Radfahren fürs Klima

Siebengebirgsstädte rufen zum Stadtradeln auf

Vorfahrt für Radfahrer: In der Königswinterer Altstadt ist eine Fahrradstraße ausgewiesen.

Vorfahrt für Radfahrer: In der Königswinterer Altstadt ist eine Fahrradstraße ausgewiesen.

Siebengebirge. Königswinter und Bad Honnef nehmen an der Aktion des europäischen Klima-Bündnisses vom 24. Mai bis zum 14. Juni teil. Bürgermeister Peter Wirtz geht mit gutem Beispiel voran und wünscht sich viele Nachahmer.

Peter Wirtz hat sein Fahrrad schon geputzt. Bei der zweiten Teilnahme der Stadt am Stadtradeln vom 25. Mai bis 14. Juni ist der Königswinterer Bürgermeister auch dabei. Er startet zusammen mit Pressesprecher Carsten Herrmann im offenen Team Königswinter, dem sich noch Teilnehmer anschließen können.

Weitere sechs Teams haben sich bisher bei der Aktion des europäischen Klima-Bündnisses schon angemeldet – die Königswinterer Wählerinitiative mit vier Ratsmitgliedern, Bündnis 90/Die Grünen sowie Mannschaften mit den Namen Arbeitsradel, Fraunhofer Team Köwi, Der Buchladen und Allwetterteam, eine Mannschaft des Königswinterer Jugendamts.

„Bisher sind 31 Teilnehmer dabei. Wir hoffen, dass es noch mehr werden“, sagt Herrmann. Am Freitag, 24. Mai, fällt um 16 Uhr vor dem Rathaus Oberpleis der offizielle Startschuss. Dort können die Teilnehmer auch ein Stadtradeln-Funktionsshirt erwerben, für einen Eigenanteil von fünf Euro.

„Radfahren macht – zumindest bei schönem Wetter – Spaß. Man tut was für die Gesundheit und spart Treibhausgase ein“, sagt Wirtz. Im vergangenen Jahr verzichteten im Rhein-Sieg-Kreis 1799 Radfahrer bei der Aktion aufs Auto. So wurden insgesamt 42 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Umfahrungsstrecke ist eine Notlösung

Die Vertreter der Stadt hoffen, dass sich mögliche Teilnehmer nicht vom schlechten Ergebnis Königswinters beim Fahrradklimatest abhalten lassen: Gesamtnote von 4,5. 154 Radler hatten die Stadt beurteilt und ihr besonders bei den Kriterien zügiges Radfahren (4,0), Hindernisse auf Radwegen (4,8) und Konflikte mit Fußgängern (4,5) deutlich schlechtere Noten als zwei Jahre zuvor gegeben.

Peter Lorscheid vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) führt das Ergebnis vor allem auf die veränderte Situation am Rheinufer zurück. Die im vergangenen Jahr ausgewiesene Umfahrungsstrecke durch die Altstadt sei nur eine Notlösung. Der ADFC sieht die Stadt in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Radfahrer auch am Rhein wieder zügig fahren dürfen.

Bernhard Steinhaus von der ADFC-Gruppe Siebengebirge fordert zudem eine für Radfahrer nutzbare Verbindung in die Bergregion, vor allem einen Radweg an der L 268 von Oberdollendorf nach Heisterbacherrott. Bei Politik und Verwaltung sind diese Botschaften angekommen.

Stadt investiert Millionen in Radwege

„Wir packen in den kommenden fünf Jahren 2,6 Millionen Euro an, davon jährlich 300 000 Euro für allgemeine Radwege und den Rest für den Rheinradweg. Das ist für eine Stadt unserer Größenordnung relativ viel“, sagte Wirtz dem General-Anzeiger. Die Stadt setze bei den Radwegen einen eindeutigen Schwerpunkt und sei in einem aktiven Austausch mit dem ADFC.

Der meistbefahrene Radweg am Rhein habe dabei natürlich eine ganz hohe Priorität. „Die Frage ist, was man machen kann, bevor die innerörtliche Umgehungsstraße fertig ist.“ Wirtz deutete an, dass die bisherige Beschlusslage, die Gestaltung der Rheinpromenade erst zu diesem Zeitpunkt anzugehen, nicht in Stein gemeißelt sei.

Ihm sei auch bewusst, dass die Alternativroute durch die Altstadt kaum angenommen werde. „Radfahrer sind wie Wasser. Sie suchen den kürzesten Weg.“ Mit einer besseren Beschilderung möchte man dennoch versuchen, die Akzeptanz in Zukunft zu erhöhen.

Berg-Tal-Verbindung hat große Bedeutung

Bei vielen Beschwerden seien der Stadt aber auch die Hände gebunden. „Wir können an Landesstraßen keine Radwege bauen“, sagt der Bürgermeister. Das sei Sache des Straßenbaulastträgers, also des Landes.

Dabei sei eine funktionierende Berg-Tal-Verbindung ähnlich bedeutsam wie der Rheinradweg. „Sonst kriegen wir den Wechsel auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel nicht hin.“ Er werde daher der Politik vorschlagen, mit bescheidenen Mitteln eine Vorplanung zu machen, wo eine Berg-Tal-Verbindung möglich ist. „Das dürfte entlang der L 268 sein“, so Wirtz.

Der Bürgermeister ist aber auch sicher, dass eine wirkliche Verbesserung nur zu erreichen sein wird, wenn – zum Beispiel am Rhein – auch das Verständnis zwischen Radfahrern und Fußgängern größer werde. „Die gegenseitige Rücksichtnahme ist ein Thema. Hier sind die Radfahrer leider meist die Uneinsichtigen“, schildert Wirtz seine Beobachtungen. Auch dieses Problem werde Königswinter wohl noch eine Zeit lang begleiten.

Beim Klimatest schnitten beide Städte schlecht ab

Auch die Stadt Bad Honnef nimmt am Stadtradeln vom 25. Mai bis 14. Juni teil. Alle Bürger, die in Bad Honnef wohnen, arbeiten, einem Verein angehören oder eine (Hoch-)Schule besuchen, können mitmachen. Sie können Teams gründen oder sich einem Team anschließen.

Wie Königswinter hatte auch Bad Honnef beim Fahrradklimatest schlecht abgeschnitten. Gesamtnote: 4,5. Es beteiligten sich 82 Radfahrer an der Beurteilung. Allein achtmal gab es eine Fünf, unter anderem für die Rad-Führung an Baustellen, die Breite der Radwege und die Kontrolle von Falschparkern.

Immer wieder wird die fehlende Verbindung zwischen Berg- und Tallage genannt. Bemängelt wird auch die Qualität des Radwegs am Rhein. Er sei über das Ergebnis „extrem unglücklich“, kommentierte Bürgermeister Otto Neuhoff die Ergebnisse der Befragung.

Weitere Informationen unter www.stadtradeln.de/bad-honnef und www.stadtradeln.de/koenigswinter