Siebengebirgsgymnasium in Bad Honnef

Sibi-Schulleiter und sein Vize gehen in Ruhestand

Die Sibi-Familie nimmt Abschied: Armin Ritter (Mitte, l.) und Joachim Nowak mit den Schülern.

Die Sibi-Familie nimmt Abschied: Armin Ritter (Mitte, l.) und Joachim Nowak mit den Schülern.

Bad Honnef. Insgesamt bringen es die beiden auf 57 Jahre Schulgeschichte, seit Freitag ist sie für Joachim Nowak und Armin Ritter endgültig vorbei: Der Schulleiter des Siebengebirgsgymnasiums und sein Stellvertreter wurden von der Schulgemeinde gebührend in den Ruhestand verabschiedet.

Endlich ein eigener Parkplatz. Als Joachim Nowak am Donnerstag um kurz nach acht Uhr das Siebengebirgsgymnasium ansteuerte, da war dem betagten Golf des Sibi-Schulleiters der kostenfreie Center Court, für alle anderen Parkplatzsuchenden abgesperrt, sicher. Ungewöhnlich auch der Empfang für Nowaks Vize Armin Ritter

Auf der Rommersdorfer Straße bildeten die Schüler ein Spalier und betätigten ihre Fahrradklingeln was das Zeug hält. Gut vier Stunden später war der Anlass für die Aktionen besiegelt: Namens der Bezirksregierung übergab Jochen Ringel dem Führungsduo die Ruhestandsurkunden.

Dazwischen lag eine Abschiedsfeier für das erfolgreiche Gespann, das nicht nur Kollege Stefan Rost, Leiter von Real- und Gesamtschule Sankt Josef, im eigens umgedichteten „Stammbaum“ der Bläck Fööss als „Dreamteam vom Sibi“ charakterisierte – perfekt singend, wohl gemerkt, die Gästeschar als Chor beim Refrain.

„Das zeigt die ganze Dynamik des Sibi-Lebens“ (Nowak) und „So liebe ich euch, in Bewegung, mit Dampf“ (Ritter) hatten sich die scheidenden Schulleiter zuvor bei ihren Schülern bedankt, nachdem diese mit dem Sibi-Tanz den Schulhof in einen Bienenstock verwandelt hatten. Für die Schülervertretung moderierte Ebba Götz die Übergabe des Geschenks der Schülerschaft.

Apfel- und Quittenbaum gepflanzt

Dafür war freilich Einsatz gefragt: Nowak und Ritter pflanzten am Feuerschlösschen einen Apfel- sowie einen Quittenbaum, auf dass diese ebenso gedeihen und Früchte tragen mögen, wie es das Sibi unter ihrer Leitung über Jahrzehnte getan hat.

Ritters eigene Schulzeit am Sibi eingerechnet, bringen es die beiden auf 57 Jahre Schulgeschichte. Nowak kam 2001 vom Aloisiuskolleg als Schulleiter ans Sibi. Ritter war zu diesem Zeitpunkt bereits 22 Jahre Lehrer an der Schule, an der er selbst 1972 sein Abi „gebaut“ hatte. 2004 wurde Ritter stellvertretender Schulleiter.

Es sollte die perfekte Symbiose werden, Yin und Yang gewissermaßen im Dienst der Schule und der Schüler. „Freiheit geht nie ohne Verlässlichkeit“, umschrieb Ringel, wie sich der „freigeistige Künstler mit Beethovenfrisur“ Nowak, der vor allem den Sinn bürokratischer Auswüchse laut Sonja Friedrichs von der Bezirksdirektorenkonferenz stets hinterfragt habe, und der perfekte Organisator Ritter über all die Jahre erfolgreich die Bälle zugespielt haben.

"Pointierter Kampf" für das Sibi

„Komplementarität als Wert wird unterschätzt“, nannte das Bürgermeister Otto Neuhoff. Was beide eine, seien der „pointierte Kampf“ für das Sibi, manches mal gar als „Stachel im Fleisch der Stadt“, und ihr Verdienst um eine „hervorragende“ Schule. Neuhoff: „Es muss Leute geben, die nicht aufhören, Druck auszuüben.“ Zugleich werbe er dafür, dass die Finanzen der Stadt Grenzen auferlegten und demokratische Willensbildung Zeit brauche.

Marcus Perzborn, Vorsitzender der Elternpflegschaft, sagte: „Wir Eltern schicken unsere Kinder nicht an eine Schule, weil sie die dichtesten Fenster hat.“ Das Sibi erlaube jedem Kind, sich in seinem Element zu entfalten – ein Verdienst nicht zuletzt Nowaks und Ritters, die das Gros des heutigen Kollegiums selbst ausgesucht und eingestellt hätten. Klar, auf der Hitliste der beliebtesten Lehrer lande man nicht, „wenn man am Tor steht und schaut, wer wieder zu spät kommt“, so Gregor Pallast, Vertreter des Kollegiums, über Ritter.

Aber: „Er schreibt nicht auf, es gibt da keine bösen Elternbriefe. Er 'demonstriert' einfach – und es wirkt. Ich habe selbst schon meine Schritte beschleunigt, wenn ich ihn da so stehen sah.“ Für Nowak wie Ritter habe immer die Frage im Mittelpunkt gestanden: Was ist sinnvoll für die Schüler? Fehlen werden beiden nach diesem sehr persönlichen Abschied, der von „Sibeat“ sowie Unter- und Mittelstufenchor gerahmt wurde, sicher die Menschen am Sibi. Aber für ein Wiedersehen gibt es schließlich die nächste Sommernacht.