Königsvogelschießen der Sankt Hubertus-Schützen

Weber reicht ein einziger Schuss

RHÖNDORF. Es war spät geworden, fast halb elf am Samstagabend. Und Bürgermeister Otto Neuhoff machte klar, dass da eben beim stundenlangen Königsvogelschießen der Sankt Hubertus-Schützengesellschaft genau der Richtige den entscheidenden Treffer gelandet hatte.

"Franz-Josef: Das ist der Name von Kaisern und Königen", sagte er und umarmte und gratulierte Franz-Josef Weber. Der 56-Jährige ist der neue Schützenkönig von Rhöndorf. Eine Rolle, mit der er sich erst einmal anfreunden musste.

Am Sonntag beim Kirchgang und dem anschließenden Festzug zum Schützenplatz im Löwenburger Tal mit Kranzniederlegung an der alten Kapelle hatte sich der bescheidene Mann wohl doch schon ein bisschen daran gewöhnt, einmal im Mittelpunkt zu stehen. Er lächelte und winkte.

In der Kutsche fuhren auch seine Mutter Hildegard Weber und seine jüngere Schwester Brigitte Weber (40) mit. Die Lehrerin war extra aus Wuppertal herbeigeeilt. Sie ist nun die Königin an seiner Seite. Präsident Peter Profittlich schmückte das Königspaar anschließend im Schützenhaus mit Königskette und Diadem, von der sich Vorgänger Ralf Püllen und seine Frau Marie-José trennen mussten.

Franz-Josef Weber war der zwölfte Schütze, der auf den Rumpf des Königsvogels hielt. Das Stück Restvogel war noch groß. Und doch: Unerwartet krachte es von der Stange. "Jaaaaa!", schrien die Schützen begeistert und riefen ein dreifaches "Horrido!" aus. Aber Franz-Josef Weber war völlig perplex.

Nur einen Schuss hatte der Vermessungstechniker auf den Rumpf abgeben wollen. Und plötzlich war er König. Unvorstellbar. Präsident Profittlich nahm ihn erst einmal beiseite. Als sie dann das Schützenhaus wieder betraten, stellte sich die große Schützenfamilie zur Gratulationscour auf und spendete ihrem neuen König herzlichen Applaus.

Dessen Großvater Peter Weber hatte 1920 die Sankt Hubertus-Schützengesellschaft mitbegründet. Sein Enkel gehört dem Verein seit 1970 an. Sein Hobby ist die Natur. Er genießt die Spaziergänge durch das Siebengebirge. Seine Heimatliebe drückt sich auch in der Mitgliedschaft beim Rhöndorfer Bürger- und Ortsverein aus, in dessen Vorstand er als Beisitzer mitwirkt. Siegfried Benz und Willi Spitz sind Webers Adjutanten.

Der Wettbewerb fand unter Regie von Schießleiter Richard Stang wegen des Regenwetters nicht am Hochstand im Freien, sondern in der Schießhalle statt. Das bedeutete: Statt Holz- war ein zäher Gipsvogel Ziel und statt mit Kleinkaliber wurde nur mit Luftgewehr geschossen.

Jürgen Kuhn holte mit dem 48. Schuss den Kopf runter, Bernd Humpert putzte mit dem 128. den linken und Ralf Stang mit dem 178. den rechten Flügel weg. Franz Gunkel erlangte den Pfänderorden für den Schweif mit dem 231. Schuss und Franz-Josef Weber für den Rumpf mit dem insgesamt 243. Schuss. Es war sein einziger Schuss auf den Rumpf des "Königsvogels" und ein unverhoffter Volltreffer.

Und Ralf Püllen machte dem überraschten Schützenkönig Mut: "Für mich kam es letztes Jahr auch unverhofft. Plötzlich waren wir beim Schießen auf den Rumpf nur noch zu zweit. Aber ich hatte mit meiner Frau Marie-José ein wunderschönes Königsjahr", sagte er. Und das wollen die Rhöndorfer ihrem neuen Königspaar nun ganz sicher auch bereiten.