Gespräche mit Kreissparkasse Köln

Stadtsparkasse Bad Honnef will fusionieren

Die Stadtsparkasse Bad Honnef will fusionieren.

Die Stadtsparkasse Bad Honnef will fusionieren.

Bad Honnef. Es bahnt sich eine Bankenfusion in Bad Honnef an: Die Stadtsparkasse hat Sondierungsgespräche mit der Kreissparkasse Köln aufgenommen.

Es wäre „nicht verantwortbar, sich nicht mit dem Thema auseinanderzusetzen“, hatte Dorit Schlüter, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Bad Honnef, bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2016 zum Thema Bankenfusionen gesagt. Das war Anfang April. Keine neun Monate später wird daraus Realität. Wie der Verwaltungsrat der Stadtsparkasse am Donnerstag mitteilte, werden ab sofort Sondierungsgespräche mit der Kreissparkasse Köln geführt. Das Ziel: die Fusion. Am Abend wurde der Stadtrat informiert, der – den Erfolg der Sondierung vorausgesetzt – bei einer Fusion das letzte Wort hat. Parallel wurden die rund 100 Mitarbeiter des Bad Honnefer Kreditinstitutes und die Gremien der Kreissparkasse Köln informiert.

Selbstständigkeit schon lange ein Thema

Immer wieder war die Selbstständigkeit der Stadtsparkasse Thema. Und immer wieder hatten Vorstand, Verwaltungsrat und die örtliche Politik darauf gepocht, dass man sich bislang erfolgreich gegen die Zentralisierungstendenzen auf dem Bankensektor stemme. Und dass man dies weiterhin so halten wolle. Verwaltungsratschef Christian Kunze, der gestern mit Schlüter und Bürgermeister Otto Neuhoff als Trägervertreter über den Start der Sondierung informierte: „Vorstand und Mitarbeiter haben sich tapfer geschlagen und die Fahne immer hochgehalten. Dafür gebührt ihnen allen großer Dank.“ Zugleich sei der „Markt in Honnef sehr begrenzt“, so Kunze. Noch im April hatte Schlüter betont: „Der Zinsverlust wird immer schwerer zu kompensieren sein.“ Auch auf dem Immobiliensektor könnte es besser laufen für die Stadtsparkasse. In Bad Honnef, vor allem im Tal, fehlten Grundstücke, die sich in Immobilienfinanzierungen niederschlagen, so Schlüter und ihr Vorstandskollege Mathias Alfs im Frühjahr. Und für Bestandsimmobilien gebe es Wartelisten mit Kaufwilligen, aber kaum Angebote. Stabilisierender Faktor sei alleine das Versicherungsgeschäft.

Jahresüberschuss lag 2016 bei rund 468 000 Euro

Der Jahresüberschuss 2016 lag mit rund 468 000 Euro dann auch unter dem aus 2015 mit 584 000 Euro sowie aus 2014 mit 970 000 Euro – insofern sei 2016 ein „durchwachsenes, aber noch zufriedenstellendes Jahr“, konstatierte Schlüter im April. Gespräche über eine mögliche Fusion damit aus einer – noch – stabilen Position führen zu können, sei der Sache sicher dienlich, so Kunze. Das gelte auch für die Mitarbeiter: „Natürlich ist es ein wichtiges Thema bei den Gesprächen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, so Schlüter; entsprechende Signale seitens der Kölner gebe es bereits. Auch die Kontinuität bei den Ansprechpartnern der Kunden soll gewahrt bleiben. Zugleich könnte gerade im Stabbereich auf Mitarbeiter ein Ortswechsel zukommen.

Soziale Engagement soll erhalten bleiben

Wert gelegt wird auf das soziale Engagement. Schlüter: „Die Kreissparkasse tut hier sehr viel in der Fläche.“ Neuhoff: „Und es ist natürlich ein intensives Interesse der Stadt, das soziale Engagement zu erhalten.“ Gleichwohl, ein massiver Einschnitt wäre die Fusion und der Abschied von der „eigenen“ Bank nach 120 Jahren. Soweit ist es noch nicht, die Betonung liege auf dem Konjunktiv, so Neuhoff. Jedoch hatten Schlüter und ihr Vorstandskollege Mathias Alfs nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Entwicklungen auf dem Bankensektor vor Bad Honnef nicht haltmachen. Die Stichworte lauten: Steigende Regulatorik und anhaltende Niedrigzinsphase. Denn während die Anforderungen durch die Europäische Bankenaufsicht kontinuierlich gestiegen seien und damit einhergehend die Kosten auch für die „Kleinen“, würden die Erträge sinken. „Dass die Niedrigzinsphase derart anhalten würde, war sicher nicht absehbar“, so Schlüter.

Patrick Tegeder, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der auf dem nationalen und internationalen Finanzsektor tätigen Unternehmensberatung zeb, die die Sparkasse bei den Gesprächen begleitet: „Gerade regionale Banken geraten dadurch immer mehr unter Druck. Sie kommen von ihrem Fixkostenblock nicht runter, aber die Erträge sinken.“ Hinzu kämen nötige Investitionen für die Digitalisierung, die auch in Bad Honnef im Millionen-Euro-Bereich lägen, so Tegeder. Die Kreissparkasse Köln sei in jedem Fall ein „ertragsstarker und auch ein natürlicher Partner nach dem Sparkassengesetz“, so Schlüter, Kunze und Neuhoff. Fest machen sie das unter anderem an der Trägerschaft der Kreissparkasse Köln durch einen Zweckverband, in dem der Rhein-Sieg-Kreis Sitz und Stimme hat.

Kreissparkasse sei "ein regional verwurzeltes Kreditinstitut"

Die Kreissparkasse sei zudem, analog zur heutigen Stadtsparkasse, ein regional verwurzeltes, dezentral wirkendes Kreditinstitut. 90 Prozent aller Entscheidungen würden vor Ort getroffen, so Schlüter. Und: „Die Angebote sind vergleichbar, auf einigen Sektoren bietet die Kreissparkasse Köln mehr.“ Kunze: „Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, wird das für die Kunden kaum spürbar sein.“ Bis etwa Ende März nehmen sich die möglichen Partner Zeit für die Sonderungsgespräche. Sollten die Gespräche von Erfolg gekrönt sein und der Stadtrat einer Fusion zustimmen, wäre Ende 2018 ein möglicher Termin für den Zusammenschluss, so Neuhoff. Fest steht aber schon jetzt: Nachdem die Spar- und Darlehnskasse Aegidienberg in der Volksbank Bonn/Rhein-Sieg, die mittlerweile mit der ehemaligen Kölner Bank die neue Volksbank Köln-Bonn bildet, aufgegangen war, ist die Selbstständigkeit auch des letzten örtlichen Kreditinstituts in Bad Honnef deutlich angezählt.