Barrierefreiheit ist nicht in Sicht

Stillstand am Bad Honnefer Bahnhof - Stadt und Bahn AG uneins

BAD HONNEF. Geht es nach der Bahn AG, dann hat es die Stadt Bad Honnef in der Hand, Weichen für den Bau eines behindertengerechten Gleiszugangs am Bahnhof zu stellen. Das sagte ein Sprecher des Unternehmens auf GA-Anfrage.

Demnach müsste die Stadt Pläne, den DB-Haltepunkt an die Endhaltestelle der Stadtbahn zu verlegen, aufgeben, damit die Bahn AG den Bau eines Aufzuges angehen kann. Die Stadt hält dem entgegen, die Investition in den Vorplatz und die Inanspruchnahme von Fördermitteln dafür sei schon für sich genommen ein klares Bekenntnis zum Bahnhofsstandort.

"Wir brauchen den behindertengerechten Zugang", gab Technischer Beigeordneter Bernd-Josef Vedders am Dienstag den Ball zurück. Die Barrierefreiheit steht seit langem auf der Wunschliste. Die Gleise sind bislang nur über Treppen erreichbar - schon für Fahrgäste mit Gepäck stellt das ein Problem dar, von Müttern mit Kinderwagen oder gehbehinderten Fahrgästen gar nicht zu sprechen.

Zugleich gibt es laut Vedders seit gut 28 Jahren die Idee, mit der Verlegung des DB-Haltepunktes an die weiter nördlich gelegene Endhaltestelle der Stadtbahn die Nahverkehrsangebote an einem Knotenpunkt zusammenzulegen.

Knackpunkt, so hatte die Bahn bereits vor Jahren wissen lassen: Die Fahrgastzahlen gäben eine solche Investition nicht her. Und die Stadt kann wohl auf lange Sicht kaum das Geld aufbringen, um selbst tätig zu werden.

Der neue Knotenpunkt gehöre ins Reich der Utopie, sagt dazu Taxi-Unternehmer Andreas Dietl. Und fordert, den jetzigen Bahnhof zu modernisieren, statt Zukunftsvisionen nachzuhängen. Dietl hat 2011 das Bahnhofsgebäude gekauft. Seit dem Besitzerwechsel hat er bereits einiges investiert, etwa in die Fassade und die Beleuchtung. Seit November gibt es auch einen Kiosk.

Nachdem der Fahrkartenautomat aufgebrochen worden war, nutzte der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) ihn als Verkaufsstelle: Dietls Mitarbeiter sprangen in die Bresche und verkauften auch VRS-Tickets. "Nicht alles, was technisch machbar ist, wird von den Kunden auch angenommen", meint Dietl. Der VRS nutze seiner Beobachtung nach immer häufiger die Chance, auch Alternativen zu störanfälligen Automaten anzubieten.

In den Bahnhof investiert hat aber auch die Stadt. Der Vorplatz wurde umgestaltet, mehr Parkplätze wurden geschaffen. Stillstand herrscht derweil in puncto barrierefreier Zugang zu den Gleisen.

Da wäre die Stadt am Zug, meint jedenfalls der Sprecher der Bahn: Beim Verkauf des Bahnhofs wurde ein Bereich ausgeklammert, "wir haben uns die Fläche sichern lassen, damit der Aufzug später gebaut werden kann." Aber: Das könne erst geplant und in Modernisierungsprogramme aufgenommen werden, wenn die Stadt die Verlegungspläne für den DB-Haltepunkt offiziell ad acta legt: "Solange diese Entscheidung nicht getroffen ist, wird es keine weitere Investition geben." Vedders dazu: "Die Stadt musste sich im Zuge der Umgestaltung zum Standort äußern und hat es auch."

Gleichwohl hat auch Dietl den Eindruck, die Stadt blockiere eine Attraktivierung des Bahnhofes. Das sei zum Nachteil der Kunden - und dem des Stadtimages. Unterdessen plant er selbst weitere Verbesserungen. Und hofft, dass Investitionen in das gesamtstädtisch wichtige Projekt von allen Beteiligten vorangebracht werden.