219 Tonnen Gesamtgewicht

Schwertransport quer durchs Siebengebirge und Bonn

Ein Transformator der Firma ABB wird am Bonner Hafen verladen. (Archivfoto)

Ein Transformator der Firma ABB wird am Bonner Hafen verladen. (Archivfoto)

Siebengebirge/Bonn. Ein 127,5 Tonnen schwerer Großtransformator wird heute Nacht von Bad Honnef zum Bonner Hafen transportiert. Die mehrere Stunden dauernde Fahrt führt quer durch das Siebengebirge und die Bonner Innenstadt.

Der Tross bringt es alles in allem auf 219 Tonnen Gewicht, eine Höhe von 5,75 Meter und 36,5 Meter Länge: In der Nacht zu Freitag wird ein Großtransformator der Firma ABB zum Bonner Hafen transportiert. Der Weg führt vom Bad Honnefer Lohfeld quer durch das Siebengebirge und Bonn. Gegen Mitternacht muss dafür unter anderem die B42 vorübergehend gesperrt werden.

Jedes Stück ist eine Einzelanfertigung, besteht hauptsächlich aus Eisen, Kupfer und Öl und wiegt oft mehrere hundert Tonnen: Transformatoren für die Stromverteilung. Aktuell 50 bis 60 dieser mehrere Millionen Euro teuren Giganten verlassen Jahr für Jahr das Werk der ABB Transformatoren GmbH in Bad Honnef, Teil des weltweit agierenden ABB-Konzerns.

So auch der Transformator, der in der Nacht zu Freitag auf die Reise geht und es laut Jan Löffler, Fachmann bei dem für den Transport zuständigen Unternehmen Victor Baumann GmbH & Co. KG, immerhin auf ein beachtliches Eigengewicht von 127,5 Tonnen bringt. Obwohl erfahren in jeder Art von Schwertransporten, stellt dieser Transport auch für die Baumann-Experten aus Bornheim eine besondere Herausforderung dar. Grund: Mehrere Transportwege fielen aus. Entsprechend geht es mitten in der Nacht von Bad Honnef aus erst durch das Schmelztal den Berg hinauf, um dann in Königswinter wieder gen Tal zu fahren. Dabei geht es teils auch über Dorfstraßen. Wenn alles glatt geht, hofft Löffler, dass der Transport gegen 2.30 Uhr den Bonner Hafen erreicht haben wird.

Fahrt auf dem Rhein nicht möglich

Aufgrund der Lage des ABB-Firmengeländes unmittelbar am Rhein werden Großformatoren häufig nicht umständlich mit Schwerlasttransporten durch die Republik gekarrt, sondern Richtung Norden geschifft. Abhängig sei die Wahl des Transportweges unter anderem von der Größe des jeweiligen Transformators, teilte ABB am Donnerstag auf Anfrage mit. Indes, so Löffler: Dieser Weg war im aktuellen Fall wegen des Niedrigwassers versperrt, "da ging gar nichts mehr".

Auch der direktere Weg über die B 42 fiel aus. Zum einen ist die Drachenbrücke über der Königswinterer Altstadt bekanntermaßen wegen Schäden für Schwerlastverkehr über 44 Tonnen gesperrt - und schließlich bringt es der Transport sogar auf mehr als das vierfache Gewicht. Und auch die Tunnel Oberdollendorf und Königswinter stellen eine Barriere dar. Zwar sei die Maximalhöhe des Transportes von 5,75 Meter hydraulisch noch "auf 5,60 Meter absenkbar", so Löffler. Bei einer Tunnelröhre von unter fünf Metern reicht das aber noch lange nicht.

Ungewöhnlicher Landweg

Höhe und Gewicht des Transportes hätten allerdings auch andere Routen ausgeschlossen. So hätten bei einem "Umweg" etwa über Niederkassel und Birlinghoven Richtung Autobahn ebenfalls Brücken und Überfahrungen passiert werden müssen, die dies entweder weder in der Höhe oder vom zulässigen Gesamtgewicht her zugelassen hätten.

Entsprechend geht der Koloss am späten Donnerstagabend also auf einem eher ungewöhnlichen Landweg auf die Reise, wie auch Löffler sagt. Vorbereitung und Logistik haben es in sich. So wird der Tross - die Abfahrt im Lohfeld ist geplant für 22 Uhr, gegen 0.30 Uhr soll am Grünen Weg in Oberdollendorf/Römlinghoven die B 42 gekreuzt werden, die aus Sicherheitsgründen gesperrt wird - von Polizei - und weiteren Begleitfahrzeugen gesichert. Mit von der Partie sind die Besatzungen zweier Hubsteigerwagen, einer vorweg, einer am Schluss. Aufgabe der Mitarbeiter ist es, Ampeln, die im Weg stehen, zu drehen oder auch Schilder im Falle eines Falles vorübergehend zu entfernen. Hat der Schwertransport passiert, wird alles wieder in die richtige Position gebracht.

Quer durchs Siebengebirge und durch Bonn

Der Weg, den der Koloss nehmen wird, birgt so manche Herausforderungen. Vom Lohfeld aus geht es über die Drieschwegspange zur Linzer Straße, die entgegen der momentan wegen der Baustelle geltenden Einbahn befahren wird. Dasselbe gilt für die obere Hauptstraße; von dort geht es dann geradewegs in Richtung Schmelztal/L 144. Über Himberg, Brüngsberg und Nonnenberg rollt der Schwertransport weiter Richtung Thomasberg und Heisterbacherrott, von dort nach Oberdollendorf und schließlich über die Cäsariusstraße zum Grünen Weg. Dort wird die B42 gequert, wobei unter anderem Mittelleitplanken vorübergehend entfernt werden müssen.

Vom Grünen Weg aus geht es weiter auf Bonner Stadtgebiet, so über die Königswinterer Straße und den Landgrabenweg Richtung Anschlussstelle Bonn-Ramersdorf, Bonn-Rheinaue und schließlich auf die B 9 und - wegen des ebenfalls zu niedrigen Koblenzer Tors - teilweise auf der Rheinparallele quer durch die Bonner Innenstadt. Zu guter Letzt führt der Weg über Römerstraße und Werftstraße bis Zufahrt der Firma Bonner Hafenbetriebe GmbH.