Wenn Kronkorken zu Kunst werden

Ungewöhnliche Ausstellung im Honnefer Kunstraum

Irena Paskali in der Ausstellung in Bad Honnef.

Irena Paskali in der Ausstellung in Bad Honnef.

BAD HONNEF. Holzkohle-Zeichnungen, Fotografien und Objekte zeigt die gebürtige Mazedonierin Irena Paskali bis Ende Januar in den Räumen unterm Rathaus. Darin hat sie Fundstücke von der Straße verarbeitet.

Den Titel „Urban/Nature Dialektik“ gab Irena Paskali ihrer Ausstellung, die seit dem Wochenende im Kunstraum Bad Honnef zu sehen ist. Fotografien und Zeichnungen sowie mehrere kleine Objekte präsentiert die Künstlerin in dem Raum des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur, dessen Vorsitzende Cornelia Nasner die Schau eröffnete.

Irena Paskali, Jahrgang 1969, lebt seit 2004 in Köln, stammt aus Ohrid in Mazedonien. Die Stadt liegt am gleichnamigen See, einem der ältesten Seen der Erde. Die Natur spiegelt sich in ihrem Schaffen – in ihren Zeichnungen, gewissermaßen als Gegenpol zu den urbanen, zumeist architektonischen Motiven, die sie in der Fotografie umsetzt.

Die Künstlerin schöpft beim Zeichnen mit Holzkohle aus ihrem Reservoir an im Gedächtnis gespeicherter Natur. „Ich habe die Bilder im Kopf“, erklärt sie. „Natur erlebe ich im Alltag nur selten.“

Irena Paskali trägt mit ihrem ausgereiften Strich die Schätze aus ihrer gedanklichen „Vorratskammer“ auf unterschiedlichen Untergrund auf. Das kann Holz, Karton oder auch Tapete sein, was den Schwarz-Weiß-Arbeiten besonderen Charme verleiht.

Kronkorken vom Strand, Gegenstände aus Baugruben

Teilweise montiert sie auf die Zeichnungen Fundstücke von der Straße – bei den im Kunstraum ausgestellten Werken sind es zum Beispiel Kronkorken vom Strand der Insel Ibiza oder Teile, die bei handwerklichen Erdarbeiten in Bonn und im argentinischen Mendoza herausbefördert wurden.

Die Fotografien vermitteln nicht die Wirklichkeit eins zu eins. Paskali nimmt die Bilder mit ihrer Videokamera auf, bearbeitet sie und fasst sie am Computer zusammen. So wirkt etwa der Weihnachtsmarkt vom Kölner Heumarkt wie die Abbildung eines bombastischen Gebäudes. In einer weiteren Bearbeitung des Fotos sind dann die Umrisse des Karussells und der Menschen zu entdecken.

Bearbeitete Fotos von Architektur

Die Deutzer Brücke, in einer eisigen Nacht aufgenommen mit allen Spiegelungen, ist ebenfalls sehenswert. Schlanke, schmale Säulen an einer Wand zeigen die verfremdeten Aufnahmen von herausragenden architektonischen Bauwerken an bedeutenden Orten – wie Waterloo, Brüssel, Rom, Basel, Barcelona, Yokohama, aber auch ihren geschichtsträchtigen Heimatort.

Mit einem Schnittprogramm hat die Künstlerin die Videoaufnahmen bearbeitet und wieder zusammengestellt – eindrucksvolle Ansichten, die den Titel: „Meridiane“ tragen.

Geradezu Kleinode sind die zierlichen Objekte der Künstlerin in den Vitrinen – Arbeiten aus Bronze, Bergkristallen und Mineralien. Zu den natürlichen Materialien hat die Künstlerin einen besonderen Bezug, stammen sie doch aus der Sammlung ihres Vaters, der Geologe war. So lautet der Titel eines dieser Werke „Der kleine Krater“.

Irena Paskali ist viel auf der Welt herumgekommen – sie erhielt während ihrer künstlerischen Ausbildung zahlreiche Stipendien, war zum Beispiel in Paris, New York, Lettland, Marokko und auch in Russland. Sie besuchte in ihrer Heimat das Gymnasium für angewandte Kunst, studierte dann an der Akademie der Bildenden Künste in Skopje und an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Die Liste ihrer Ausstellungen ist lang. Mit zahlreichen Preisen wurde Irena Paskali bereits ausgezeichnet – auch das eine Empfehlung für einen Besuch ihrer sehenswerten Ausstellung in Bad Honnef.

Die Schau ist bis zum 27. Januar im Kunstraum, Rathausplatz 3 in Bad Honnef, zu sehen. Geöffnet ist sie donnerstags und freitags jeweils von 16 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags jeweils von 10 bis 13 Uhr. Mehr Infos auf www.kunstraum-bad-honnef.de