Ausstellung in Bad Honnef

Wie Frauen Altersarmut vermeiden

Die Ausstellung im Rathaus eröffneten (v.l.) Beate Beckmann, Johanna Samaras, Ursula Schubert-Sarellas und Iris Schwarz.

Die Ausstellung im Rathaus eröffneten (v.l.) Beate Beckmann, Johanna Samaras, Ursula Schubert-Sarellas und Iris Schwarz.

Bad Honnef. Die Stadt zeigt eine Ausstellung über Minijobs und informiert über Chancen und Risiken. 23.000 geringfügig Beschäftigte in der Region sind weiblich.

Minijobs, sagt Ursula Schubert-Sarellas, haben ihre Berechtigung. „Ich will den Minijob nicht verteufeln, er hat seinen Platz“, so die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Bonn. Und schränkt ein: Minijobs dürften sozialversicherungspflichtige Arbeit nicht auf Dauer ersetzen, sie sollten vielmehr Brücke sein zur Teil- oder auch zur Vollzeit.

Über Chancen und Risiken von Minijobs informiert eine Ausstellung. Konzipiert wurde die Wanderausstellung von der Landesinitiative Netzwerk W, gefördert vom Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Bis zu den Osterferien ist die Ausstellung auf Initiative der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Iris Schwarz im Rathaus zu sehen.

Sind Minijobs nun eine Brücke in den Beruf? Oder sind sie vor allem für Frauen eine berufliche Sackgasse, die Altersarmut Vorschub leistet? Um solche und weitere Fragen geht es in der Ausstellung, die Schwarz, Schubert-Sarellas, Beate Beckmann (Beraterin für berufliche Entwicklung) und Johanna Samaras, Pädagogische Mitarbeiterin der Volkshochschule (VHS) Siebengebirge, am Dienstag eröffneten.

„Auf die Dauer kommt es an“, umriss Schubert-Sarellas einen wichtigen Aspekt. Soll heißen: Minijobs stellten eine Chance dar, Brüche in der Erwerbstätigkeit – und damit in der Beitragszahlung zur Rente – zu überwinden und in Lebensphasen wie bei der Betreuung der Kinder oder der Pflege von Angehörigen flexibel dazu zu verdienen, ebenso als Schüler, Studenten oder Rentner. Jedoch: Eine sozialversicherungspflichtige Arbeit dauerhaft ersetzen sollten und könnten sie nicht. Ein Beispiel macht das deutlich: Ein Jahr in einem Minijob schafft zusätzlichen Rentenanspruch von 4,50 Euro.

Das Thema habe noch eine andere Ebene. Obwohl viele Minijobber gut qualifiziert seien, habe ihre Arbeit – unverdientermaßen – oft einen anderen Stellenwert als die „fester“ Kollegen. Die Ausstellung informiert zudem über die Rechte von Minijobbern, und hier gebe es offenkundig Nachholbedarf. So sei wenig bekannt – weder bei den Beschäftigten, noch bei Arbeitgebern –, dass Minijobber Anrecht auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz und Tariflohn haben.

Eine bundesweite Studie hat belegt, dass diese Rechte bei Minijobbern häufiger missachtet würden als bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Umfrage in 1100 Betrieben und unter 7500 Beschäftigten ergab, dass fast die Hälfte der Minijobber keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhalten hätten.

„Es ist wichtig, zu sensibilisieren und zu informieren“, so Schwarz. Die 13 Schautafeln und viel Material zum Mitnehmen tun das sehr anschaulich.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Minijob – Minichance?“ ist bis einschließlich Donnerstag, 24. März, im Rathaus, Rathausplatz 1, zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr.

Die Volkshochschule Siebengebirge bietet Beratung zur beruflichen Entwicklung an. Das Programm ist gefördert durch den Europäischen Sozialfonds, bietet Coaching in allen Fragen der beruflichen Entwicklung durch qualifizierte Berater und kann bis zu neun Stunden betragen. Für die Teilnehmer ist es kostenlos. Info und Terminvergabe: 0 22 44/88 93 79. suc