Futter für Tiere wird knapp

Schlechtestes Erntejahr seit 40 Jahren in der Region

Rhein-Sieg-Kreis. Seit 40 Jahren gab es kein so schlechtes Jahr: Im Herbst müssen bereits die Wintervorräte angebrochen werden, um die Tiere mit Futter zu versorgen. Die Landwirte üben auch Kritik an der Siedlungspolitik.

Wen wundert's: Die Trockenheit war das beherrschende Thema bei der Informationsveranstaltung des Förderkreises Landwirtschaft am Montagvormittag auf Gut Heiderhof in Vinxel. „In 40 Jahren in der Landwirtschaft habe ich noch nicht so ein Jahr erlebt“, sagte Theo Brauweiler, der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg.

Auch die jüngsten Niederschläge seien nicht nennenswert gewesen, das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht, meinte der Landwirt aus Sankt Augustin-Meindorf.

Der Förderkreis ist ein Zusammenschluss der landwirtschaftlichen Institutionen im Rhein-Sieg-Kreis. Er stellt seit 28 Jahren bei einer Infoveranstaltung jeweils einen landwirtschaftlichen Betrieb vor, um zu zeigen, wie moderne Landwirtschaft im Kreis funktioniert. Ihm gehört die Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg an, die 1500 Landwirte mit einer Wirtschaftsfläche von insgesamt 33 000 Hektar vertritt.

Auch Bundes- und Europapolitiker beim Treffen

Zahlreiche Politiker und Repräsentanten des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Königswinter machten am Montag den Landwirten ihre Aufwartung – in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadtgrenze zu Bonn.

Unter ihnen waren der Bundestagsabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff, der Europaabgeordnete Axel Voss, die NRW-Staatssekretärin Andrea Milz und die Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen und Nicole Westig.

Sie hörten nach einer Besichtigung im Betrieb der Familie Töllner, die sich mit einer Fußballgolfanlage und einem Maislabyrinth zusätzliche Standbeine geschaffen hat, durchweg schlechte Nachrichten. Aus den einzelnen Produktionsbereichen berichteten wie in jedem Jahr Nachwuchslandwirte.

Am stärksten von der Dürre betroffen sind die Betriebe mit Tierhaltung und Milcherzeugung. „Das Futter ist knapp, weil in diesem Jahr ein bis zwei Schnitte fehlen“, sagte Lukas Schimmel, Student der Agrarwissenschaften, dessen elterlicher Hof in Wachtberg liegt.

Schon jetzt werden Wintervorräte verfüttert

Im Herbst müssten bereits die Wintervorräte angebrochen werden, um die Tiere mit Futter zu versorgen. Der Silomais stehe auf dem Feld sonst drei bis vier Meter, in diesem Jahr nur hüfthoch. Wenn die Trockenheit noch länger anhalten und die Grasnarbe leiden sollte, müsse man sich auch für das kommende Jahr Sorgen machen, so Schimmel.

Der Erzeugerpreis für Milch sei zwar vom Tiefststand im Jahr 2016, als nur 20 Cent gezahlt wurden, auf 35 Cent gestiegen, das reiche aber nicht, um Rücklagen zu bilden. „Viele Landwirte im Rhein-Sieg-Kreis haben immer noch mit der Tiefpreisphase zu kämpfen.“ Einige Betriebe hätten daher die Konsequenzen gezogen und seien aus der Milchproduktion ausgestiegen.

Auch Gastgeber Philipp Töllner sprach von der „größten Dürre seit 1976“. Der Ertrag bei der Getreideernte sei um zehn bis 50 Prozent zurückgegangen. Allerdings seien die Einbußen im Kreis mit Blick auf den Rest der Republik vergleichsweise überschaubar, da der gute Start und eine ausreichende Wasserversorgung im April und Mai Schlimmeres verhindert hätten.

Bei den Zuckerrüben sei nur auf sehr guten Standorten mit einer einigermaßen zufriedenstellenden Ernte zu rechnen. Bei den Kartoffeln, die unter dem Trockenstress sehr gelitten hätten, sei ebenfalls ein Ertragsrückgang von zehn bis 50 Prozent zu erwarten. Im Gartenbau können in diesem Jahr laut Diplom-Agrarbetriebswirt Andreas Trimborn (Lohmar) nur die Apfelbauern jubeln, auch wenn die Früchte wegen der Trockenheit kleiner ausfallen.

Landwirte sehen ihr Pachtland schwinden

Ein wichtiges Thema bei der anschließenden Diskussion war auch die Siedlungspolitik des Kreises. Landrat Sebastian Schuster erinnerte daran, dass 50 Prozent der Fläche von Landwirten bewirtschaftet würden. Gleichzeitig sei der Kreis eine Zukunftsregion, in der neue Gewerbe- und Wohnbauflächen ausgewiesen werden müssten.

Theo Brauweiler hielt dem entgegen, dass 70 Prozent der bewirtschafteten Flächen gepachtet seien. „Wir wollen eine Versorgung für die Region aus der Region. Wenn der Flächenverbrauch aber immer größer wird, ist das ein Problem“, sagte er. Er forderte die Politik zu einer intelligenten Planung auf, die die Interessen der Landwirte wahre. „Die Landwirtschaft bleibt die erste Säule der Gesellschaft. Wo eine gute Landwirtschaft ist, ist auch eine gute Entwicklung“, stimmte Junglandwirt Trimborn ihm zu.