Kometen-Fieber am Drachenfels

Sternfreunde machen Jagd auf "Panstarrs"

Spektakel am Himmelszelt: Daniel Bockshecker (links) und Christian Preuß haben den Kometen im Visier.

Bad Honnef. Da wurde es einigen Sternfreunden Siebengebirge trotz Bibber-Kälte ganz warm ums Herz. "Ich hab' ihn", rief Amateur-Astronom Christian Preuß wenige Minuten vor acht Uhr abends begeistert.

In den Weinbergen hatte eine kleine Gruppe mit Ferngläsern und Fernrohren Position bezogen, um damit den Himmel abzusuchen. Jupiter oder der Vollmond, der sich später langsam um den Drachenfels schob, interessierten die Honnefer diesmal kaum. Sie machten Jagd auf "Panstarrs", den Kometen, der gegenwärtig am Westhimmel unterwegs ist.

Schon einmal wollten ihm die Sternfreunde vom Park Burg Reitersdorf aus auflauern. Aber da machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. "Panstarrs" ließ sich nicht blicken. Diesmal hatten die begeisterten Sterngucker den Kometen "auf dem Radar". Das Warten auf die Dunkelheit in den Weinbergen zahlte sich aus mit diesem besonderen Spektakel am Himmelszelt.

"Vor Wochen war der Komet noch heller, weil er sich näher an der Sonne befand", erklärte Christian Preuß. Nämlich rund 50 Millionen Kilometer. Am 19. März hatte Preuß seine "Panstarrs"-Premiere.

"Ich habe ihn vom Küchenfenster aus mit bloßem Auge entdeckt und dann auch fotografiert." Ein Erlebnis, das nun seine Sternfreunde mit ihm teilen konnten. Ohne technische Hilfe ging das jetzt allerdings nicht mehr. Auch Daniel Bockshecker sagte plötzlich: "Ich sehe ihn! Der Schweif geht nach oben."

Sein schweres Fernglas hatte er auf ein Stativ geschraubt. Seinem kleinen Sternfreund Florian Knappkötter bot er an, das Himmelstheater durch sein Instrument zu verfolgen. "Das ist ein tolles Gefühl, den Komet mit eigenen Augen zu erblicken", meinte Vater Dirk Knappkötter.

Christian Preuß wies auch Martin Vreden die Richtung: "Über dem Lichtmast hinter dem Langen Eugen ist ein kleiner Stern im Sternbild Andromeda, dort musst Du suchen." Die Maße dieses "Himmel-Models": Um den Kometenkern, ein Eisbrocken mit einem Durchmesser von 15 bis 30 Kilometern, befindet sich die Koma, eine Wolke aus Gas und Partikeln in einer Größe von mehr als 100.000 Kilometern.

Der Kometenschweif kann eine Länge von mehreren hundert Millionen Kilometern erreichen; er entsteht, weil der Sonnenwind aus dem Kern und der Koma Gasmoleküle und Staub herausschleudert. Am 6.6.2011 wurde "Panstarrs" entdeckt. Sein Schicksal ist ungewiss.

Er wird sich in die Ferne davonmachen, um irgendwann wieder aufzutauchen. In langer Zeit, denn er zählt zu den Kometen mit großer Umlaufzeit um die Sonne. Vielleicht war er auch schon einmal hier. Eine faszinierende Vorstellung. Die Sternfreunde freuen sich bereits auf die nächste Vorstellung am Firmament. Im April zeigt sich Saturn kapriziös. Die Sternfreunde Siebengebirge wollen ihn dann vom Park Burg Reitersdorf aus beobachten.

Ab Oktober taucht der Komet "Ison" auf. Das könnte dann eine richtige Gala in diesem Kometenjahr werden. Christian Preuß: "Wenn er die Erwartungen, die an ihn geknüpft werden, erfüllt und ,Ison? nicht nahe der Sonne verdampft, dann nimmt sein Staubschweif vielleicht ein Drittel des Himmels ein." Besonders für den 27. Dezember ist ein Schauspiel vorhergesagt. Ach ja, die Prophezeiungen. Früher verknüpften die Menschen mit Kometen Unglück. Bei den Sternfreunden ist von Weltuntergangsstimmung nun überhaupt nicht die Rede. "Ison" wird in sicherer Entfernung an der Erde vorbeiziehen.

Die Sternfreunde Siebengebirge sind im Internet unter www.Sternfreunde-Siebengebirge.de zu entdecken. Christian Preuß informiert über die Kometen "Panstarrs" und "Ison" unter www.panstarrs-ison.de.