Nach dem Brand in Bad Honnef

"Wie ein kleines Kind habe ich mich gefühlt"

Ein Großaufgebot der Feuerwehr rückte am Dienstagmorgen zum Brand an der Straße "Am Honnefer Kreuz" an.

BAD HONNEF. Schließt er die Augen in der Nacht, sieht er wieder den Rauch, wie in einem Film. Für den 49 Jahre alten Mann, unter dessen Wohnung "Am Honnefer Kreuz" es am Dienstag gebrannt hat, sind die letzten Tage ein Albtraum gewesen.

Und immer wieder drängt sich in sein Gehirn der Gedanke: "Die Wellensittiche, ich hätte die beiden Wellensittiche mitnehmen müssen." Aber dafür war keine Zeit.

Nun sitzt er mit seiner Betreuerin in der Bad Honnefer Redaktion des General-Anzeigers und erzählt seine Geschichte: Auf Socken hätte die Feuerwehr ihn, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, aus der Wohnung getragen. Eine Atemmaske haben sie ihm aufgesetzt. "Wie ein kleines Kind habe ich mich gefühlt." Er war unruhig in dieser Nacht und hörte Lärm. Möglicherweise waren es die Vorboten des Brandanschlags, die ihn wach hielten.

Die Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes. Als er auf dem Balkon stand, bemerkte er den Qualm in der Wohnung unter ihm, die laut Polizei ein 53-Jähriger bewohnt. Der 49-Jährige schlug laut Alarm, kam aber nicht mehr alleine aus der Wohnung. Er rief seine gesetzliche Betreuerin an, schrie auf dem AB um Hilfe, wählte die 110. Dann kam die Feuerwehr herein. Es ging alles so schnell, erzählt der 49-Jährige.

Eine Hausratsversicherung kann er sich nicht leisten. Seine Habseligkeiten sind noch in der Wohnung, in welchem Zustand ist unklar. Die geliebten Vögel blieben ebenso zurück wie das Portemonnaie, die Dauerfahrkarte, der Computer und die Gegenstände seiner großen Leidenschaft: Der Bad Honnefer, der sein ganzes Leben im Siebengebirge verbrachte, sammelt alles, was mit Zügen, Bahnen und Schiffen zu tun hat. Er kennt Tarife auswendig, kennt jede Haltestelle im VRS-Gebiet.

Die Gedanken an die Nacht des Brandes treiben ihm die Tränen in die Augen. Er, der regelmäßig den psychosozialen Arbeitskreis besucht, nimmt sich Schicksalsschläge ohnehin schnell zu Herzen. Und wo soll er nun hin? Die Eltern sind längst tot, zur Tante in Neuwied kann er höchstens am Wochenende. Die ersten Nächte verbrachte er im Krankenhaus, weil er als einziger Bewohner eine leichte Rauchvergiftung erlitten hatte. Jetzt kommt er zunächst bei einer Bekannten aus dem psychosozialen Kreis unter.

Die Probleme der nächsten Wochen: Eine bezahlbare Wohnung finden, einen PC, um dem Hobby nachzugehen, und schnell an die Fahrkarte kommen, um nach Eitorf fahren zu können. Dort besucht er dreimal wöchentlich das Sozialpsychiatrische Zentrum der Awo, um in der Hauswirtschaft mitzuhelfen. Er arbeitet auch an einer Zeitschrift für psychisch Kranke mit. "Wenn Sie mal eine Abfahrtszeit wissen müssen, melden Sie sich", sagt er zum Schluss. Dann geht er, um dem Alltag wieder ein Stück näher zu kommen.

Wer dem 49-Jährigen mit Sachspenden oder einer Bleibe helfen möchte, kann sich beim psychosozialen Arbeitskreis melden. E-Mail an: christaweinigfroehlich-psak@t-online.de oder auf den AB sprechen, Tel. 02224/76822.