch schwimmt der Schwimmer“, sagt er und deutet auf den geringen Abstand zwischen Steg und Grund. Für eines der größeren Schiffe ist es aber schon nicht mehr genug.

Es liegt auf Grund. Nun heißt es: auf steigende Pegel warten oder es gegebenenfalls an Land ziehen. Auch für Schiffe, die den Hafen ansteuern wollen, bereitet der niedrige Wasserstand Probleme. Vereinsmitglied Peter Käufer wollte gerade ein Boot in den Hafen lotsen. „Doch das ging nicht.“ Er stellt nüchtern fest: „Größere Schiffe kommen nicht mehr rein.“

Am Steg gibt es immer etwas zu tun

Doch die aktuelle Wetterlage hat, neben dem Südsee-Feeling vor der Haustür, auch etwas Gutes für die Arbeit im Verein. Die Ankerketten, die die beiden schwimmenden Steganlagen mit dem Festland verbinden, müssen nur selten nachgezogen werden.

„Bei Hochwasser sieht das ganz anders aus“, erinnert sich Tropp an den vergangenen Winter. „Die Anlage ist wie ein Schiff. Der Steg muss immer in der richtigen Lage gehalten werden.“ Aber auch wenn nicht gerade der Steg gesichert wird, gibt es für Tropp und die anderen Vorstandsmitglieder genug zu tun. Ein zeitaufwendiges Ehrenamt. „Manchmal ist es wie ein zweiter Job“, gibt er zu.

Im vergangenen Jahr haben die WSVH-Mitglieder 70 Planken der Steganlage ausgetauscht. Die Stegfinger, an denen die Boote anlegen können, wurden zur Sicherung mit neuen Rohren versehen. Dazu kamen die Verwaltungsaufgaben.

In naher Zukunft stehen weitere Maßnahmen an: Die Beleuchtung wird auf LED gewechselt, künftig sollen Wassersäulen Frischwasser liefern. Zudem soll eine Brauchwasseranlage installiert werden, um Flusswasser zum Waschen für die Schiffe verwenden zu können. Bisher geschehe das mit Leitungswasser, so der Abteilungsleiter.

Finanziert werden Maßnahmen wie diese von den Mitgliedsbeiträgen, der Bootsgebühr und den Gastliegern. „Das sind unsere drei Einnahmequellen“, sagt Tropp. Die weniger bekannte Motorbootabteilung des WSVH habe weniger Mitglieder als die der Ruderer, sei aber der wirtschaftliche Träger des Vereins.

Jetzt macht Tropp selbst erst mal Urlaub – natürlich mit der „Neptun“, seinem Boot. Wohin? Das weiß er noch nicht so genau. „Der Weg ist das Ziel“, sagt er entspannt. Und wer an diesem Tag die Atmosphäre auf sich wirken lässt mit Sonnenschein, leichtem Wind und leisem Wellengang, kann das gut verstehen.