Rhein in Flammen im Siebengebirge

Tausende feiern auf der Insel Grafenwerth

Siebengebirge. Zum zweiten Mal richtete die Bonner Agentur RheinEvents das Fest auf der Insel Grafenwerth vor Bad Honnef aus. Eine Premiere gab es in Rhöndorf: Der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf lud anlässlich seines Jubiläums zum ersten Promenadenfest.

Eigentlich hatten sich Handmade eine Punktlandung vorgenommen. Doch der Schiffskonvoi machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Gerade noch fegte die Band mit dem 70er-Jahre-Funk von „Nights on Broadway“ über die Inselwiesen, als der Himmel plötzlich aufleuchtete. Alle Blicke wandten sich von der Bühne ab, die Bee Gees gingen im explosiven Pyro-Spektakel unter. Denn: Die Boote waren knapp vier Minuten früher als geplant in Bad Honnef angelangt, das Feuerwerk zog mit. Und die Band musste frühzeitig abbrechen. „Das hatten wir auch noch nicht“, meinte das Sängerduo Rolf Siebenhaar und Andrea Künz verdutzt. „Aber nicht weglaufen, wir spielen durch bis Mitternacht.“

Alles in allem viel Spaß und gute Laune, aber noch lief nicht alles ganz wie am Schnürchen – so lautet das Fazit der zweiten Ausgabe von „Rhein in Flammen“ auf der Bad Honnefer Insel Grafenwerth unter dem Banner der Bonner Agentur RheinEvents. Eigentlich, meinte Eventleiter Max Baumgarten, habe er sich im Vorfeld auf die Wetteraussichten gefreut: „Aber es war nachmittags wohl doch etwas zu heiß.“

Anfangs war nur ein harter Kern vor der Bühne

Soll heißen: Der Festplatz war zunächst nur spärlich gefüllt, der erwartete Besucheransturm blieb vorerst aus. Ben Randerath, der mit 90er-Jahre-Hits und Karnevals-Covern musikalisch in die Abendstunden überleitete, konnte noch so sehr zum Mitsingkonzert animieren – vor der Bühne herrschte gähnende Leere. Nur ein ebenso überschaubarer wie harter Kern von jungen Deutschrock-Fans jubelte und sang unentwegt mit. „Danke, ihr vier!“, lobte Randerath mit einem Augenzwinkern.

Dann aber, mit Einbruch der Dämmerung, kamen die Bad Honnefer endlich. Und zwar in Scharen. Und Handmade, die bereits im Vorjahr als Headliner begeistert hatten, brachten erneut Leben in die Menge. Oldies und Evergreens, das Beste aus vergangenen Jahrzehnten bis heute – das war Partylaune in Reinform. Und das Besuchermeer, die sich nun auch ganz vorne vor der Bühne versammelt hatte, nahm das musikalische Angebot der Band – ganz im Sinne der Stones – liebend gerne an: Na klar, „Let's Spend the Night Together“!

Mit Einbruch der Dämmerung strömen die Massen

Dunkelheit und Abendkälte legten sich langsam über die Insel, und in Jacke und Schal gehüllt kuschelten Pärchen – ganz „Addicted to Love“ – auf Picknickdecken im Scheinwerferlicht zu Foreigner, Simple Minds und Queen. Und nachdem die Bonner Cover-Experten ihr Repertoire mit „Summer of '69“, „Sweet Home Alabama“ und „Davy's on the Road Again“ aufgestockt hatten, stimmten sie Tina Turner an. Die Gäste waren sich einig: „Handmade“ waren auch im zweiten Jahr „Simply the Best“.

Bei aller guten Laune gab es jedoch auch kritische Stimmen. Während manchen die Parkgebühren an der Lohfelder Straße sauer aufstießen, wurde zudem die überschaubare Auswahl an Essens- und Getränkeständen bemängelt. Vor allem die teils langen Schlangen, die sich dadurch vor den beiden Bierständen der KG Löstige Geselle und des Spielmannszugs TV Eiche bildeten, waren vielen ein Dorn im Auge: „Die Wartezeiten sind zu lang und die Getränke zu teuer“, klagte eine Besucherin.

Keine Beschwerden indes von den jüngsten Besuchern: Kinderflohmarkt, Hüpfburg, Karussell und Bungee-Trampolin kamen sichtlich gut an. Unterdessen schallte Akustikgitarren-Rap vom Duo Tausend Trailer über die Insel, anschließend Indie-Rock mit den Bands Elia und The Saltshakers. Und wem das nicht Unterhaltung genug war, der schlug am Rheinufer das Zelt auf, packte den Grill aus oder forderte die Freunde im Schatten der Bäume zu einer Runde Fußball heraus.

Promenadenfest am "Bellevue"

Eine Premiere indes in Rhöndorf: Auf der Rheinpromenade, direkt unterhalb des „Bellevue“, feierte der Rhöndorfer Bürger- und Ortsverein sein 150-jähriges Bestehen. In entspannter Runde genossen Dutzende Mitglieder und Freunde die frühen Abendstunden und fieberten bei bestem Rheinblick dem Schiffskonvoi entgegen.

Ein entspannter Abend war es auch für den Sanitätsdienst auf Grafenwerth: Insgesamt eine „ruhige Veranstaltung mit positiver Bilanz“ sei es für DRK, Malteser und den städtischen Rettungsdienst gewesen, meinte Einsatzleiter Jens Koelzer. Lediglich 17 Mal mussten kleinere Blessuren verarztet werden, sieben Personen wurden zudem ins Krankenhaus gebracht.

Mehrere Tausend Besucher, vor allem zum Finale beim Feuerwerk, dazu abwechslungsreiche Musik, Insel-Atmosphäre und eine gelungene After-Show-Party – insgesamt „total zufrieden“ sei er mit der zweiten Grafenwerth-Ausgabe von Rhein in Flammen, so Baumgarten. Aber für das Nachmittagsprogramm, hofft er, könne man die Gäste noch heftiger entflammen.