Jugendarbeit in Bad Honnef

Stadtjugendring vergrößert sein pädagogisches Team

Unterstützen, bevor sich Probleme manifestieren: Ein Junge schwänzt die Schule.

Unterstützen, bevor sich Probleme manifestieren: Ein Junge schwänzt die Schule.

Bad Honnef. Die Stadt Bad Honnef erweitert ihr Angebot in der Jugendarbeit: Gesucht wird jetzt eine Fachkraft, die Kinder und Jugendliche auch außerhalb der Häuser der Jugend zur Verfügung steht. Träger der Maßnahme ist der Stadtjugendring.

Es ist eine Szenerie, wie sie auch in Bad Honnef oft zu beobachten ist: Ein Spielplatz am Rande der Stadt, doch die, die sich da tummeln, sind Schaukel und Sandkasten längst entwachsen. Nicht zuletzt in solchen Situationen kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den Generationen, wird Cliquenbildung gerade von Älteren kritisch beäugt. Unter anderem hier setzt mit der aufsuchenden Jugendarbeit ein neues Angebot der Stadt an. Zur Förderung einer halben Stelle gab der Jugendhilfeausschuss jetzt sein Plazet. Träger wird der Stadtjugendring, der damit sein Angebot als Lobbyist der Jugend erweitert.

"Nicht Fisch, nicht Fleisch"

Denn genau darum geht es, betont Silke Kornstädt, Geschäftsführerin der Stadtjugendring GmbH: „Es ist eine Arbeit für die Jugendlichen, nicht gegen sie. Es geht darum, den Jugendlichen den Rücken zu stärken.“ Wer kennt das nicht: Vor allem in der Pubertät wollen Jugendliche eigene Erfahrungen sammeln, koppeln sich zunehmend ab vom Elternhaus, „sind nicht Fisch, nicht Fleisch“, wie Jugendamtsleiter Julian Schimkowski sagt. Zugleich sind sie mit immer höheren Erwartungen konfrontiert, verlangen Schule und Eltern ihnen einiges ab. Und ja, „sie machen auch Fehler, befruchten sich nicht nur im Guten, sondern auch im Unguten, schwänzen die Schule oder bauen anderen Unsinn“, so Schimkowski – die „jungen Wilden“ eben.

Damit sich Probleme gar nicht erst hochschaukeln

Was es dann braucht, um die Jugendlichen zu unterstützen und gleichermaßen zu sensibilisieren für Angebote wie etwa die Jugendberufshilfe und ebenso die Interessen und Ansichten der anderen Generationen, ist kein erhobener Zeigefinger oder gar eine drohende Ordnungsmacht. Diese Erfahrung habe nicht zuletzt die Polizei gemacht, so Schimkowski, und die aufsuchende Jugendarbeit ebenfalls ins Gespräch gebracht. Die aufsuchende Jugendarbeit – nicht zu verwechseln mit Streetwork als passgenaues Einzelangebot oft genau dann, wenn sich Probleme schon manifestiert haben – ist ein niederschwelliges, auch präventives Angebot, bei dem die Jugendlichen dort abgeholt werden, wo sie stehen. Und damit sich Probleme gar nicht erst hochschaukeln.

Verankert wurde die Ergänzung in der Jugendarbeit für ab 2019 bereits vor Jahren im Kinder- und Jugendförderplan, der in der nächsten Wahlperiode fortgeschrieben werden soll. Nach Genehmigung der Haushaltssatzung 2019 durch die Kommunalaufsicht sei die Stadt jetzt in der Lage, das Angebot durch einen freien Träger der Jugendhilfe auch erbringen zu lassen, hieß es in der Vorlage zum Jugendhilfeausschuss, der 26.000 Euro für Personal- sowie 3000 Euro für Sachkosten zustimmte.

Stadtjugendring verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung

Sechs Träger wurden angeschrieben, beworben hat sich nur der Stadtjugendring, der über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der offenen Jugendarbeit verfügt. Aber: Trotz im Schnitt 400 Jugendlichen, die mit den Angeboten im Jugendtreff Aegidienberg und im Haus der Jugend im Tal regelmäßig erreicht werden, klaffe da eine Lücke, werden Jugendliche an Treffpunkten außerhalb der Einrichtungen nicht erreicht, so Birgit Winkelhausen, Pädagogische Leiterin.

Entsprechend wissen diese Kids nicht, welche Unterstützung sie etwa bei Problemen in der Schule, im Elternhaus oder auch bei Drogenerfahrung bekommen können. Möglichst ab September soll sich das ändern; die Stelle wird durch den Stadtjugendring jetzt ausgeschrieben. Denn zunächst muss eine Fachkraft gefunden werden, und das ist nicht einfach angesichts der aktuellen Marktlage auf diesem Fachgebiet.