21 Bands spielten bei Musik-Event

So war die Seven Mountains Music Night im Siebengebirge

21 Bands spielten bei der Seven Mountains Music Night an 16 Orten im Siebengebirge.

21 Bands spielten bei der Seven Mountains Music Night an 16 Orten im Siebengebirge.

Siebengebirge. Es ist die eine Nacht im Jahr, in der es sich die Musiker nicht zu Herzen nehmen dürfen, wenn die Gäste mitten im Auftritt gehen. Denn bei der Seven Mountains Music Night spielen 21 Bands an 16 Orten im ganzen Siebengebirge.

Ihren Roadie hatten Break the Butterfly offenbar nicht eingeweiht. Dass noch ganze 20 weitere Bands zeitgleich um die Gunst des Publikums buhlten? Das schien er nicht auf dem Schirm zu haben – und war ein wenig verdutzt, dass die Besucher sich die Klinke in die Hand gaben, in Scharen kamen und in Schüben wieder von dannen zogen. Aber: Es war ja gerade die eine Nacht des Jahres, in der es sich die Musiker nicht allzu sehr zu Herzen nehmen durften, wenn die Hälfte der Gäste plötzlich aufstand und das Weite suchte. Denn bei so viel Abwechslung, wie sie die Seven Mountains Music Night bei ihrer neunten Ausgabe einmal mehr bot – wer spürte da nicht den Drang, als Live-Musik-Nomade durch Bad Honnef und Königswinter zu ziehen?

Auch wenn teilweise etwas weniger los zu sein schien als noch im Vorjahr – erneut schwärmten viele Hunderte Music-Night-Pilger, die blauen Einlassbändchen am Handgelenk, in der Dämmerung durch die Straßen. 21 Bands an 16 Locations und in drei Shuttlebussen – ein Traum für Live-Musik-Junkies, die Qual der Wahl für Unentschlossene. Nie war das Festival von Helge Kirscht größer. Da konnten sich die engagiertesten Zuhörer, die so viele Acts wie möglich abhaken wollten, einen noch so ausgeklügelten Wegplan zurechtlegen – in nur vier Stunden alles zu sehen, war ein Ding der Unmöglichkeit.

Quantität und Qualität gehen Hand in Hand

Wie immer gingen Quantität und Qualität Hand in Hand. Weltklasse: die Gastmusiker aus dem schottischen Fife. Als Break the Butterfly pünktlich um acht Uhr im „Herzblut“ loslegten, standen die Fans draußen noch Schlange. Keine Frage: Der krachende Folkrock des Schotten-Quartetts war das Highlight der Musiknacht. Dabei rocken sie eigentlich nur nebenberuflich: „Aber wer weiß, vielleicht kommt ja irgendwann der große Durchbruch, dann machen wir das Vollzeit“, meinten die Musiker und grinsten. „Momentan läuft's für uns als Band jedenfalls ziemlich gut.“ Auch das Publikum hätte zufriedener kaum sein können: Die Punkrock-Hiphop-Hymne „Pringle“, das träumerische Cover von „Wild Mountain Thyme“ und die Ballade „11:11“ zählten zum Eindrucksvollsten, das der Abend zu bieten hatte.

Sich loszureißen, fiel schwer. Beim Ayuntamiento am Honnefer Marktplatz bildeten die Samba- und Latin-Rhythmen des Trios Bonn Brasil den Kontrast zu den kühlen Cocktails, die draußen in der Abendbrise geschlürft wurden, und vor dem Club Pseudonym an der Linzer Straße lachte eine Menschentraube, die Biergläser fest im Griff, während der süffige Bluesrock von Brother Snakeoil über den Gehsteig schwappte. Dicht aneinandergedrängt ließen sich derweil die Gäste im Flames'n'Apes mit jazzigen Progressive-Arrangements von Phonosphere einlullen. Savoir-vivre in Reinform auch wenige Schritte weiter im Nottebrock mit Chansons und World Music aus der Feder der „Marion & Sobo Band“.

„Schwedischer Elchpop“

Und weiter mit dem Shuttlebus nach Rhöndorf. Die Neuankömmlinge mussten sich entscheiden: Kreative Cover mit „The Spix“ bei einem Glas Wein im Böllchen oder doch lieber – nanu – „schwedischer Elchpop“? Beifall und Jubel für den Auftritt von Pia Fridhill samt Band schallte schon von Weitem aus dem Restaurant Chamai. Zwar kein Elch in Sicht, dafür aber umso gefühlvollere Popmelodien: „Take a deep breath and kiss me underwater, don't worry about the world above“. Die Räume waren rappelvoll, Zuhörer tummelten sich sogar vor dem geöffneten Fenster. Eine Ode an ihre alte Heimat Schweden ließ sich Fridhill nicht nehmen: „Die ersten sieben Jahre, nachdem du ausgewandert bist, sind die schwierigsten“, meinte sie; das damalige Heimweh habe sie musikalisch festhalten wollen. Am Ende, fügte sie lachend an, sei aber alles wieder gut gewesen: „Danach kommen dann sieben Jahre, in denen du auf einmal alles geil findest.“

Musik-Event der Superlative

Anders ließ sich auch das Lindenberg-Tribute von „Baroque in Blue“ nicht beschreiben. Im Hotel Loreley herrschte die abgefahrenste Stimmung des Abends: In ihre Jugend zurückversetzt, hüpften die Gäste zu „Candy Jane“ wild auf und ab, wogten bei „Good Bye Jonny“ hin und her und grölten mit: „Hinterm Horizont immer weiter, zusammen sind wir stark!“. Gut, der Gesang war vielleicht nicht hundert Prozent Udo, dafür aber das Kostüm: wilde Mähne, Hut, Sonnenbrille. Mehr Lindenberg ging nicht. Wer es lieber etwas entspannter mochte, wandte sich an Little Bossa, den Vintage Jazz von Astatine in der Maritim-Bar oder die Cover-Extravaganza von „MegaMix“. Wundervoll auch der erste gemeinsame Auftritt von Peter Wendland und Simone Juhasz alias „Emma's Feather“: Folk, Minne, Highlander-Atmosphäre. Traumhaft etwa das Cover-Arrangement „Wish You Were Here“ von Blackmore's Night.

Kurz vor Mitternacht, die Aftershow-Band „Two Tribes“ stand schon in den Startlöchern, fegten die Honnefer Lokalmatadore von „Autumn Nights“ noch einmal mit „Valerie“ durch den Vorhof des Rheingold-Restaurants. Laute Zugabe-Rufe. „Wollt ihr noch einen?“, fragte Co-Sänger Robert Schlüter. „Dann müsst ihr nächstes Jahr wiederkommen.“ Doch von so viel Begeisterung ließ sich die Band schließlich überzeugen und stimmte an: „There's No Place I'd Rather Be“. Da konnte das Publikum voll und ganz zustimmen – der perfekte Ausklang für ein ebenso vielseitiges wie gelungenes Musik-Event der Superlative.