Hilfe für Arme

Tafel in Bad Honnef wird zehn Jahre alt

BAD HONNEF. Die Bad Honnefer Tafel hat in den zehn Jahren ihres Bestehens Zehntausende Taschen und Pakete mit Lebensmitteln ausgegeben. Bei einer Feier blickte die Awo zurück auf die Anfänge und die Situation in der Stadt.

Familien in Not, Menschen, für die das tägliche Brot eben nicht alltäglich ist – in Bad Honnef? „Armut gibt es überall“, betonte Heinz-Willi Schäfer, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo), bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Awo-Tafel in Bad Honnef. „Arm sein in einer reichen Stadt“, lautete denn auch das Leitwort, ergänzt durch den Zusatz: „Wo Not ist, hilft die Awo“. Die örtliche Tafel ist eine von vieren mit insgesamt 140 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die die Organisation im Rhein-Sieg-Kreis trägt.

Eine Ausstellung im Pfarrheim präsentierte Schlaglichter aus einem Jahrzehnt Tafelarbeit, ein Videoclip lief in Dauerschleife im Foyer, die Gäste konnten einen Blick hinter die Kulissen der Tafelräume werfen, in denen in zehn Jahren Zehntausende von Taschen und Paketen mit Lebensmitteln gepackt und ausgegeben wurden – an Menschen, die von Hartz IV abhängig sind, eine niedrige Rente bekommen oder sich in vorübergehender Notlage befinden, an Kranke und an Flüchtlinge.

Neuhoff würdigt Einsatz der Tafel-Mitarbeiter

Die Politik müsse Armut wirksam bekämpfen, um allen Menschen eine würdige Existenz und Chancen für die Zukunft zu ermöglichen, forderte Schäfer. „Wir als Wohlfahrtsverband weisen seit Langem darauf hin. Nach dem Ersten Weltkrieg haben wir mit Suppenküchen angefangen. Die Tafel ist nichts anderes – wir mildern die Not der Menschen.“ Er dankte allen Unterstützern und dem Tafel-Team.

Auch Bürgermeister Otto Neuhoff würdigte den Einsatz der Tafel-Mitarbeiter. Bad Honnef, eine reiche Stadt? „Die Stadt ist relativ pleite“, sagte er. Die Bürger seien im Durchschnitt reich, aber der Durchschnitt sei eben nicht alles. Er zitierte Willy Brandt: „Solidarität ist das Bindeglied zwischen Freiheit und Gerechtigkeit.“ Solidarität bilde die Brücke, meinte Neuhoff. „Die Awo macht das in hervorragender Weise.“

Den Spirit der Tafel spüre er auch persönlich, wenn seine Frau von ihrer Mitarbeit nach Hause komme. „Das bereichert, man gewinnt etwas durch dieses Engagement.“ Auch die Stadt habe profitiert, ganz besonders in der Flüchtlingskrise. „Danke, dass Sie das Schiff der Gemeinschaft auch durch diese Zeit gelotst haben.“ Neuhoff wünschte: „Möge die Tafel bald nicht mehr nötig sein, aber die Bereitschaft zu helfen trotzdem anwachsen.“

"Bei der Tafel findet die Realität statt"

Rosemarie Schopp-Jastrow, Vorsitzende des Awo-Ortsvereins, sagte: „Bei der Tafel findet die Realität statt.“ Für viele Bürger werde es immer schwerer, ohne staatliche Hilfe ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. „Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr im Müll, die Hälfte davon durch den Handel. Die Tafel hebt diese Schätze.“

Zum Zehnjährigen überreichte sie der Tafel einen Scheck in Höhe von 1000 Euro aus dem Erlös der Honnefer Awo-Einrichtungen. Petra Kunau-Goertz, die mit Friedhelm Staudt und Heinz Lemaire das Tafel-Leitungsteam bildet, dankte allen Aktiven herzlich für ihren Einsatz, ebenso der sehr spendenfreudigen Bevölkerung, die dazu beitrage, dass immer allen Kunden habe geholfen werden können und dies auch heute gelte.

Anschließend wurden Helfer, die sich seit zehn Jahren in der Tafel engagieren, ausgezeichnet: Heinz Lemaire, Rolf Böning, Wulfram Buchbender, Barbara Cyprian, Heidrun Martenson, Peter Reimers, Hanni Ruyters, Dorothee Schlange-Schöningen, Werner Schöller, Angelika Schröder, Martha Stang, Ingrid Thiesen, Barbara Wild, Petra Kunau-Goertz und Friedhelm Staudt.