Abschied vom KSI in Bad Honnef

Traurigkeit, Wehmut und Hoffnung

Abschied vom KSI: (v.l.) Roberto Rosso, Norbert Röttgen, Pater Shaji Panakal, Weihbischof Rolf Steinhäuser, Father John Jjumba und Ralf Bergold.

Abschied vom KSI: (v.l.) Roberto Rosso, Norbert Röttgen, Pater Shaji Panakal, Weihbischof Rolf Steinhäuser, Father John Jjumba und Ralf Bergold.

SELHOF. Das Katholisch-Soziale Institut hat sich am Sonntag mit einem Festakt offiziell aus Bad Honnef verabschiedet und bereitet derzeit seinen Umzug nach Siegburg vor. Die Nachnutzung ist weiter unklar.

Das Kofferpacken erfolgt erst in einigen Wochen. Bis zum 8. Januar läuft noch ein letzter Kursus im Katholisch-Sozialen Institut (KSI). Dann endet endgültig die 65 Jahre währende Geschichte des KSI in Bad Honnef, die am neuen Standort in Siegburg auf dem Michaelsberg fortgesetzt wird.

Mit einer Messe mit Weihbischof Rolf Steinhäuser verabschiedete sich am Sonntag das KSI. An Schautafeln konnten die Besucher Rückblick halten. Der ehemalige Vize-Direktor Hans Nitsche hatte diese Ausstellung konzipiert.

KSI-Direktor Professor Ralph Bergold betonte: „Adieu heißt: Mit Gott! Wir wollen mit Gott uns auf den Weg nach Siegburg machen. Allen, die wir hier zurücklassen, wünschen wir Gottes Segen. Bleiben Sie uns gewogen, besuchen Sie uns in Siegburg.“ Aber freilich schwang auch Wehmut mit.

Und Ralph Bergold unterstrich auch, dass sich die Hoffnung, beim Abzug den zukünftigen Nutzer des Anwesens vorstellen zu können, leider nicht erfüllt habe und deshalb auch nicht mit einem Festakt „Adieu“ gesagt werde. Dass Weihbischof Steinhäuser die Messe zelebriert habe, mache deutlich, „wie bedeutsam der Abschied ist. Das KSI hört nicht einfach auf und geht woanders hin. Dieser Umzug hat auch viel mit Gefühl, Emotion, Wehmut, teilweise Schmerz, Zorn, Ärger, auch mit Trauer zu tun“, so Bergold.

Der Auftrag „Für den Menschen bestellt!“ des KSI-Gründers Kardinal Frings trage andererseits diesen dynamischen Aspekt schon in sich. Und nachdem 1952 mit dem Antonius-Haus ein durchaus idealer Ort gefunden worden sei, sei in der Folge immer wieder gebaut, vergrößert, verändert worden. In den vergangenen Jahren habe sich das Haus fest in die Stadt eingefügt.

Der KSI-Direktor dankte der Stadt, den Einrichtungen, den Kooperationspartnern und Kirchengemeinden für das Miteinander. „Das KSI hat sich nie als Elfenbeinturm isoliert um sich selbst gedreht, sondern sah sich immer in der Gesellschaft verortet.“

„Das ist ein wirklicher Abschied mit Trauer"

Weihbischof Steinhäuser bedauerte den Abschied, konnte aber die inhaltliche Entscheidung nachvollziehen. Das Motto seiner Predigt „Das haben wir uns anders vorgestellt“ hatte allerdings nichts mit dem Wegzug zu tun, sondern mit Gottes Liebe. Jörg von Lonski vom Erzbischöflichen Generalvikariat sagte, mit zwei Kaufinteressenten sei man im Gespräch. In beiden Fällen gehe es um eine Nutzung mit Veranstaltungen und Wohnen; ein dritter Investor habe bisher nur sein Interesse bekundet. Er hoffe auf eine Einigung im ersten Halbjahr 2017.

Auch der CDU-Bundestagabgeordnete Norbert Röttgen war gekommen. „Das ist ein wirklicher Abschied mit Trauer. Dieser Ort hat katholisch-soziale Tradition. Den kann man nicht so einfach verpflanzen.“ Und Vizebürgermeister Klaus Munk meinte: „Das ist einer meiner schwersten Termine als Vizebürgermeister. Die Einrichtung war ein Leuchtturm in der Stadt. Und wird ein schwarzes Loch – wir wissen nicht, was passiert.“

Auch ehemalige Mitarbeiter nahmen Abschied. So wie Hans Nitsche. „Voller Glück schaue ich auf meine Zeit hier zurück. Ich sehe den Umzug auch als Chance.“ Altbürgermeister Werner Osterbrink zeigte sich kritisch. „Dieses Haus hat 40 Jahre lang der an der Christlichen Soziallehre orientierten Arbeitnehmerbildung gedient. Das KSI hat sich mehr und mehr zu einer zwar hochklassigen, jedoch beliebigen katholischen Akademie entwickelt. Als Mitarbeiter dieser Einrichtung, der mehr als 30 Jahre die inhaltliche Arbeit mitgestaltet hat, ist mir dieser Paradigmenwechsel natürlich ganz und gar nicht gleichgültig und als früherer Bürgermeister halte ich die Entscheidung, diesen Standort aufzugeben, ohne zuvor für eine Anschlussnutzung zu sorgen, für ziemlich verantwortungslos.“

Der frühere Kardinal Meisner, in dessen Ära die Entscheidung für Siegburg fiel, stattete dem KSI jüngst einen Besuch ab. Honnef sei für ihn ein spiritueller und ein Wohlfühlort gewesen. Aber der Michaelsberg mit 1000 Jahren katholischer Tradition könne nicht aufgegeben werden. Wenn im Oktober 2017 das KSI sein 70-jähriges Bestehen feiert, dann in Siegburg.